Beispielgebend - Damit keine Menschen mehr im Straßenverkehr ums Leben kommen Helsinki als Vorbild für die Verkehrswende

Lesedauer

Zum Artikel „Besser leben ohne Autos?“ (SZ-Ausgabe vom 15. Februar) wird uns geschrieben:

Der „Tagesspiegel“ schrieb am 18. Februar im Artikel „Berlin kann sich ein Beispiel an Finnland nehmen – Keine toten Fußgänger und Radfahrer 2019 in Helsinki“: „Im Straßenverkehr in Helsinki sind im vergangenen Jahr nur ein Auto- und zwei Motorradfahrer ums Leben gekommen. Wie bekommt die Hauptstadt das hin?“ und weiter „Premiere in Helsinki: In der finnischen Hauptstadt sind 2019 zum ersten Mal keine Fußgänger oder Fahrradfahrer im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das vergangene Jahr sei damit das erste ohne Todesopfer unter Passanten und Radfahrern, seit 1960 damit begonnen wurde, Statistiken über Verkehrstote zu erheben, teilte die Stadt mit. Zu den Schlüsselfaktoren hat unter anderem eine Verringerung der Höchstgeschwindigkeit gezählt. Diese ist in Helsinki seit den 1970er Jahren konstant gesenkt worden.“

Schon Anfang der 1990er Jahre wurden Ampelkreuzungen in Finnland durch Kreisverkehre ersetzt. Der motorisierte Verkehr wurde in den meisten Wohngebieten und im Stadtkern verlangsamt: 30 Kilometer pro Stunde und auf Hauptverkehrsadern und Schnellstraßen 40 Kilometer pro Stunde. Als Folge werden 80 Prozent der Verkehrswege mit ÖPNV, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Bei uns sind es nicht einmal die Hälfte.

Mehr zum Thema

Auto

Grenzen der Fahrerassistenzsysteme kennen

Veröffentlicht
Von
Andreas Reiners
Mehr erfahren
Fußball

Schwere Last

Veröffentlicht
Von
Frank Hellmann
Mehr erfahren

Seit 2015 ist kein Kind mehr in Helsinki im Straßenverkehr getötet worden. In Berlin zum Beispiel sieht die Bilanz leider ganz anders aus. 2019 gab es laut Berliner Polizei 40 Verkehrstote, darunter 24 Fußgänger, sechs Radfahrer. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl von Helsinki wären dies sechs Verkehrstote, darunter vier Fußgänger und ein Radfahrer.

Vom Ziel „Vision Zero“ – also „null Tote“ – ist Berlin noch weit entfernt. Etwas Ähnliches wie in Helsinki gibt es auch in Deutschland in Niedersachsen: die Gemeinde Bohmte mit ihren 14 000 Einwohnern. Das EU-Projekt „Shared Space“ wurde dort im Juni 2008 offiziell abgeschlossen. Seither gibt es „nur“ noch Bagatellunfälle (also keine Verkehrsunfälle mit Personenschaden mehr), obwohl auf der Hauptstraße ein reger Lkw-Verkehr herrscht.

In Schwetzingen zum Beispiel bilden sich dank der vielen Ampeln tagsüber lange Staus, die zu einer jährlichen zusätzlichen Klimabelastung von rund 400 Tonnen CO2 führen. Wo bleibt denn da das entschiedene Handeln des kommunalen Klimamanagers?

Ein Besuch in der Gemeinde Bohmte könnte helfen, eine Verkehrswende in Schwetzingen, Oftersheim und Plankstadt einzuleiten. Eine Einladung der Bürgermeisterin von Bohmte besteht seit dem 22. November 2021. Sie hatte mir Folgendes geschrieben: „Sehr geehrter Herr Pfeiffer, Ihr Gemeinderat ist herzlich willkommen. Gerne können Sie oder ein Ratsvertreter sich bei uns wegen eines Termins melden. Mit freundlichen Grüßen Tanja Strotmann, Bürgermeisterin der Gemeinde Bohmte“

Ulrich Pfeiffer, Schwetzingen