AdUnit Billboard

Hockenheimring - Nicht die Entfernung ist für den Lärm entscheidend, sondern die Windrichtung und die Wirkung der Tribünen HNO-Arzt ist da nicht die richtige Disziplin

Lesedauer

Zu den Leserbriefen „Mehr Unterstützer für Lärmschutz“ vom 19. Juni und „Diese schreckliche Stille“ vom 26. Juni wird uns geschrieben:

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Aus diesen Texten erkennt man, wie unterschiedlich wir Menschen geschaffen sind. Während die meisten Bürger unter Lärmbelastung leiden und auch Krankheitssymptome entwickeln, was durch medizinische Studien zweifelsfrei belegt ist, gibt es Menschen, die scheinbar unter schrecklicher Stille leiden, weil sie zum Beispiel im Schallschatten des Hockenheimrings leben und sich sogar noch Lärmreize in der Nacht wünschen würden.

Vermutlich eine große Zahl der Hockenheimer und speziell die Einwohner umliegender Gemeinden sehen dies aber anders. Jeder, der in dieser Gegend wohnt, wusste seit Jahrzehnten um die großen Rennveranstaltungen am Ring (Formel 1) und den damit verbundenen kurzfristigen Nebenwirkungen. Wenn man den Umweltschutz außen vor lässt, könnte es unter dem Begriff Bestandsschutz durchgehen.

Mehr zum Thema

Hockenheimring Mehr Unterstützer für Lärmschutz

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Seit diese Großveranstaltungen weggebrochen sind, wird aber jedem privaten Rennfahrer die Strecke für kleines Geld zur Verfügung gestellt. Dies führt nun zu einer Art Dauerbeschallung, was sowohl umwelttechnisch, als auch akustisch nicht hinzunehmen ist.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Natürlich spielt die Entfernung zur Lärmquelle eine Rolle, wobei mir die digitale Entfernungsmessung von Google Maps fürs Motodrom nach Schwetzingen Zentrum nur 6,5 Kilometer Distanz anzeigt. Zwei weitere wesentliche Parameter sind aber von größter Bedeutung. Die Hauptwindrichtung hier ist West-Südwest, was den Schall aus dem Motodrom häufig verstärkend in Richtung Oftersheim und Schwetzingen treibt. Und nicht zu vergessen, die Lenkung des Motorenlärms wird durch die Tribünen, welche als Lärmschutzwall wirken, eher weg von Hockenheim geleitet.

Man möge sich gerne mittels Lineal und Landkarte oder vielleicht doch besser mit Google Maps Satellitenansicht die Ausrichtung der Westtribüne anschauen, welche quasi wie ein Parabolreflektor gestaltet, den Lärm aus dem Motodrom genau in nordöstliche Richtung lenkt. Das mag eine Erklärung sein, warum manch Hockenheimer Einwohner trotz der Nähe zur Rennstrecke weniger belastet wird als umliegende Gemeinden.

Ralf Lackner, Oftersheim

Der „unerhörte“ Leserbrief

Eindrucksvoll wird uns von einem 1,5 Kilometer vom Hockenheimring entfernt wohnenden Leserbriefschreiber berichtetet, dass bei ihm, im Gegensatz zu einer lärmgeplagten Schwetzinger Bürgerin, selbst bei geöffnetem Fenster, wenn überhaupt, nur ein leises Summen von den Motorsportlern auf dem Hockenheimring zu hören sei.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Da er aber anscheinend seinen Ohren nicht traute, wollte er auf Nummer sicher gehen und konsultierte einen HNO-Arzt. Ich kenne die hervorragende ärztliche Versorgung in unserer Region, auch berufsbedingt, sehr gut. Deshalb bin ich mir ganz sicher, dass der behandelnde HNO-Arzt auch bei dem Leserbriefschreiber auf jeden Fall eine Audiometrie veranlasst hatte. Nach den Untersuchungen hätte der behandelnde HNO-Arzt ihm ein einwandfreies Gehör attestiert, was er „unerhört“ fand.

Beim Lesen dieser Zeilen erinnerte ich mich sofort an meine jährlichen Untersuchungen bei Professor Dr. Peter Plinkert, Direktor der HNO-Klinik in Heidelberg und dessen Aussage: Hören ist nicht gleich verstehen! Der Leserbriefschreiber wünscht sich, man möge das 24-Stunden-Rennen vom Nürburgring auf den Hockenheimring verlegen, damit er „wenigstens einmal im Jahr tiefentspannt durchschlafen kann“.

Dieser Leserbrief war am vergangenen Samstag Diskussionsgrundlage meiner Sauna-Clique in Reilingen. Man bemerkte, dass es sich vermutlich noch nicht bis zum besagten Leserbriefschreiber herumgesprochen hat, dass die Lärmausbreitung von verschiedenen Faktoren abhängt wie Windrichtung, Witterung und so weiter. Wir erinnerten uns an Formel-1-Rennen mit Michael Schuhmacher auf dem Motodrom in Hockenheim bei Ostwind, bei dem man den Eindruck hatte, die Boliden fahren direkt durch Reilingen – beziehungsweise durch meine Wohnstraße in Hockenheim. Ich kann mich auch an einen Formel-1-Trainingssamstag erinnern, als ich zu einem Termin nach Oftersheim in den Hardtwaldring gerufen wurde. Dort angekommen, erschrak ich und war sehr überrascht, wie sehr der Motorenlärm in Oftersheim zu hören war. Natürlich habe ich auch angenehme Erinnerungen an tolle Konzerte auf dem Hockenheimring mit zum Beispiel Michael Jackson oder Chris de Burgh, denen meine Gattin und ich angenehm auf unserem Balkon in unserem Wohnhaus in der Dresdener Straße lauschen konnten.

Wieso der Leserbriefschreiber bezweifelt (vielleicht wäre verdrängt das bessere Wort), dass der Lärm (je nach Witterung) auch bis Schwetzingen zu hören ist, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Mir fällt da sofort das Zitat ein: „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Wenn es bei dem beschriebenen Leserbriefschreiber wirklich so ist, dass er den Motorenlärm wie zum Beispiel am vergangenen Sonntag nicht wahrnehmen kann und er sich zum Durchschlafen das 24-Stunden-Rennen nach Hockenheim wünscht, kommt für ihn nach meiner Einschätzung eine fachärztliche Behandlung bei einem HNO-Arzt mit hundertprozentiger Sicherheit nicht in Frage. Da ich, wie bereits erwähnt, die hervorragende gute ärztliche Versorgung in der Rhein-Neckar-Region kenne, bin ich mir ganz sicher, dass der behandelnde HNO-Arzt ihn zu einem Arzt mit einer ganz anderen Fachrichtung überwiesen hat. Dort wird man nach der Ursache fahnden, weshalb er Lärm nicht wahrnehmen kann und ihn in verständnisvollen Gesprächen sicherlich aus dem Tal der Unwissenden herausführen.

Richard Wörner, Hockenheim

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1