Tiefe Geothermie - Was Sokrates und Cicero tief bewegte, verhilft der Bürgerinitiative gegen Geothermie leider nicht auf die Sprünge Ich weiß, dass ich nichts weiß . . .

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Trotz abermaliger, expliziter Einladung an einer Exkursion zum Thema Geothermie und Lithiumgewinnung im Oberrheingraben teilzunehmen, folgte kein einziger Mitwirkender jener „Initiative“ der kritischen und neugierigen Gruppe, welche sich auf den Weg machte und die dargebotenen Möglichkeiten profund und ausdauernd nutzte, verschiedensten Experten Löcher in den Bauch zu fragen, auf den Zahn zu fühlen, Gefahren erklären zu lassen, Probleme herauszuarbeiten, Stand der Forschung und neueste Techniken kennenzulernen. Ängste verschiedenster Art wurden offen, mit Empathie und Sachverstand besprochen.

Von Chemikerinnen, über Investoren, Geologen, Bergbaugefahren-Versicherungsunternehmer bis hin zu Maschinenbauern und Messtechnikerinnen – aber auch anderen Geothermie-Gegnern – waren alle bereit, sämtliche erdenkliche Sachverhalte stundenlang zu diskutieren; auch der zuständige Staatssekretär Dr. Andre Baumann wurde ab dem ersten Kilometer keinesfalls geschont. Am Exkursionstag hat sich die gesamte Gruppe von 12.45 bis 21.15 Uhr engagiert ausgetauscht. Nur die Bürgerinitiative (BI) nicht. Ich vermute, dass die Mitglieder glauben – im Vergleich zu allen anderen – bereits alles zu wissen, oder aber nichts wissen zu müssen.

Zuvor wurden erneut in Verlautbarungen der BI schale Teebeutel zum wiederholten Mal neu aufgekocht, leere Nussschalen abermals geknackt. Wenn Halbgares, Halbwahres, Scheinsicheres – wie das legendäre Murmeltier – permanent erneut hervorgeholt wird, dann wird dies alles inhaltlich nicht trefflicher, nicht korrekter.

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Die Stellungnahme der BI Ketsch/Brühl vom 25. April fällt leider in eben diesen Bereich – amüsanterweise betitelt mit „Lieber informieren…“; die Stellungnahme führt zunächst verblüffend schlichte Zeilen auf, weshalb und wofür Amtsträger gewählt werden, was diese zuvorderst zu tun haben (sic!) und was zur Bildung von Bürgerinitiativen geführt haben soll. Nun gehe ich nicht davon aus, dass man sich in der BI basal Luhmann, Habermas und Co. zu Gemüte geführt hat – aber die dargebotene Eindimensionalität kann auch den alten Volksschullehrer verärgern!

In der Folge kann von der BI jedoch nicht erkannt werden, dass der politische Mandatsträger sich und seinem Gewissen verpflichtet ist, persönliche Facetten aufweist und auch als Privatperson tätig wird – gegebenenfalls in einer dieser BI unliebsamen anderen BI. Und ja, auch ein Politiker, Mandatsträger oder eine Amtsperson kann Straftaten begehen; das erscheint unschön – aber ein Blick ins Schulgeschichtsbuch lehrt: Dies war und ist nicht unüblich.

Apropos Schule: Die Lage und Menge von Silizium-Vorkommen lehren eines – Kinder müssen sicherlich nirgendwo auf der Erde Silizium aus dem Boden kratzen. Auch naturwissenschaftliche Sachverhalte, beispielsweise das Grundwasser betreffend, können von der BI nicht akzeptabel eingeordnet werden – anders ist es nicht zu erklären, weshalb die BI Entenpfuhl-Grundwasser mit jenem – zum Beispiel aus dem von Tiefengeothermie-Vorhaben – in mehreren Kilometern Tiefe unter Baden in Verbindung bringen.

Auch aktuellste technische Möglichkeiten und Rahmenbedingungen, welche im Rahmen der (Lithium-)Geothermie-Exkursion von der BI hätten erfragt werden können, werden BI-übliches Opfer von angerissenen Pauschalitäten – ohne jeden Bezugspunkt wird zum Beispiel einfach mal ein „überproportional hoher“ Grundwasserverbrauch behauptet – weshalb hier ein fortwährend zu entnehmendes Grundwasser Verwendung finden muss, wird wohl bis auf Weiteres ein Geheimnis der BI bleiben.

Im Kontext verweist die BI auf ihr zwölfseitiges Schreiben „Gefahren, Risiken und Problematik der Tiefengeothermie / Lithiumsole-Bergwerke im Oberrheingraben“ – die aufgeblähte Betitelung und quantitative Angabe von „zwölf Seiten“ lässt daraus leider keine, wie schon bei der dialektischen Analyse in der Oberstufe, qualitative Aussage zu. Laut BI sollten mit dem Schriftsatz „Politiker, Genehmigungsbehörden sowie Anlagenbetreiber“ auf den der BI genehmen, richtigen Weg gebracht werden.

Eitle Kränkung setzte ein – und hält an – als die Ketscher Grünen es tatsächlich wagten, anders als „andere Politiker“ darauf nicht zu reagieren.

Zugleich und a priori wird zum Beispiel der Partei der Grünen unterstellt, man interessiere sich dort nur für sich selbst – nicht jedoch für die Bürger – und treffe skrupellose, unabhängige Entscheidungen im sinnleeren Raume.

Nun, wer die Naturwissenschaftler und Ingenieure, den einen offiziellen Grünen Dr. Baumann auf der Exkursion beobachten und zuhören konnte, wird vermutlich zum gegenteiligen Schluss gelangen.

Worin mag wohl das Ziel oder eine Basis dieser „Initiative“ begründet liegen? Was initiiert die Initiative de facto? Da sich mittlerweile nicht wenige Fakultäten bis hin zu tiefenpsychologischen Erkundungen mit derartigen Zeitgeistäußerungen befassen, kann ich nach Recherche im Konsens sagen: im Dagegensein. Man will einfach glauben. Gegen den sogenannten Mainstream sein, gegen die Politik, gegen das System, für einfache Antworten und Wahrheiten; ein Frust- und Beruhigungsventil zum Druckabbau nutzen, die überwältigende Komplexitäten der modernen Welt auf einfache Slogans und Scheinbegründungen herunterbrechen.

Fakten und differenzierte Betrachtungsweisen, welche eine Exkursionsteilnahme auch kritischen Zeitgenossen der BI geliefert hätten, stören da nur.

Im Angesicht der unausweichlichen Herausforderungen, welche sich uns allen überall stellen: Tragisch. Traurig. Potenziell gefährlich.

Dipl. Ing. Stefan Behme,

Schwetzingen