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Im Dickicht von Erklärungen und Manipulationen

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Zur Bürgermeisterwahl in Oftersheim wird uns diese Meinung zugesandt:

So – die Kandidatenvorstellung ist nun auch rum wie die Wahlkampfaktivitäten der beiden eigentlichen Kandidaten. Nach Hausbesuchen, Infoständen und Senioren-Kaffeetafel entscheidet nun der Wähler – je nachdem, welches Programm ihm besser „geschmeckt“ hat. Doch kann er dies unvoreingenommen tun, ohne gezielt gesetzte Einflüsse von außen? Da gab es doch am 29. Juli in Presse und Rundfunk eine sogenannte Erklärung oder Resolution, verfasst von allen 22 Gemeinderatsmitgliedern, die sich geschlossen gegen Amtsinhaber Jens Geiß positionierten – zu einem geschickt gewählten Zeitpunkt zwischen Ortsmittefest – „In Oftersheim funktioniert die Dorfgemeinschaft!“ – und letzter Sitzung vor der Sommerpause, sieben Wochen vor der Wahl!

Falls es die Wähler nach den Urlaubswochen womöglich vergessen hatten, wen sie zu wählen haben, wurde am letzten Freitag, 9. September, diese Erklärung nochmals von den Fraktionsvorsitzenden mit dem gleichen Credo bekräftigt – so dass sogar ein beigefügter Kommentar von Joachim Klaehn in der Schwetzinger Zeitung offen davor warnte, „noch mehr Porzellan zu zerschlagen“.

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Der im Artikel gegebene Verweis auf die veröffentlichten Haushaltsreden der letzten Jahre mit den dort implizierten Kritikpunkten lässt den Leser erst recht wie schon so oft fragen: Ja und? Warum habt ihr es dann so weit kommen lassen? Und was soll überhaupt diese „Hexenjagd“ auf den wieder kandidierenden Bürgermeister, kaum zehn Tage vor dem Wahltermin, wenn sie nicht auf seine Niederlage abzielt?

Es fällt angesichts dessen äußerst schwer, hier nicht von offener Wählermanipulation zu sprechen. Bei den 22 Unterzeichnern handelt es sich teilweise auch noch um Personen, die sozial oder in Kirchengemeinden engagiert sind, was mich besonders enttäuscht. Begriffe wie Anstand und Moral scheinen heute aus der Zeit gefallen zu sein. In ihrem Statement zum Rückzug ihrer Kandidatur am 19. August hatte Mitbewerberin Melanie Melchior diese Aktion ebenfalls nicht gutheißen können und stattdessen beispielsweise den frühzeitigen Einsatz eines Mediators ins Spiel gebracht.

Hatte man derartige Lösungsmöglichkeiten erwogen? Vor einigen Wochen wurde mir übrigens ein anonymes Schreiben übermittelt, welches ein gewisses Insiderwissen ums Zustandekommen der Stellungnahme seit Ende letzten Jahres suggeriert. Auch wenn ich dessen Wahrheitsgehalt nicht nachprüfen kann, möchte ich nicht ausschließen, dass sich der Vorgang ähnlich wie dort geschildert im Gemeinderat zugetragen haben könnte.

Noch einige Anmerkungen zur Kandidatenvorstellung: Während der Abend ohne nennenswerte Gefühlsregungen verlief, gingen die Besucher bei einem Thema „so richtig aus sich raus“: Der Herausforderer des Amtsinhabers versprach dem Auditorium, im Falle seiner Wahl die Umbenennung der Kurpfalzhalle nochmals im Rat diskutieren zu wollen! Ein fast schon frenetischer Applaus folgte – er galt jedoch nicht dem Kandidaten selbst, sondern dessen Ankündigung. Jedenfalls ist diese lobenswerte Absicht und vor allem die Reaktion des Publikums als der Anfang vom Ende der „Roland-Seidel-Halle“ zu werten, denn die Oftersheimer Bürgerschaft erwartet, ja fordert jetzt erst recht von ihren Volksvertretern, dass dieses leidige Thema alsbald erneut auf die Agenda gesetzt wird. Unabhängig davon, wer nach der Wahl vorne auf dem Chefsessel sitzen wird. Immerhin ist es „ihre“ Halle, die ohne jede Vorankündigung so von jetzt auf gleich ihren Namen wechselte, zum Wohlgefallen einiger weniger und massiver Verärgerung der allermeisten Einwohner – der „alde Ofdascher“ sowieso.

Das Ziel kann nur sein, Oftersheims zentraler Kulturstätte wieder ihren Namen Kurpfalzhalle zurückzugeben, der vor über 60 Jahren bei der Grundsteinlegung festgelegt worden war, als in der Region der historisch so bedeutsame Begriff Kurpfalz längst nicht derart im Bewusstsein als identitätsstiftend verankert war wie heutzutage (er wurde eher von Baden beziehungsweise Nordbaden überlagert). Wer dann die Kosten für den erneuten Austausch der Beschilderung tragen sollte, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht erörtern.

Hier wird sich exemplarisch zeigen, ob die Bürger tatsächlich, wie in den letzten Wochen so oft und gerne zitiert, „mitgenommen“, „beteiligt“ und „gehört“ werden. Zu „überhören“ waren sie am Montagabend bei diesem Punkt jedenfalls nicht, denn kein anderes Thema weckte derartige Emotionen, nicht einmal die Stellungnahmen. Doch deren Konsequenzen werden das Gremium noch lange verfolgen, unabhängig vom Wahlausgang. Und ein „Weiter so“ wird es so oder so nicht geben.

Hans-Peter Sturm, Oftersheim

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