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Klagen aus den Schulen - Doppelte Arbeit und halber Ertrag für die Lehrer / Beispiel geben und einen Neustart ermöglichen Irrtümer, Zorn, Leid – aber auch Erfolge

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Vielleicht haben wir Glück und überwinden gerade die härteste Phase der Corona-Pandemie. Wie ein Erdbeben hat sie alle und alles durcheinandergebracht.

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Das Beklemmendste: Sie hat das Leben auf der ganzen Erde erschüttert. Das zeigt sich in Deutschland schon an den Kommentaren von Politikern, an Prognosen und Ratschlägen befragter Experten. Seit Menschengedenken hat es nicht so viele öffentliche Äußerungen gegeben, denen widersprochen wurde und die korrigiert werden mussten.

Als der Gesundheitsminister vor einem Jahr schon geahnt hat: „Wir werden uns viel zu verzeihen haben“, meinte er wohl nicht nur die Bürger, sondern auch seine Kolleginnen und Kollegen, von denen bisher jeder zumindest einen gravierenden Irrtum zugeben und bedauern musste – in der ungewissen Hoffnung, man werde ihm verzeihen.

Doch was sind gekränkte Egos im Vergleich zu dem Leid, das Irrtümer verursacht hat! Eine Kette nicht ausreichender Beschaffungen hat das vergangene Jahr durchzogen und die Pandemie verschärft. Vom Mangel an Schutzkleidung in Krankenhäusern über fehlende Masken in den Apotheken bis hin zum unzureichend bestellten Impfstoff. Der trifft zwar allmählich ein, aber immer noch unvollständig und später als in den USA und England.

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Fairness gegenüber verantwortlichen Politikern verlangt freilich auch anzuerkennen, dass unsere Intensivstationen Erkrankte aus Nachbarstaaten aufgenommen haben und wir über die EU mehrere Länder des „globalen Südens“ mit Impfstoff versorgt haben.

Bei einer Befragung, wie sie die Pandemie verkraftet haben, würden etliche von uns angeben, dass die verhängten Maßnahmen allzu hart ausgefallen sind. Ihren Zweck, den Schutz vor Ansteckungen, sehe man zwar ein, man fühle sich aber überfordert. Fernsehbilder haben uns trost- und hilflos weinende Angehörige vor den verschlossenen Türen von Altenheimen und Krankenhäusern gezeigt, wo sie geliebten Sterbenden nicht beistehen durften. Nachträglich können sie zwar ihr Leid in Gesprächen verarbeiten, aber wie es den Angehörigen in ihrer Todesstunde ging, werden sie auf dieser Erde nicht mehr erfahren.

Und bis zum Ende ihres Lebens wird es diese Menschen begleiten, dass Vater oder Mutter, vielleicht unnötig, allein gestorben sind.

Mit einer, wie man nachträglich erkennt, sinnlosen Belastung gehen auch mehr Kinder als vermeidbar in ihr Leben. Von der Kita bis zum Gymnasium brauchen manche eine besondere Betreuung der Erzieher und Lehrer, weil sie mehrfach benachteiligt sind. Bei ihnen kommen mehrere Handicaps zusammen. Sie wachsen in heruntergekommenen Stadtteilen auf, leben in engen Wohnungen, ohne eigenes Zimmer und einen PC. Ihren ebenfalls zu bedauernden Eltern fehlen die Vorkenntnisse, das Bewusstsein und der Wille, sie geistig zu fördern.

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So entsteht ein Teufelskreis: Zu Hause betreut sie niemand, für den Distanzunterricht fehlt ihnen der PC. Kehren sie zwischendurch zum Präsenzunterricht in die Schulen zurück, sind sie außerstande zu folgen, stören vielleicht und sind am Ende für ihre Lehrer nicht mehr ansprechbar.

Selbstkritische Pädagogen urteilen schon jetzt, dass sie in der Krise doppelt so viel Zeit und Mühe aufgewandt, aber nur den halben Ertrag erzielt haben. Sich gegen dieses Missverhältnis zu stemmen, verlangt zugleich aber auch bildungsbewusste Eltern, die, wenn möglich, nachmittags solche Kinder zum Lernen und zur Bearbeitung von Hausaufgaben einladen. Über mehrere Wochen hinweg könnte so wenigstens der Rückstand der Schwächsten verringert werden.

Solche ersten Schritte können Mut machen. Gemeinsam mit Lehrern übernehmen auch Eltern und Menschen aus der Großelterngeneration Verantwortung und schieben sie nicht ab. Damit geben sie allen anderen Bürgern ein Beispiel für den Neustart nach der Pandemie.

Helmut Mehrer, Brühl

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