AdUnit Billboard

Corona-Impfung - Was stimmt nicht mit den Zahlen – ein Rechenexempel / Kapazitäten schaffen Israel ist nicht schneller

Lesedauer

Zum Kommentar „Zweite Chance“ (SZ-Ausgabe vom 10. März) wird uns geschrieben: Diesen Kommentar von Diana Zinkler habe ich aufmerksam gelesen. Hier kann ich überwiegend zustimmen, denn die aktuellen Zahlen ermutigen dazu. Ihre Meinung, dass der erste Aufschlag ins Aus ging und nun die zweite Chance für den zweiten Aufschlag besteht, teile ich jedoch nicht.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

In ihrem Kommentar schreibt die Redakteurin auch – wie viele andere – dass es Israel als „Impfkönig“ viel besser gemacht habe, als Deutschland und deshalb so gut dastehe. Ist das wirklich so? Ich nehme einfach mal die Zahlen, die (Stand 9. März) durch Medienmeldungen veröffentlicht wurden. Danach sieht es so aus, dass in Israel derzeit rund fünf Millionen Bürger eine Erstimpfung erhalten haben und rund 3,7 Millionen Bürger schon eine Zweitimpfung. Also zusammen rund 8,7 Millionen Impfungen. Wie sieht es in Deutschland aus? Es sind rund 5,4 Millionen Bürger mit einer Erstimpfung und rund 2,5 Millionen mit einer Zweitimpfung versehen. Also zusammen 7,9 Millionen Impfungen.

Wenn man nun noch berücksichtigt, dass Israel zwei Wochen vor dem Impfstart in Deutschland mit den Impfungen begonnen hat, wird in Israel seit zwölf Wochen geimpft und bei uns in Deutschland seit zehn Wochen. Wenn wir nun einen vergleichbaren Impfzeitraum berechnen, kommen wir zu dem klaren Ergebnis, dass Israel rund neun Prozent „langsamer“ vorankommt als Deutschland.

Der Rechenweg ist wie folgt: 8,7 Millionen Impfungen in Israel in zwölf Wochen (8,7 Millionen geteilt durch zwölf Wochen mal zehn Wochen = 7,25 Millionen Impfungen als Vergleichswert) Das bedeutet, dass wir in Deutschland mit rund 7,9 Millionen Impfungen um rund neun Prozent besser beziehungsweise schneller sind, als Israel.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Wenn ich es richtig verfolgt habe, hat Israel bereits alle notwendigen Impfdosen im Land, das heißt, sie müssen „nur noch“ verimpft werden. Bei uns in Deutschland fehlen aber – wie wir wissen – die erforderlichen Mengen. Hätten wir also eine höhere Menge von Impfstoffen zur Verfügung, wären wir auch schon weiter.

Allein durch die bisher vorhandenen Impfzentren könnten wir locker das Doppelte impfen. Also stellt sich mir die Frage, warum sind die Israelis nicht schon fertig mit ihrer Impfkampagne?

Und noch ein Wort zu den USA. Die Amerikaner sind tatsächlich schneller als wir. Das liegt aber daran, dass durch den War Act (Kriegsrecht) alle amerikanischen Unternehmen – die dazu in der Lage sind – verpflichtet sind, Impfstoffe ausschließlich für die USA zu produzieren. Exporte sind ausgeschlossen.

Die Kapazitäten für die massenhafte Impfstoffherstellung bei uns in Europa befinden sich aktuell immer noch im Aufbau. Mit dem von der Bundesregierung positiv begleiteten Projekt in Marburg ist hier ein Beispiel zu nennen. Dort wird, wenn die Meldungen stimmen, seit Februar dieses Jahres produziert. Für uns in Deutschland und Europa muss es meines Erachtens wichtig sein, zukünftig eigene Produktionslinien aufzubauen und dauerhaft aufrecht zu erhalten, auch dann, wenn die Produktionskosten über denen liegen, die bei „guten Wetter“ auf dem Weltmarkt erreicht werden könnten.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

So wie ein gutes Sprichwort sagt: „Vorsorgen ist besser als bohren!“

Ich bin daher nicht der Meinung, dass die Bundesregierung den ersten Aufschlag ins Aus geschlagen hat.

Manfred Döring, Brühl

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1