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Lokale Agenda 21 - Gerade in dieser Zeit finde ich „Einmal ohne bitte“ den verkehrten Weg Ist das wirklich eine sinnvolle Initiative?

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Die Initiative der Lokalen Agenda 21 „Einmal ohne bitte“ löste bei mir wehmütige Gefühle aus! Ich erinnerte mich an die Zeit meiner Kindheit, in der es viele Geschäfte an allen Ecken von Ketsch gab und vieles unverpackt über die Theke ging. Beim Bäcker gegenüber gab es noch offenen Zucker, offenes Mehl und noch viel mehr Offenes. Sogar einen Blecheimer mit Gewürzgurken, die man einzeln kaufen konnte!

Ob ich dem nachtrauere? Ein bisschen schon! Denn es gab viele kleine Läden, in die man als Junge zum Einholen geschickt wurde. Man war persönlich bekannt und bekam auch mal ein kleines Geschenk von den Inhabern. Das hat sich zum Beispiel bei den Metzgereien bis zum heutigen Tag gehalten. Kinder kriegen ein Stückchen Wurst. So kommen sie auf den guten Geschmack und werden zukünftige Kunden!

Wie haben sich die Zeiten seitdem geändert! Die meisten kleinen Geschäfte konnten sich nicht gegen die Supermärkte halten, oft gab es keine Nachfolger aus eigener Familie. Heute fährt man – möglichst mit dem Rad – durch die Ortschaft auf die einst grüne Wiese, um dort für die ganze Woche einzukaufen. Für alte Leute gibt es ehrenamtlich betriebene Bürgerbusse und Einkaufsfahrten. Bestimmt eine gute Sache, das kann aber den persönlichen Kontakt, wie er früher üblich war, nicht ersetzen. Einkaufen war sozialer Kontakt. Doch grad’ den müssen wir in Zeiten der Pandemie meiden. Gott sei Dank können die Einkäufe für den täglichen Bedarf nicht eingeschränkt werden.

Nun verstehe ich nicht, warum gerade das Einkaufen ohne Verpackung ein sinnvolles Projekt sein soll! Gewiss kann man eine Tasche, einen Korb oder ein Netz mitbringen. Dies zu fordern ist gut, um Plastikmüll zu vermeiden. Aber beim Metzger ein Behältnis zu übergeben, wenngleich es äußerlich sauber aussieht, das ist eine Schweinerei! Eine Metzgerei hat höchste Vorschriften für die Hygiene, die werden durch falsche Ideologie ausgehölt. Kein Mensch weiß, aus welchem wie gepflegten oder ungepflegten Haushalt die Schüssel kommt.

Die Metzger sollten, auch aus eigenem Interesse, solches Ansinnen ablehnen! Sehe ich so etwas, werde ich dort nicht mehr kaufen. An Verpackungsmaterial kann man auch anderweitig sparen, zum Beispiel bei den vielen Werbungen als Wurfsendungen im Briefkasten. Ein Aufkleber genügt. Hoffentlich landen diese Prospekte nicht irgendwo in freier Natur! Auch die SZ könnte dafür etwas tun: Manchmal ist die Werbeeinlage schwerer als die Zeitung, ärgerlich.

Im Übrigen nahm mir eine Bäckerin einst ein falsch geordertes Brot nicht zurück, weil es, wohlgemerkt von ihr eingetütet, auf der Theke lag! Nun wünschen eine Metzgerei und ein Vitamingarten, dass demnächst mehr als fünf Personen mit eigenen Behältnissen einkaufen. Was ist, wenn das Behältnis zwar nicht nach hinten wandert, aber auf die angebote Ware fällt? Schmeißt man dann, wie es sich gehört, die gesamte Ware weg?

Ich meine, dass es keinen Sinn macht, an falschen Stellen zu sparen. Dem Einzelnen aufzubürden, was die moderne Gesellschaft zulässt und falsch macht, ist unredlich. Bestes Beispiel ist die Aufforderung, mit dem Zug in den Skiurlaub zu fahren, in einer Zeit wie der unsrigen: Wir sollten froh sein, wenn all die, die meinen, darauf nicht verzichten zu können, nach wie vor im Pkw sitzen – mit Kontakt zu eigenen Familienangehörigen oder zu Freunden, mit denen man verkehrt.

Schlimm genug, wenn Menschen keine Wahl haben und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Klaus Tremmel, Ketsch

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