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Kampfpanzer führen nur zu einer weiteren Eskalation

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Zum Interview mit dem Titel „Es ist noch nichts entschieden“ vom 17. September wird uns geschrieben:

Zur Person: Agnes Strack-Zimmermann ist der Lauterbach des Ukraine-Krieges, oder sie versucht, es zumindest zu sein. Beide hatten schon immer ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Rampenlicht. Bei Lauterbach war es vor Corona die Rolle als Intellektueller mit wirrem Haar und Fliege. Mit Corona kam für ihn sein großer Auftritt und er stand endlich im Rampenlicht. Die Fliege war nicht mehr nötig und die Frisur hat sich normalisiert. Strack-Zimmermann war schon immer laut und provokant, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Jetzt mit dem Ukraine-Krieg ist ihr Thema im Fokus und für sie ist die Zeit gekommen, vermehrt in Talkshows und zu Interviews eingeladen zu werden.

Neben der Befriedigung ihrer Gier nach Aufmerksamkeit hat Strack-Zimmermann aber noch eine andere Mission: Sie will der Waffenindustrie gute Aufträge verschaffen, als Lobbyistin für diese.

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, ein Lobbyverein der Rüstungsindustrie. Sie ist auch Präsidiumsmitglied im Förderkreis des deutschen Heeres. Sie ist also Vertreterin von zwei der wichtigsten Lobbyverbänden der deutschen Rüstungsindustrie (nachzulesen bei Lobbypedia), deren Interesse es ist, die Auftragsbücher zu füllen.

Leider waren diese Informationen im Footer zum Interview zur Person Strack-Zimmermann nicht enthalten. Dies würde aber helfen, sie und ihre Aussagen richtig einzuordnen – nicht nur als vermeintliche Fachfrau, sondern eben auch als Lobbyistin auf Marketingtour.

Zur Sache: Getragen von den momentanen Erfolgen der ukrainischen Armee und dem Zurückweichen der russischen Armee sowie dem Auftauchen von kritischen Stimmen in Russland zur Kriegsführung, sehen nun einige das Erreichen eines Wendepunktes im Ukraine-Krieg. Strack-Zimmermann und auch andere Politiker fordern vehement weitere deutsche Waffenlieferungen, insbesondere von Kampfpanzern, um die Kehrtwende und die ukrainische Armee zu unterstützen. Der ukrainische Präsident spricht euphorisch von der Rückeroberung aller besetzter Gebiete, einschließlich der Krim, und spottet über die russische Versagerarmee.

Ja, der ursprüngliche russische Plan ging sicher nicht auf. Die Kriegsführung offenbarte deutliche Defizite in der russischen Armee und die militärische Unterstützung der Ukrainer durch den Westen stoppte den Vormarsch der Russen und drehte ihn an einer Stelle sogar um. Aber alle die jetzt noch mehr Panzer für die Ukraine fordern, gehen natürlich davon aus, dass die Kriegsführung auch von russischer Seite weiter so konventionell bleiben wird. Wenn es dann weitere Panzerschlachten gibt, wären die Ukrainer noch besser ausgerüstet und könnten sogar weiter gewinnen.

Aber ist es nicht illusorisch und naiv von dieser Prämisse auszugehen? Wenn Putin den Krieg so weiterführt und dann tatsächlich die eroberten Gebiete wieder verlieren würde, wäre er in Russland politisch erledigt. Die Persönlichkeitsstruktur von Putin ist in den letzten Monaten umfangreich durchleuchtet worden und es ist wohl sehr wahrscheinlich, dass er alles machen wird, um nicht zu verlieren – nicht den Krieg und nicht seine politische Bedeutung.

Sollte er also weiter in Bedrängnis kommen, muss er entweder seine Armee weiter aufrüsten, etwa durch eine Generalmobilmachung, oder er wird seine Kriegsführung ändern, auch durch den Einsatz anderer Waffensysteme. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie gegebenenfalls ein Angriff auf die bereits von Russland annektierten Gebiete von Russland interpretiert werden würde. Würde dies als ein Angriff auf russisches Staatsgebiet gesehen und wäre das die Begründung, um die Sondermilitär-operation auf einen Krieg hochzustufen und somit den Einsatz anderer Waffensysteme zu legitimieren?

Russland ist ein Land mit einem der größten Bestände an Nuklearwaffen. Und es geht hier nicht nur um strategische Kernwaffen für den großen Atomschlag, sondern vielmehr auch um taktische Kernwaffen, die ähnlich wie konventionelle Waffen zur Bekämpfung gegnerischer Streitkräfte eingesetzt werden können. Der Trend ging in den letzten Jahren zu Neuentwicklungen sogenannter „Mini Nukes“, Atomwaffen mit sehr viel kleinerer Sprengkraft, die dann aber sehr gezielt lokal eingesetzt werden können. Es ist nicht bekannt, wie viele dieser Waffen Russland hat. Es wird aber vermutet, dass die russische Armee über das größte Arsenal an solchen taktischen Atomwaffen verfügt.

Wenn Putin diese Waffen lokal im Ukraine-Krieg einsetzt, was würden wir tun? Würde der Westen weiter militärisch eskalieren und eventuell aktiv eingreifen, was einen unkontrollierbaren Flächenbrand in Europa auslösen würde? Unsere wirtschaftlichen Sanktionen sind weitgehend ausgereizt. Auch wurde im kürzlichen Treffen der Shanghai- Gruppe in Usbekistan mit Ländern wie China, Russland und Indien verdeutlicht, dass sich hier ein Gegenpol zur Vorherrschaft des Westens formiert und Russland diese Wirtschaftsbeziehungen ausbaut. Insbesondere China praktiziert eine „prorussische Neutralität“. Was würde der Westen also tun?

Zu glauben, der Ukraine-Krieg werde in einer Panzerschlacht entschieden, ist illusorisch, naiv und auch höchst gefährlich. Mit mehr Kampfpanzern wird der Krieg weiter eskalieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein in die Enge getriebener Putin zu anderen, neuen Kriegsmitteln greifen wird. Der Versuch einer Rückeroberung annektierter Gebiete, wie der Krim, durch die ukrainische Armee könnte die Begründung dafür liefern.

Das Risiko eines Ingangsetzens einer weiteren militärische Eskalationsspirale in Europa, was dann eben auch eine Ausweitung des Krieges in andere Länder bedeuten würde, ist dann ausgesprochen hoch.

Stefan Beretitsch, Oftersheim

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