Kein Klima-Extremismus

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Zum Artikel „Den Wald für die Zukunft rüsten“ (SZ-Ausgabe vom 2. Januar) wird uns diese Meinung geschrieben:

Klimakrise! Klimakatastrophe gar … Mitnichten! Mir scheint eher, politische Parteien, Kirchen und sogenannte Aktivisten spielen Panikorchester und nutzen die vermeintliche Krise für ihre Interessen, als Mittel zur Macht. In Schulzeiten nutzte unser Deutschlehrer während Diskussionen manchmal ein Zitat des Medientheoretikers Marshall McLuhan: Moralische Empörung sei eine Strategie von Leuten, die sich Bedeutung verschaffen wollten. Dabei sind ideologische Positionen und konsequentes Handeln eher selten ein Liebespaar, Heuchelei und Doppelmoral, aber die bösen Schwestern des schönen Scheins.

Anfällig für moralisches Eiferertum scheinen besonders Menschen mit Weltretter-Ehrgeiz zu sein, die Klimaaktivismus zur Religion und zu ihrem Beruf gemacht haben. Was wir als gesichertes Wissen annehmen können, ist schlicht ein Klimawandel. Die Winter sind milder und die Zahl heisser Tage über 30 Grad Celsius hat im Sommer zugenommen. Für Ostseeurlauber mag das keine schlechte Nachricht sein, doch andererseits wird sich in Süddeutschland die Tigermücke ausbreiten. Der Wald leidet und wird sich neu erfinden müssen.

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Fest steht, der Mensch ist der Störenfried, weil er ständig alte Energievorräte der Erde verbrennt, zu oft warm duscht, seine Wohnung überheizt, zu viel Fleisch isst und in die Ferien fliegt. Und sich die Weltbevölkerung – vor allem in südlichen Weltregionen – besorgniserregend rasant auf acht Milliarden vermehrt hat und weiter vermehrt.

Andererseits kann man sich ohne Verbrennungsmotoren das heutige Leben kaum vorstellen und selbst Elektromotoren brauchen noch Energie aus Kohle, Öl und Gas. Bei Dunkelflaute nützen immer mehr Windräder und Solardächer rein gar nichts – null bleibt null. Dabei steht fest, dass alle fossile Energie, die westliche Industrienationen nicht verbrennen, von Wachstumsländern wie China und Indien dankbar für Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum genutzt wird. Gegenteilige Absichtserklärungen stehen auf geduldigem Papier. Selbst wenn im Westen sofort alle Öfen und Motoren ausgingen und man nicht ein einziges Gramm CO2 mehr in die Luft entließe, würden die Temperaturen weiter steigen, das Klima sich für Jahrzehnte weiter ändern.

Das klingt vordergründig so aufmunternd wie die Ankündigung des Jüngsten Gerichts. Fachleute wissen es aber längst, siehe oben genannten Artikel. Förster Lang ist sich sicher: „Wirklich stoppen können wir den Klimawandel nicht mehr, dafür ist es zu spät.“ Aber schmachten wirklich die Jüngeren von uns demnächst in der Treibhaushölle? Geologen haben eine urzeitliche Wärmeperiode untersucht, die vor 800 000 Jahren von einer klirrenden Kaltzeit abgelöst wurde. Diese Warmphase ähnelt erstaunlich unserer eigenen, die bereits über 10 000 Jahre andauert und von unseren Vorfahren kaum beeinflusst werden konnte.

Die Forscher schließen daraus, dass die nächste Abkühlung längst hätte beginnen müssen, aber durch den Treibhauseffekt verzögert wird. Kommt die nächste Eiszeit also erst später und muss man sich deshalb auf Straßen festkleben, Kunstwerke versauen und Weihnachtsbäume kappen? Wegen unseres Anteils von nicht mal zwei Prozent am weltweiten Klimagas? Mit Verboten werden wir weder das Klima retten, noch den Wirtschaftsstandort sichern.

Echte Klimapolitik investiert in Sparmaßnahmen, Forschung und Entwicklung. Leider können wir für diese Kosten keine verhinderten Klimafolgeschäden gegenrechnen, da keine Aussicht besteht, dass es der Welt gelingt, den Klimawandel aufzuhalten. Wir werden uns mit ihm – panikfrei – arrangieren müssen.

Winfried Wolf, Plankstadt