Lärmschutz am Ring - Oberbürgermeister Dieter Gummer sollte sich hier noch mehr engagieren Lassen wir uns überraschen

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Ich möchte Bezug nehmen zum Artikel "OB Gummer zur Lärmproblematik", der in der Hockenheimer Tageszeitung am Samstag, 10. August, auf Seite 17 erschienen war.

In diesem Artikel betont OB Gummer zum wiederholten Male, mit welch großem Engagement und hoher Priorität er persönlich und der gesamte Gemeinderat versucht, die berechtigten Ansprüche der Bürger für geeignete Lärmschutzmaßnahmen gegen die Bahn durchzusetzen.

Diese Aktionen sind sehr zu begrüßen, obgleich sie eigentlich zu den elementaren Aufgaben dieser Gremien gehören, nämlich sich für das Allgemeinwohl der Bürger einzusetzen.

Im Sinne der Gleichbehandlung würden wir uns allerdings sehr wünschen, dass mit demselben Engagement auch die hausgemachte Lärmquelle "Motodrom" angegangen würde, denn auch wir, die "Nachbarn" des Hockenheimrings haben einen Anspruch auf Lärmschutz. Die Lärmbelastungen vom Hockenheimring werden - wie im oben genannten Artikel wieder eindeutig belegt - von OB Gummer immer heruntergespielt und deshalb auch als kaum beachtenswert dargestellt.

Besonders bemerkenswert ist seine Behauptung, dass bei den Veranstaltungen auf dem Hockenheimring die rechtlich zulässigen Lärmgrenzen nicht überschritten würden. Dazu folgender Hinweis:

Der Hockenheimring kann aufgrund seiner Betriebsgenehmigung bei Renn- und Testveranstaltungen die gesetzlich geltenden Lärmobergrenzen aus dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (TA Lärm) an insgesamt 293 Tagen im Jahr, mit einer Dauer zwischen siebeneinhalb und elfeinhalb Stunden am Tag teilweise mit ganz erheblichen Lärmbelastungen überschreiten. Trotz dieser exorbitanten Vielzahl von Möglichkeiten zur Durchführung von Rennveranstaltungen musste die Genehmigungsbehörde - das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis - innerhalb eines Jahres drei Verstöße wegen Nichteinhaltung der Betriebszeiten mit Zwangsgeldandrohungen bzw. Zwangsgeldbescheiden ahnden. Diese Verfahren stehen im krassen Widerspruch zu den Behauptungen von OB Gummer: "Die Rennveranstaltungen werden konsequent überwacht, die rechtlichen Vorgaben umgesetzt". Wenn dem so wäre, hätte es sicher keine Verfahren gegen den Hockenheimring gegeben.

Für die Geschäftsführung des Hockenheimrings dürfte die Bezahlung von Zwangsgeldern und damit verbundenen zusätzlichen Anwaltskosten vermutlich keine allzu abschreckende Wirkung haben, denn für alle Verluste die der Ring "erwirtschaftet" tritt in letzter Konsequenz wie in der Vergangenheit auch zukünftig immer wieder der Hauptgesellschafter, die Stadt Hockenheim ein, wie zum Beispiel auch bei der Nachzahlung von 4,0 Millionen Euro an die Firma Bickardt.

Somit werden wir, die Bürger dieser Stadt, gleich zweimal bestraft, einerseits durch den Lärm vom Ring und andererseits durch die Aufwendung von Haushaltsmitteln für den Fortbestand des Hockenheimrings, die an anderer Stelle fehlen für die Umsetzung von wesentlich wichtigeren Maßnahmen für das Gemeinwohl.

Nachdem wir in Hockenheim anscheinend nicht genügend Lärm haben, zumindest nicht in den Nachtzeiten, sorgte die Geschäftsführung des Hockenheimrings mit "intensiven Bemühungen" auch auf Betreiben der Stadt Hockenheim endlich für Abhilfe: Wir bekommen das Rock'n' Heim-Festival, eine Veranstaltung der Lärmklasse A (entspricht in etwa dem Lärm eines Formel-1-Rennens), wobei dieses Rennen rund anderthalb Stunden dauert und am Tag stattfindet. Das "Musikevent" dauert am Freitag und Samstag jeweils bis 3 Uhr morgens und am Sonntag nur noch bis 1 Uhr, und dann beginnt noch der Rückzug der Massen in die Camping-Quartiere. Aber wir wollen ja nicht vorverurteilen, also lassen wir uns überraschen.

Von Mitgliedern des Gemeinderates habe ich übrigens die Information, dass sie über das jeweilige Veranstaltungsende 3 beziehungsweise 1 Uhr erst aus den Medien erfahren haben. Übereinstimmung mit diesem Gremium, wie sie von OB Gummer im oben genannten Artikel suggeriert wird, trifft in diesem Fall wohl nicht vollumfänglich zu.

Unser OB Gummer fordert uns auf "unsere Stadt als guten Gastgeber zu präsentieren", dann gehen wir doch davon aus, dass er als "erster Bürger" der Stadt mit gutem Beispiel vorangeht und wie man es von einem guten Gastgeber erwartet, auch stets präsent ist.

Wenn ich allerdings sehe, dass man für die zu erwartenden Gäste kilometerlange, hohe Eisenzäune als Absperrungen zu welchem Zweck auch immer aufbaut, dann habe ich doch so meine Zweifel, ob ich mir solche Gäste einladen würde. Aber lassen wir uns auch in diesem Punkt überraschen.

Peter Fischer,

Hockenheim

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