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Grüne und die Witwenrente - Kritik an einem Leserbrief, der von uns veröffentlicht wurde, aber dem Faktencheck nicht standhält Leser hat „Bullshit“ aus dem Internet übernommen

Lesedauer

Zum Leserbrief „Witwenrente soll abgeschafft werden“ (SZ-Ausgabe vom 15. Mai) erreichen uns mehrere Leserbriefe. In der Zeitung hatten wir bereits darauf hingewiesen, dass der Leser auf eine falsche Nachricht reingefallen war:

Irritiert habe ich den Leserbrief gelesen. Dieser betrifft weder „lokal-regionale Themen“, noch ist der Brief faktisch von Ihnen geprüft worden. Im Entwurf des Wahlprogramms, der öffentlich einsehbar ist, steht mit keinem Wort, dass die Witwenrente abgeschafft werden soll.

Dass in einer pluralistischen Gesellschaft jede Meinung zum Ausdruck gebracht werden darf und soll und dass diese Meinungen in Form von Leserbriefen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, unterstütze ich als Mitbürger einer freiheitlich-liberalen Gesellschaft. Ich erwarte allerdings von der Redaktion, dass veröffentlichte Meinungen stets einem Faktencheck unterzogen werden. Gerade in Zeiten, in denen Fake News eine unglaublich große Wirkkraft auf unsere Meinungsbildung hat verantworten Redaktionen den Wahrheitsgehalt der Briefe.

David Esau, Neulußheim

Journalistische Sorgfaltspflicht

Leserbriefe geben die Meinung des Einsenders und nicht der Redaktion wieder. Allerdings sollte die journalistische Sorgfaltspflicht dabei nicht komplett fallengelassen werden. Denn die Behauptung „die Grünen wollen die Witwenrente abschaffen, um damit Flüchtlinge besserzustellen“, bezieht sich auf einen frei erfundenes „Facebook- Zitat“, das Annalena Baerbock angeblich gesagt haben soll – es ist schlicht und einfach eine Lüge. Weder im Parteiprogramm noch sonst wo ist bei den Grünen eine solche Aussage zu finden, das lässt sich sehr leicht überprüfen. Leserbriefe, die ohne die Achtung der journalistischen Wahrheitspflicht abgedruckt werden, werfen kein gutes Licht auf die Schwetzinger Zeitung.

Annette Altrichter, Oftersheim

Vorteil der Demokratie

Man muss die Grünen nicht mögen und auch nicht wählen. Das ist ein entscheidender Vorteil der Demokratie, in der wir leben. Auch das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein elementarer Bestandteil. Diese Meinungsfreiheit beinhaltet allerdings nicht das Recht auf eigene Fakten und das Recht, Falschinformationen ungehindert zu verbreiten. Das „Baerbock-Zitat“ zur Witwenrente ist nachweislich gefälscht.

Das findet man mithilfe einer ganz simplen Google-Suchanfrage heraus. Viel schlimmer als GrünenWähler sind Menschen, die jeden Bullshit im Internet unreflektiert glauben, solange es das eigene Weltbild bestätigt. Das macht unser Land, das Menschen nach dem Krieg aufgebaut haben, kaputt und ist echt peinlich. Was das Ganze aber wirklich richtig gefährlich macht, ist, dass eine Lokalzeitung einen solchen kruden Leserbrief auch noch veröffentlicht und damit riskiert, dass diese Falschnachricht legitimiert und weiterverbreitet wird.

Nina Weiher, Ketsch

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