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Impfkampagne - Keinen Präzedenzfall für undifferenzierte staatlich erzwungene medizinische Eingriffe schaffen Lockdowns machen Politiker

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Zum Leserbrief „Bitte die Fakten nicht ignorieren“ vom 29. November wird uns geschrieben: Da heißt es, mein Hinweis auf den Fakt, dass das Rauchen jährlich mehr Tote fordere, als Corona bisher in 2020 und 2021 zusammen, sei „mehr als zynisch“, da er suggeriere, die Welt sei in Ordnung, solange die Sterblichkeit aufgrund von Corona niedriger sei als die infolge des Rauchens. Allerdings empfinde ich eine Welt, in der jährlich mehr als 127 000 Todesfälle infolge des Rauchens einfach hingenommen werden, keineswegs als in Ordnung. Und das Zitieren eines statistischen Werts ist aus meiner Sicht auch nicht zynisch.

Zynisch ist es, die vielen Corona-Toten in Spanien und Portugal als „heilsamen Schock“ für die Bevölkerung zu bezeichnen (Leserbrief „Menschenverstand, Sachkenntnis, Impfen“ vom 13. November), und unverständlich ist die den Zahlen klar widersprechende Aussage im eingangs genannten Brief, weder das Rauchen noch Alkoholkonsum oder Übergewicht seien „für die Gesamtgesellschaft so gefährdend wie das SARS-CoV2-Virus“. Es sei denn, die Verfasserin möchte sagen, die politische Handhabung der Pandemie und die gesellschaftliche Reaktion auf die Situation seien hochgefährlich? Dem schlösse ich mich an.

Nachfolgend einige gängige Aussagen samt Gegenargumenten. „Kinder und Jugendliche müssen gegen Corona geimpft werden!“ An und mit Corona sind bisher (2020 und 2021) in Deutschland 39 Personen unter 20 gestorben. Laut Ärzteblatt ist „das Risiko mit Covid-19 zu versterben, in den jüngeren Altersklassen minimal“. An Nebenwirkungen der Impfung dagegen leiden Jüngere wesentlich häufiger und stärker als Ältere. Das Bundesministerium für Gesundheit nennt unter anderem folgende Nebenwirkungen: Fieber bei mehr als 20 Prozent der 12- bis 15-Jährigen und bei mehr als 10 Prozent der über 16-Jährigen, Schüttelfrost bei mehr als 40 Prozent der 12- bis 15-Jährigen und bei mehr als 30 Prozent der über 16-Jährigen.

Viele, die eine Infektion kaum bemerkt oder mit milden Symptomen durchlaufen hätten, reagierten also auf die Impfung sehr wahrscheinlich mit Fieber, Schmerzen und/oder anderen Nebenwirkungen. Warum sollte bei Menschen mit leistungsstarkem Immunsystem die Impfung der natürlichen und länger anhaltenden Immunisierung durch meist mild verlaufende Infektionen mit dem Virus vorzuziehen sein?

„2G-Veranstaltungen sind sicherer als 3G-Veranstaltungen.“ Nein. Bei 2G-Veranstaltungen muss niemand einen negativen Test vorweisen. Bei 3G-Veranstaltungen sind mit größerer Wahrscheinlichkeit ein paar getestete Personen anwesend. Die Einzigen, die bei einer 2G-Veranstaltung weniger gefährdet sind als bei einer 3G-Veranstaltung, sind die nicht anwesenden getesteten Ungeimpften. „Die Ungeimpften sind die Pandemietreiber.“ Wie das? Die Impfung schützt bekanntlich nur kurzzeitig und nie vollständig vor einer Infektion und davor, das Virus zu übertragen. Ein Test ist hier aussagekräftiger als der Impfstatus. Und während ein infizierter Geimpfter ohne Test von Restaurant zu Stadion zu Party wechseln kann und nur bei deutlichen Symptomen auf Corona getestet wird, würde ein asymptomatisch infizierter Ungeimpfter direkt nach dem positiven Test in Quarantäne geschickt und käme gar nicht erst ins Restaurant.

„Wenn alle geimpft wären, wäre die Pandemie vorbei.“ Nein. Siehe Gibraltar mit einer bereinigten Impfquote von zirka 90 Prozent, wo die Infektionsrate derzeit mehr als doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Wobei die Infektionsrate hier, würde man auch die Geimpften testen, möglicherweise höher wäre als dort. Wichtiger, als gesunde 40-Jährige zur Impfung zu drängen, wäre es, dafür zu sorgen, dass besonders Personen aus Risikogruppen, die dies wünschen, rechtzeitig geboostert werden. Bei 43 Prozent der in Kalenderwoche 40 bis 43 mit Covid Verstorbenen über 60 lag ein wahrscheinlicher Impfdurchbruch vor, Tendenz steigend. Nach wie vor sind etwa zwei Drittel der mit Corona Hospitalisierten und 95 Prozent der Verstorbenen über 60.

Die Ungeimpften sind nicht „die Pandemietreiber“. Sie sind auch nicht schuld an Lockdowns. Lockdowns werden von Politikern verhängt, die Wichtiges versäumt haben und versuchen, die Folgen einzudämmen. Es ist natürlich angenehmer, die Schuld „den Ungeimpften“ zuzuweisen, als zuzugeben, dass man Zwangsmaßnahmen ergreifen will, weil man angemessene Maßnahmen zu spät ergriffen (Booster für vulnerable Gruppen), zwischendurch ausgesetzt (kostenlose Tests) oder ganz unterlassen hat (frühzeitige explizite Warnung vor der begrenzten Wirksamkeit der Impfung, flächendeckende Bereitstellung günstiger oder kostenloser Schnelltests und Vorhalten von genügend Impfstoff zum Impfen und Boostern all dener, die dies benötigen oder wünschen).

„Ungeimpfte sind nicht automatisch Impfgegner oder Corona-Leugner.“ Viele wissen einfach, dass für sie die Gefahr statistisch gesehen gering ist, und möchten bei der Virusbekämpfung auf ihr Immunsystem statt auf eine medizinische Maßnahme setzen. Ich hoffe, dass genügend Menschen das Narrativ von den „bösen und gefährlichen Ungeimpften, gegen die man vorgehen muss“, nicht mittragen, damit wir keinen Präzedenzfall für undifferenzierte staatlich erzwungene medizinische Eingriffe schaffen.

Annette Kosmala, Schwetzingen

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