Ludwig Erhard ins Museum?

Lesedauer

Zur Weltverbesserer und Geschichts-klitterung schreibt dieser Leser:

Das Coronavirus geht, ein neues kommt! Es nennt sich Löschunkultur und befällt ausschließlich Menschen mit ausgeprägten Weltverbesserungsgenen. Selbst der Verwalter eines harmlosen kurfürstlichen Theaters aus dem späten Rokoko ist dagegen nicht immun. Dieser Tage konnte man in überregionalen Zeitungen nachlesen, dass der Grüne Wirtschaftsminister Habeck das Bild seines Amtsvorgängers aus den 1950er Jahren, Ludwig Erhard, und damit die Idee der sozialen Marktwirtschaft aus dem Ministerium entfernen ließ. Das ist insofern konsequent, als dass die aktuelle Wirtschaftspolitik mit der Erhard’schen nicht mehr viel zu tun hat.

Bei den Freunden der Marktwirtschaft in Medien, Politik und Universitäten kam es ohnehin, um im Wirtschaftsjargon zu reden, zu einer spürbaren Angebotsverknappung. Wenn es um die Produktion von Erhard-Jüngern geht, scheinen die Lieferketten gerissen. Der Journalismus leidet im ökonomischen Fachwerk am veritablen Facharbeitermangel. Mancher Fachjournalist, mehr von Haltung als von Neugier geleitet, träumt selbst bei Tage nicht mehr von Ludwig Erhard, sondern von Greta Thunberg. Erhards symbolischer Abgang legt nahe, Versäumnisse vergangener Jahre aufzuzeigen. Eine Rocky Horror Politics Show – eingedenk der 16 langen Jahre unter Merkel. Doch nüchtern betrachtet waren die zwei, inzwischen nur noch mittelgroßen Volksparteien das, was in den USA „Partners in Crime“ genannt wird, Kumpane also. Die ständige Überforderung des Sozialstaates durch einheimische und massenhaft einwandernde Nutzer wird langsam unheimlich wie ein Krimi, wo man ja schon ahnt, dass in der nächsten Szene ein Unheil passieren wird. Zum Beispiel die wundersame Geldvermehrung und ihre inflationären Folgen – erst die der EZB und jetzt geht auch unser Staat in die Vollen.

Mehr zum Thema

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB)

Kurpfälzer Sozialtage in Hockenheim: „Wir haben die Wahrheit nicht gepachtet“

Veröffentlicht
Von
Volker Widdrat
Mehr erfahren

Anlässe gibt es genug, ein neues Sondervermögen zu begründen, auch wenn der geschönte Begriff nichts anderes bedeutet als eine leere Kassette – in der ein Schuldschein mit vielen Nullen liegt. Das Erkennungsmerkmal staatlicher Politik ist schon länger nicht mehr Ehrhards „Maß und Mitte“, sondern eine vorsätzliche Maßlosigkeit. Begünstigt durch das „steuerpolitische Plünderungsgen“ (P. Sloterdijk) von Politikern. Der gewiefte linke Sozialpolitiker greift nun mal gerne überall hin, am liebsten in die Taschen der anderen. Er teilt gern, aber bevorzugt das, was er selbst gar nicht hat.

Selbst die Jüngsten werden, noch kaum aus den Windeln, mit Kredit belastet und das Leben, das ja erst folgen soll, verpfändet, damit Krisen mit Geld gelöst werden können.

Mit diesem Geld gehen Politiker dann einkaufen. Sie kaufen Wähler und Stimmen – millionenfach. Das kostet Milliarden. Das Ziel, das zum Beispiel mit dem bedingungslosen Grundeinkommen angepeilt war, ist der anstrengungslose Wohlstand. Ein Preis ohne Fleiß, ein Meister, der vom Himmel fällt. Das Ganze ist nicht bedingungslos. Denn es ist ja an die Bedingung geknüpft, dass man nicht arbeitet. Deutschland steigt – das ist die Innovation – in die Faulpelzproduktion ein. Nur dass sich diese Spezies bisher noch nicht als Exportschlager nutzen lässt.

Der Vater Staat von heute ist uns nicht nur lieb und teuer, er ist auch ein bisschen verrückt. Er bekämpft nicht den Facharbeitermangel, sondern gleich das Arbeiten selbst. Wahrscheinlich denkt er praktisch: Wer Arbeit und Einkommen beseitigt, der braucht auch keine Facharbeiter mehr. Der CO2-Fahne unserer Volkswirtschaft würde diese radikalste aller Lösungen, die Schrumpfung der Industriegesellschaft in Richtung Null, sicher guttun.

Winfried Wolf, Plankstadt