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Afghanistan - Eine mit westlichen Werten inkompatible Religiosität und Kultur ist die Hauptursache für das Scheitern / Für die versäumte Evakuierung muss man sich schämen Man hätte es besser wissen müssen!

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Es war im Dezember 2002 als der damalige Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) mit der Kernaussage „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“ für große Irritationen sorgte, weil doch zu diesem Zeitpunkt längst bekannt war, dass die Weltmacht Sowjetunion im Afghanistan-Krieg von 1979 bis 1989 krachend gescheitert war. Letztlich kam es 1991, nach dem Truppenrückzug der Sowjets aus Afghanistan, zum Zerfall der Sowjetunion, während die islamistischen Widerstandskämpfer, die Mudschaheddin, auf umfangreiche Unterstützung, vornehmlich durch Waffenlieferungen anderer Länder, allen voran die USA, vertrauen konnten.

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Mit dem Eintritt der Nato-Truppen in die kriegerischen Auseinandersetzungen im unübersichtlichen Konglomerat ethnischer Interessen von Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Usbeken, Beluschen, Turkmenen, Kirgisen, Kasachen und elf weiteren Volksgruppen, die alle zwar gemeinsame historische Wurzeln haben, aber verschiedene Sprachen sprechen und unterschiedliche islamische Glaubensrichtungen (Sunniten, Schiiten) pflegen, müsste doch jedem Verantwortlichen klar gewesen sein, dass dort ein Krieg nicht zu gewinnen ist. Lange hat man der deutschen Bevölkerung auch klarmachen wollen, dass die Entsendung von Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr nach Afghanistan ja kein Kriegseinsatz sei. Was für ein folgenschwerer Irrtum!

Spätestens die Bilanz der Opfer und die milliardenschweren Fehlinvestitionen zeigen das wahre Ausmaß politischen Versagens auf ganzer Linie. Einige Verteidigungsminister, seit 2005 ausnahmslos von der CDU- und der CSU, sind nach Peter Struck (SPD) gekommen und gegangen, doch die Weichen wurden nie in Richtung Befriedung gestellt, denn immer nur ging es um pekuniär gesteuertes Machtstreben, mit dem Anspruch eigene Interessen zu befriedigen – wie armselig.

Seit 1994 haben die Taliban als radikal-islamistische Bewegung die Macht übernommen, mit dem einzigen Beweggrund, eine wahre islamistische Herrschaft nach „Scharia-Recht“ zu etablieren. Wie ist es bei dieser Kenntnislage überhaupt möglich und erklärbar, dass man nach 20 Jahren Militäreinsatz die Lage in Afghanistan derart falsch eingeschätzt hat?

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Die aktuellen Ereignisse in Afghanistan zeigen überdeutlich, dass offenbar alle Verantwortlichen der involvierten Administrationen von den USA, Europa, der Nato sowie den bundesdeutschen Ministerien, insbesondere Innenministerium, Außenministerium, Verteidigungsministerium, Bundesnachrichtendienst (BND), Kanzleramt und Bundesregierung auf politischer, militärischer, strategischer und moralischer Ebene einen Totalcrash verursacht haben. Die Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche sowie die jeweiligen Schuldzuweisungen der Verantwortlichen sind jämmerlich, ja unwürdig und leider hat von denen auch niemand das Rückgrat Verantwortung zu übernehmen, weil die Fehler ja stets immer nur die anderen machen.

Man muss sich ernsthaft fragen, ob die Verantwortungsträger der diversen Institutionen wider besseren Wissens tatsächlich so plan- und perspektivlos agieren wie geschehen oder ob auch hier nur im Wahlkampf strategisch agiert wurde. In jedem Falle wäre beides höchst verwerflich.

Geschichte wiederholt sich offensichtlich, bei einem Lerneffekt gleich Null, denn wie sonst lässt sich erklären, dass ausgerechnet Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Einvernehmen mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ein Kriegsschiff (die Fregatte Bayern) in den Pazifik und das südchinesische Meer beordern und das als bedeutenden Schritt der Sicherheitspolitik benennen, um die Regeln der internationalen Ordnung durchzusetzen. Und das nennt sich dann die „Indo-Pazifik-Strategie“ durch eine radikal neu gedachte Außenpolitik. Wow! Geht’s auch eine Nummer kleiner? Durchaus nachdenkenswert das Zitat des Publizisten P. E. Schumacher: „Nach oben gibt es keine Grenzen, wenn man auf dem Boden bleibt.“ Gerhard Kiermeier, Hockenheim

Zwischen Scheitern und Versagen

Das Weltgeschehen ist mitunter nur schwer zu ertragen. Der Dilettantismus der Bundesregierung, die sich in so vielen innen- und außenpolitischen Dingen irgendwo zwischen Scheitern und Versagen bewegt, ebenfalls. In die hinlänglich bekannte Reihe „Das hat ja keiner wissen können“ reiht sich nun die verspätete Evakuierungsaktion in Kabul ein. Besonders perfide dabei: Afghanen, die als Ortskräfte nicht direkt bei der Bundesregierung angestellt waren, sondern bei Subunternehmern, „gehören nicht zum Evakuierungsplan der Bundesregierung“ (Bundespressekonferenz vom 18. August). Damit werden diese Menschen und ihre Familien schutzlos den Racheaktionen der Taliban überlassen.

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Dass dies Vorsatz ist und kein mangelndes Organisationstalent, zeigt sich an dem Umstand, dass die Bundeswehr vor ihrem Abzug unter anderem einen 27 Tonnen schweren Gedenkstein aus dem Ehrenhain im Feldlager bei Masar-e Scharif und mehrere zehntausend Dosen Bier per Flugzeug nach Deutschland brachte. Afghanische Ortskräfte hingegen wurden im Stich gelassen und ihre Visaverfahren verschleppt – bis es zu spät war.

Das ist unfassbar. Ich habe mich noch nie so für unser Land geschämt wie in diesen Tagen.

Uwe Reichert, Schwetzingen

Wer half wem?

Medien und einige wahlkämpfende Parteien überbieten sich derzeit mit Forderungen, alle als „Ortskräfte“ bezeichneten Afghanen nach Deutschland zu holen. Die Grünen wollen sogar alle Afghanen herholen, die den Taliban nicht „grün“ sind, geschätzt eine halbe Million Menschen. Cem Özdemir rechtfertigte im Deutschlandfunk diesen Appell damit, weil sie „für unser Land ihr Leben riskierten“. Wie bitte? Verloren nicht 59 deutsche Soldaten dort ihr Leben, weil sie den Afghanen helfen wollten? Wer half wem und wofür?

Blicken wir zurück: 2001, nach dem verheerenden Anschlag auf die Zwillingstürme in New York, begaben sich Westmächte auf die Suche nach dem Terroristen Osama bin Laden, den sie schließlich in Pakistan fanden. Der damalige deutsche Verteidigungsminister Struck (SPD) glaubte die deutsche Freiheit, zusammen mit den USA, am Hindukusch verteidigen zu müssen. In einer Regierungserklärung vom Januar 2010 erklärte Bundeskanzlerin Merkel, dass die deutsche Regierung die Ausbildung der afghanischen Armee stark forcieren möchte und die Zahl der deutschen Polizeiausbilder in diesem Jahr von 123 auf 200 erhöht wird.

Eine Entwicklungsoffensive im Norden sollte gestartet und dafür bis 2013 jährlich statt 220 Millionen Euro nun 430 Millionen Euro in den zivilen Wiederaufbau des Landes investiert werden. Der Bau von Mädchenschulen ist nicht extra erwähnt. Durfte man nicht erwarten, dass die Afghanen den Deutschen dabei halfen, ihnen zu helfen? Doch jetzt wird der Spieß rhetorisch umgedreht und behauptet, die Ortskräfte hätten uns Deutschen geholfen. Es ist traurig genug, dass nicht mehr einheimische Afghanen die ausländischen Helfer unterstützt haben und sich dafür noch bezahlen ließen.

Und es wird so getan, als ob Deutschland und der Westen Afghanistan im Stich ließen. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kostete allein den deutschen Steuerzahler die Afghanistanhilfe bis zu 40 Milliarden Euro. Zusätzlich die Kosten für die Aufnahme von fast 300 000 Afghanen, davon allein 1800 mit Helfervisen. Alles zu wenig? Warum strecken 300 000 afghanische Soldaten vor 75 000 Taliban die Waffen, obwohl sie technisch und zahlenmäßig weit überlegen waren?

Sie überlassen den Islamisten ein riesiges Waffenarsenal, darunter die Hightech-Drohnenflotte „Scan Eagle“ aus den USA. Tatsache ist, dass im Militär und unter den Ortskräften nicht wenige Doppelagenten waren und weiter sind, die mit den Taliban unter einer Decke stecken. Vier Fünftel der Afghanen sind hanafitische Sunniten, ein Fünftel imamitische Schiiten, die sich zwar nicht über Mohammeds Lehre einig sind, aber gegen „den Westen“ gerne gemeinsame Sache machen. Das Islamische Emirat Afghanistan der Taliban wurde seinerzeit von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt. Weiter gibt es sechs islamische Nachbarländer, die ihre Brüder und Schwestern im Geiste aufnehmen könnten. Es muss nicht das ferne Deutschland sein.

Angesichts der dortigen Lage ist es ein Kunststück von Medien und Politik, die Hauptursache, eine mit westlichen Werten inkompatible Religiosität und Kultur in den Nachrichten und deren Bewertung auszuklammern. Aber offensichtlich sind die fundamentalistischen Taliban für die Mehrheit der 34 Millionen Afghanen das kleinere Übel, sonst würden sie diese nicht kampflos über sich herrschen lassen.

Soll ein neues Afghanistan auf deutschem Boden installiert werden? Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann Deutschland eine Art Islamische Republik „Germanistan“ werden könnte, wenn Entwicklungen so weiterlaufen wie bisher. Denn einige führende Politiker (Merkel, Steinmeier, Wulff, Göring-Eckardt) meinten, „der Islam gehöre zu Deutschland“. Sie haben ihr Postulat bis heute nicht widerrufen.

Winfried Wolf, Plankstadt

Das Schweigen unserer Muslime?

Was mich irritiert, ist das Schweigen der muslimischen Gemeinden in Deutschland zum Thema Afghanistan, aber nicht nur erst heute, sondern während der letzten 25 Jahre. Als die Taliban das erste Mal an der Regierung waren und deren Verachtung für alles Weibliche offenbar wurde, weil pädophile alte Männer kleine Mädchen kaufen konnten (was schon Mohammed gemacht hat, als er in hohem Alter ein neunjähriges Mädchen geheiratet hat) war nichts zu hören. Als nach dem Attentat 9/11 in Afghanistan eine muslimische Elite begann, sich unsere Entwicklungshilfe in die eigenen Taschen zu stopfen, war auch nichts zu hören.

Jetzt, wo pädophile alte Männer dank der Taliban wieder kleine Mädchen kaufen können, habe ich auch keine Kommentare unserer muslimischen Gemeinden vernommen. Es wäre Zeit mal von kompetenter Stelle zu dem Thema etwas zu hören, um eventuell vorhandene Vorurteile gegenüber unseren muslimischen Mitbürgern auszuräumen.

Hans-Joachim Lenz, Eppelheim

Der deutsch-amerikanische Deal

Wer sich an 2001 zurückerinnert, hat gewiss den deutsch-amerikanischen Deal nicht vergessen. Nach der Zerstörung des World Trade Centers hatte Kanzler Schröder Präsident Bush bedingungslosen Beistand zugesagt. Der wünschte einen deutschen Einsatz im Irak-Krieg, von dessen Notwendigkeit Außenminister Fischer jedoch nicht überzeugt war.

Als Ersatz akzeptierte Bush eine militärische Unterstützung in Afghanistan. Verteidigungsminister Struck wirkte erleichtert – Deutschland werde sich in Zukunft am Hindukusch verteidigen. Er bekam recht, als entdeckt wurde, dass der Irak-Einsatz auf Falschmeldungen beruhte. Deutschland atmete auf: Es war um einen Krieg herumgekommen! Inzwischen jedoch ist der Irak auf dem Weg zum Frieden, Afghanistan aber weltenweit davon entfernt. Und die USA mit ihren Helfern? Nach 20 Jahren verlassen sie kampfesmüde das innerlich zerstrittene, zur Demokratie und zur Selbstverteidigung offenkundig unfähige Land. Es fiel den Taliban wie eine reife Frucht in den Schoß. Die von der Nato bewaffneten und ausgebildeten Soldaten und Polizisten verteidigten sich nicht einmal selbst.

Wer an den Chancen auf Frieden gezweifelt hat, darf sich bestätigt fühlen. Afghanistans Staat und Gesellschaft bildeten ein undurchdringliches Knäuel von Machtkämpfen zwischen Stämmen und muslimischen Konfessionen. Hinzu kamen Eingriffe von außen, besonders der Taliban aus dem Grenzgebiet zu Pakistan. Selbst mit einem größeren Militäreinsatz hätte die Nato diesen Kampf nicht gewonnen.

Das erkannten am klarsten wohl die nach Deutschland Fliehenden. Lange Zeit standen sie nicht einmal unter Druck, denn die Nato schützte zivile Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) aus den Demokratien, die insbesondere ein Bildungswesen für Mädchen und junge Frauen aufbauten. Junge Männer dagegen strebten zwar auch nach Freiheit und Frieden, vor allem aber in eine gesicherte Zukunft. In der gleichmäßig wachsenden Zahl von 300 000 Afghanen in Deutschland, mit einem Ausreißer nach oben um 100 000 im Fluchtjahr 2015, stellen sie das größte Kontingent.

Gleichzeitig wurden 4000 deutsche Soldaten heimgeholt, nur noch 1000 blieben. Zu wenig für offene Kämpfe. Seitdem schützten die Nato-Verbände vor allem sich selbst. Sie zogen sich in ihre Lager zurück und hielten die Taliban durch ihre Präsenz auf Abstand.

Im Rückblick ist man geneigt, geflohenen Afghanen fehlendes Bewusstsein für ihre politische Verantwortung vorzuhalten. Sie ließen zu, dass an ihrer Stelle junge Europäer ihr Leben aufs Spiel setzten. Ein inneres Bedürfnis, sie dabei zu unterstützen, bildete sich offensichtlich nicht. Weder in Deutschland, noch in Afghanistan. Dabei bestanden durchaus Chancen, eine Zusammenarbeit aufzubauen. Deutschland bot ihnen ein Bleiberecht an, mit einer dreijährigen Ausbildung und einer zweijährigen Berufspraxis vor einer Rückkehr in die Heimat.

Darauf bezog sich am 13. Mai 2017 ein Leserbrief in der SZ: „Geben wir den daran interessierten Flüchtlingen die Chance, eine Ausbildungsstätte der Polizei zu besuchen und mit … jungen Beamten ein Gespräch zu führen. Bestehende Ängste und entstehende Feindbilder würden abgebaut. Das dürfen wir nicht nur tun, wir müssen es.“

Zu solchen Gespräche kam es leider nicht. Die deutschen Soldaten und Polizeibeamte in Afghanistan blieben allein und müssen jetzt nach Hause fliehen, um ihr Leben zu retten. Was die Zukunft bringen wird, weiß niemand. Ein Kalifat wie beim IS? Wohl nicht.

Die Afghanen nahmen die Besetzung widerstandslos hin. Vielleicht in der Hoffnung, dass die NGO’s ihre Arbeit fortsetzen dürfen.

Helmut Mehrer, Brühl

Fehlt da der direkte Kontakt?

Zum Artikel „Baumann: Wir können Flüchtlinge aufnehmen“ in der Ausgabe vom 19. August wird uns geschrieben: Ich weiß nicht, ob die in der oben aufgeführten Pressemitteilung erwähnten Grünen direkt mit Menschen aus beziehungsweise in Afghanistan derzeit oder überhaupt zu tun haben. Ich weiß nur, dass ich selbst seit vielen Jahren direkte Kontakte hier und in Afghanistan habe und viele menschliche Schicksale persönlich begleite.

Ich finde es gut und an der Zeit, dass die Politik jetzt offenbar endlich zu erkennen scheint, dass man nicht immer auf Teufel komm raus, die bürokratischen Regeln einhalten muss. Schon gar nicht, wenn es um Menschenleben geht. Ich hoffe nur inständig, dass diese Aussagen auch durch und durch ehrlich gemeint sind und nicht jetzt nur kurz vor den anstehenden Bundestagswahlen veröffentlicht werden, danach wie so oft wieder in Vergessenheit geraten.

Wo waren denn die Mitteilungen und Meinungen der verschiedenen Parteien in den letzten Jahren zum Thema „Afghanistan“? Vereinzelt gab es welche, aber das reichte nicht, um wirklich auf das Thema aufmerksam zu machen!

Ich beobachte seit Jahren das Geschehen rund um Afghanistan und mir war klar, welch erneute Katastrophe auf das Land und vor allem auf die Menschen zurollt. Wo waren die Aufschreie der Politiker, als es immer wieder zu grausamen Selbstmordattentaten der Taliban und anderer Gruppierungen kam und Tausende von Menschen – Frauen, Kinder, Ältere – umkamen?

Klitzekleine Zwei- oder Dreizeiler konnte man ab und an in der Presse hierzu finden. Mehr aber auch nicht. Kein Politiker kann uns doch wahrhaftig weismachen wollen, dass er „total überrascht“ über das jetzige Szenario in Afghanistan ist. Das kann nur geheuchelt sein!

Es war zweifellos vorauszusehen, dass die Taliban die Macht übernehmen. Spielt es vielleicht eine Rolle, dass es jetzt vor den Wahlen hier in Deutschland geschah? Offensichtlich hoffte man, dass sie sich noch ein wenig Zeit mit der Machtübernahme lassen würden. Da haben die radikalen Islamisten wohl einigen einen Strich durch die Rechnung gemacht und richtig kalt erwischt.

Wieso wurden schon seit Monaten nicht mal mehr medizinische Visa in den deutschen Botschaften ausgestellt? Wollte man vor den Bundestagswahlen das Thema „Afghanistan und Flucht“ so klein wie möglich halten? Dieser Plan ist nicht aufgegangen – denn jetzt wird das Versagen der deutschen Politik der letzten 20 Jahre in Afghanistan Schritt für Schritt öffentlich und sichtbar gemacht. Gut so! Ich hoffe sehr, dass vielen jetzt noch mehr die Augen geöffnet und sich die Menschen das gut merken werden.

Von Seiten der Politik (siehe Mitteilung der Grünen) wird jetzt krampfhaft versucht, von sich auf andere abzulenken. Was bringen Schuldzuweisungen? Muss jetzt dargestellt werden, wie toll man selbst ist und wie fehlerhaft die anderen?

Können die Parteien denn nicht, wenn es um die Sache – beziehungsweise wie jetzt hier um Menschenleben – geht, über ihr Parteiprogramm hinausgehen und zusammen– statt gegeneinander arbeiten? Ich wünsche mir, dass das aufhört: Wir Bürger wollen uns nicht für blöd verkaufen lassen. Wir wollen die Karten offen auf den Tisch gelegt bekommen. Wenn wir das nicht wollen, gehen wir ins Theater, um uns mit Schauspielkunst und Märchen berieseln zu lassen. In der Politik wollen wir das nicht!

Am meisten verwundert hat mich in der oben aufgeführten Pressemitteilung jedoch, dass keinerlei Anleitung erwähnt wird, wie denn konkrete Rettungsmaßnahmen angegangen werden können. Warum nicht? Ich selbst hatte das Staatsministerium angeschrieben und zumindest eine „Krisen-E-Mail-Adresse“ erhalten, bei der besonders gefährdete Menschen mit entsprechenden Begründungen und Unterlagen registriert werden können. Ist diese Dr. Andre Baumann nicht bekannt? Falls sie benötigt wird, gebe ich sie gerne auf Anfrage weiter.

Raquel Rempp, Schwetzingen

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