Meinungen zur Corona-Pandemie

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Leserbrief-Schreiber: Mathias Wagener
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Zum Thema Corona:

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Ein Mädchen zeigt in Mainz ihren negativen Schnelltest in einer Schule. © dpa

Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass der Oberbürgermeister Kurz, ein gelernter Jurist, meinen kann, dass quasi per Telefonkonferenz zusätzliche Feiertage – und dann auch noch auf Bundesebene – eingeführt werden können. Von der Sache her würde das wohl auch nichts bringen, genauso wie die nächtliche Ausgangssperre und die Schließung bestimmter Geschäfte/Gaststätten. Mathias Wagener, Mannheim

"Dauerverbote führen nur dazu, dass sie zunehmend weniger ...

"Dauerverbote führen nur dazu, dass sie zunehmend weniger beachtet werden."

Herr Oberbürgermeister Kurz sollte sich mal an die eigene Nase fassen. Die Inzidenz in Mannheim steigt kontinuierlich, was nichts mit dem Berliner Rückzieher zu tun hat, sondern mit anderen Faktoren. Die wirksamste Bekämpfung der Corona-Pandemie stellt die Impfung dar. Und da ist Mannheim nun wirklich nicht an der Spitze des Geschehens. Ich werde in diesem Jahr 80 Jahre alt und habe keine Möglichkeit, mich auch nur über Internet oder Telefon anzumelden, um mich registrieren zu lassen. Das ist unglaublich. Ilse Stübinger-v.Olshausen, Mannheim

Der Luisenpark, die grüne Lunge von Mannheim, ist geschlossen, weshalb? Im unteren Luisenpark dagegen sind hunderte von Menschen auf engstem Raum unterwegs. Der einzige Spielplatz ist „übervölkert“ und auf dem Sportgelände sind sehr viele Sportler (ohne Masken) aktiv. Es sei allen durchaus gegönnt. Sportstudios mit extremen Sicherheitsauflagen sind dagegen seit Monaten zu. Hotels, die hervorragende Hygienekonzepte entwickelt haben, sind geschlossen.

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Noch vor Monaten wurde „gepredigt“, dass das Tragen von Masken der optimale Schutz sei. Offensichtlich gilt das nun nicht mehr im Zusammenhang mit Hotelbesuchen und so weiter. Bei Discountern und Drogeriemärkten sind wiederum unzählige Menschen auf engstem Raum zu finden. Kleine Läden, die darauf geachtet haben, dass nur eine vorgegebene Anzahl von Kunden den Verkaufsraum betreten darf, sind ebenfalls zu. Wo bleibt bitte bei all diesen Widersprüchen die logische Vorgehensweise? Walter Reinhard, Mannheim

Sehnlichst wünschen wir uns wieder Räume der Begegnung, der Kultur, des gemeinschaftlichen Erlebens. Stellen wir uns doch einmal kurz vor: Unsere „Volks“vertreter*innen würden ihre Energien bündeln und darauf lenken, uns wieder Freiräume oder auch Freiflächen zu schaffen. So viele öffentliche Plätze, unzählige große Spielplätze und Freizeitparks wurden leergefegt, um dem Virus möglichst auszuweichen. Das wird uns nicht immer gelingen, und vielleicht müssen wir es als „Lebensrisiko“ akzeptieren – und mit Zoonosen leben lernen.

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Im Kulturteil des „MM“ vom Samstag, 27. März, zitieren Sie Herrn Kufeld, der betont: „Der Mensch wird erst als soziales Wesen zum Menschen; als sozial wahrgenommenes und ernstgenommenes und mitgenommenes Wesen fühlt er sich – nicht verwaltet.“ So ist es! Wir wollen in unseren Bedürfnissen nach Kontakt und gesellschaftlichem Leben, unserem Schmerz, unserer Ratlosigkeit wahr- und ernstgenommen werden. Da reicht es nicht, von einem Verbot zum nächsten zu stolpern, und uns mit Durchhalteparolen vom öffentlichen Leben fernzuhalten.

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Was ich mir sehnlichst wünsche, ist ein Plan, wie es längerfristig wieder vorangehen kann. Dabei könnten Gesundheits- und Klimapolitik Hand in Hand gehen, uns neue Perspektiven aufzeigen. Was wir dafür brauchen? Politiker*innen auf allen Ebenen, die das große Ganze in den Blick nehmen, eine Vision für ein möglichst gesundes, aber vor allem wieder soziales Zusammenleben entwickeln. Denn das brauchen wir wie die Luft zum Atmen: Sehen und gesehen werden, uns in Würde begegnen, Impulse zum Lernen und Staunen. Herzliche Begegnungen und Mitgefühl mit den vielen Alten, die einsam vor sich hinkümmern. Dann wird es uns auch gelingen, mit neuem Mut aus dieser Krise hervorgehen! Petra Heinemann, Ilvesheim

Dass Türken und Zuwanderer die Inzidenz hochtreiben, ist eine Tatsache und hat nichts mit Rassismus zu tun. In jedem Barber-Shop (es werden immer mehr) sieht man große Gruppen von Türken ohne Abstand und ohne Masken, ebenso in den Quadraten um den Marktplatz herum. Diese Personen halten sich nun mal an keine Regeln, da muss man sich nicht wundern, wenn die Zahlen ständig steigen.

Wir brauchen keine strengeren Kontaktbeschränkungen, die bestehenden müssten eingehalten und auch verstärkt kontrolliert und härter bestraft werden. Auch treffen sich trotz nächtlicher Ausgangssperre zu viele Menschen in großen Gruppen zum Feiern. Petra Rothmeier, Mannheim

Ja, wir reiten die dritte Welle. Und ja, weil diese sich wohl primär über die britische Corona-Variante verbreitet, wird die Welle zahlenmäßig höher ausfallen. Doch das wird sie mit oder ohne harten Lockdown, denn die Politik des permanenten Herunterfahrens ist in meinen Augen gescheitert. Dauerverbote führen nur dazu, dass sie zunehmend weniger beachtet werden.

Wir leben nicht mehr am Anfang der Pandemie, sondern sind ein Jahr weiter. Wir haben heute andere Möglichkeiten: Zum einen läuft, wenn auch sehr stotternd, seit Jahresbeginn die Impfkampagne, die nach Ostern allmählich Fahrt aufnehmen wird. Sie macht sich bereits positiv bei den Todesfällen bemerkbar.

Zum anderen haben wir verschiedenste Schnelltests. Damit ist es möglich, Ansteckungsketten zu unterbinden beziehungsweise kurz zu halten. Und das gilt es, zu nutzen. Wann mache ich einen Schnelltest? Wenn ich einen Nutzen davon habe. Das kann, wie zur Weihnachtszeit, der Besuch der Mutter am Feiertag sein. Das kann aber auch der Wunsch nach dem Besuch eines Theaters, eines Museums oder auch eines Kaufhauses sein.

Darum ist das Konzept von Saarlands Ministerpräsident in meinen Augen die derzeit richtige Strategie. Sie schafft die Perspektive, die die Wirtschaft zu Recht fordert und sie schafft die notwendigen Anreize bei der Bevölkerung für häufigere Schnelltests. Zusammen mit der Impfkampagne hilft dies unserem Land, gut durch die dritte und hoffentlich letzte Welle der Pandemie zu kommen – ohne weitere Lockdowns und Maßnahmen wie nächtliche Ausgangssperren. André van den Berg, Schriesheim

Die Coronazahlen steigen und steigen – das wundert mich nicht! Es wird zu wenig geimpft! Die Maimarkthalle wurde zum Impfzentrum. Und das restliche Gelände? Warum stehen dort keine Zelte? Es werden in der Halle 400 Impfungen am Tag gemacht. Man sollte das restliche Gelände dazu nehmen. Zelte und Container aufstellen und dann 10 000 Impfungen pro Tag machen. In etwa 60 bis 65 Tagen ist ganz Mannheim geimpft und jeder kann wieder voll durchatmen. Das kostet viel Geld. Aber der Lockdown und die staatlichen Hilfen sind auch enorme Summen. Wenn endlich mehr geimpft wird, gibt es auch wieder zufriedene Menschen und die Wirtschaft applaudiert vielleicht auch! Harald Niemeyer, Mannheim

Wie ignorant kann die Politik denn sein, dass sie nicht begreift, dass die Ansteckungen in der Gastronomie einen verschwindend geringen Anteil an der Pandemieentwicklung haben? Alle mir bekannten Gastronomen haben erhebliche Investitionen bezüglich der Hygienevorschriften getätigt. Auch wenn einige Gäste falsche Angaben zu ihrer Identität gemacht haben, war die Mehrzahl wohl gesetzeskonform.

Die privaten Treffen sind das Problem. Die arme Polizei ist völlig überfordert und zum Teil auch berechtigterweise ängstlich, zu kontrollieren. Der wirtschaftliche Schaden fällt doppelt an: Überbrückungshilfen kosten Milliarden. Umsatz- und Ertragsteuern sowie Sozialausgaben fallen aus. Die armen Kellner bekommen keine Trinkgelder mehr und geraten an die Armutsgrenze. Die Ausgangssperren sind nicht nur unverhältnismäßig, sondern bringen keine nennenswerten Erfolge. Wir haben zu wenig Palmers ... Michael Hausen, Mannheim

Solange die Ministerpräsidenten mehr um die Gunst der Wählerschaft in ihren Bundesländern buhlen und dies anstelle des dringend notwendigen, gemeinsamen politischen Handelns zum Schutz und Nutzen aller doch gleichermaßen betroffenen Bundesbürger, werden die faulen Kompromisse weiterhin für Unverständnis und Unzufriedenheit in der Bevölkerung nicht nur anhalten, sondern sich nachhaltig verstärken. Erwin Trützler, Mannheim