Der Fall Assange - Fünf Vorschläge für Titelgeschichten / Leser sieht im Umgang ein „Totalversagen der Mainstreammedien“ Merkwürdig und unverständlich

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Seit September 2020 steht einer der meiner Ansicht nach wichtigsten Journalisten der westlichen Welt, Julian Assange, in London vor Gericht und die Medien dieser westlichen Welt berichten in „schockierender Gleichgültigkeit“ (Nils Melzer) so gut wie nichts darüber! Dabei böte dieser Fall doch Stoff für viele Titelgeschichten! Hier einige Vorschläge für Titelgeschichten:

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1. Titelgeschichte: Die zwei angeblich ältesten Demokratien der Welt verfolgen einen Journalisten, der grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit in Anspruch genommen hat, ohne die Demokratie nicht möglich ist.

2. Titelgeschichte: Seit Wikileaks wissen wir alle, dass die westlichen Truppen im Irak und Afghanistan schlimmste Kriegsverbrechen und Terrorakte begehen. Wer könnte die Bilder vergessen, wie US-Soldaten aus dem Hubschrauber heraus einfach so zum Spaß irakische Zivilisten wie Hasen abknallen! Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass es in australischen Eliteeinheiten üblich war, dass Neuankömmlinge sozusagen zum Einstieg einen afghanischen Gefangenen erschossen. In Großbritannien wurde vor Kurzem ein Gesetz beschlossen, wonach Kriegsverbrechen englischer Soldaten nach fünf Jahren verjähren! Nach diesem Gesetz hätten die Naziverbrecher bereits 1945 nicht mehr wegen des Überfalls auf Polen 1939 und der Entfesselung eines Weltkrieges angeklagt werden können!

3. Titelgeschichte: Die Behandlung von Julian Assange und der Prozess in England würden jeder Diktatur zur Unehre gereichen. Herr Assange sitzt 23 Stunden am Tag in Isolationsfolterhaft; selbst den Hofgang muss er in Isolation verbringen! Jedes Mal beim Verlassen seiner Zelle wird er in einen kalten Warteraum gebracht, wo er sich nackt ausziehen und einer Leibesvisitation unterziehen muss – mit Eingriff in den Anus! Er darf keine Besuche empfangen, weder von seiner Verlobten noch von seinen Anwälten. Die US-Anklageschrift wurde unmittelbar vor Prozessbeginn ausgetauscht, ohne dass die Verteidiger darüber informiert wurden! Auf Beschluss der Richterin darf die Verteidigung Zeugen nur 30 Minuten befragen, die US-Anklage darf dies dagegen stundenlang tun! Der Prozess, der die Weltöffentlichkeit brennend interessiert, wird quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt. Angemessene medizinische Behandlung wird ihm verwehrt! All dies und noch vieles mehr lässt Herrn Melzer vom UN-Hockkommissariat für Menschenrechte zu dem Schluss kommen, dass Julian Assange bereits im englischen Gefängnis gefoltert wird!

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4. Titelgeschichte: Welche Zukunft hat der Journalismus in den westlichen Demokratien noch, wenn, wie in Punkt sieben der Anklageschrift geschehen, „der passive Erhalt und Besitz von Informationen“ kriminalisiert werden kann? Dies wäre nicht nur das Ende des investigativen, sondern auch das Ende jedes kritischen staatsfernen Journalismus!

5. Titelgeschichte: Hier könnte gezeigt werden, wie ein Mensch seit über zehn Jahren psychisch und physisch zerstört wird, weil er den Machthabern und ihren Verbrechen in die Quere und auf die Spur gekommen ist! Während die Öffentlichkeit mit der Mär von den guten humanitären Interventionen zum Brunnen bohren oder für Mädchenschulen eingelullt wird, hat Julian Assange den Beweis erbracht, dass es in Wahrheit schlimmste Kriegsverbrechen sind, die westliche Truppen in vielen Teilen der Welt anrichten. Deshalb soll er zum Schweigen gebracht und deshalb soll an ihm ein Exempel statuiert werden, damit in Zukunft niemand mehr es wagt, künftige Kriegsverbrechen der „westlichen Wertegemeinschaft“ zu veröffentlichen.

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Schade, dass diese Regierungen, zu denen durchaus auch die deutsche zu zählen ist, in den Medien so viele willfährige Helfer haben! Aber als vierte Gewalt haben die Medien aus meiner Sicht abgedankt!

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Günter Pfisterer, Hockenheim