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Gedanken zur katholischen Kirche - Deutschlands katholische Bischöfe werden beneidet und bedauert / Warum irdische Macht auch die Christenheit ergreift Mit Gesten des Teilens den Hunger stillen

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Zu Beginn des dritten Jahrtausends galt die evangelische Pfarrerin Margot Käßmann als eine der beachtesten Theologinnen. Die Bischöfin in Hannover, der größten deutschen Landeskirche, gab auch gerne ihre Meinung preis. So befragte man sie einmal nach dem Ansehen ihrer katholischen Amtsbrüder – und war überrascht von ihrer Antwort. Ihre Ansicht zur Beziehung zwischen dem katholischen Kirchenvolk und seinen Oberhirten klang bewundernd, fast neidisch. Sie sei von dessen tief achtungsvollen Verehrung beeindruckt, die sie selbst nie erlebt habe. Zweifellos war diese Wertschätzung aufrichtig und auch zutreffend, da Käßmann vor ihrer katastrophalen Autofahrt und dem Verlust ihres Amtes auf dem Höhepunkt eines bundesweiten Ansehens stand.

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Ihrem Kompliment konnte ein Katholik jener Jahre ehrlich zustimmen. Damals stand eine wirklich beeindruckende Gestalt an der Spitze der Bischofskonferenz: Kardinal Karl Lehmann, den sogar Kanzlerin Merkel um Rat gebeten hat. Doch auch dieser Stern sank. Sein Niedergang war freilich nicht sofort zu erkennen, wurde aber sichtbar, als der Jesuit Klaus Mertes den sexuellen Kindermissbrauch innerhalb seiner Kirche öffentlich machte. Die so machtvoll scheinenden Bischöfe wirkten plötzlich überfordert. Zuvor geschätzte Vertreter ihres Amts versuchten Verbrechen und Vergehen ihres Klerus zu vertuschen, anstatt Verantwortung zu übernehmen und Strafanzeigen zu stellen.

In dieser Phase zurückgehenden Ansehens wuchs der Druck der Herde auf ihre Hirten. Zwei Impulse traten hervor: die feministische Bewegung „Maria 2.0“ und der „synodale Weg“, die Übernahme des brasilianischen Treffens von Klerikern und Laien. In ihrer deutschen Version gehören ihr je 69 Mitglieder der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken an.

Ihre wichtigsten Themen gleichen denen von „Maria 2.0“: die drängende Aufarbeitung des Kindermissbrauchs, das Ende der gebotenen Ehelosigkeit von Priestern und die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern als Diakoninnen und Priesterinnen. Einvernehmliche Lösungen sind gefordert, damit sich die Kirche vom Nullpunkt löst, auf dem sie, laut Kardinal Reinhard Marx, inzwischen angekommen ist.

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Wie aber kann sie zum inneren Frieden finden?

Demokratische Meinungsbildung reicht allein nicht. In der Christenheit geht es mehr als um irdische Macht und Ansehen. Am Ursprung ihres Glaubens stehen Worte und Taten Jesu, mit denen er Menschen geheilt und getröstet hat. An ihn wenden sich allmorgendlich die Benediktiner in ihrem Morgengebet: „Gib mir das rechte Wort des Trostes, wo ein Mensch darauf wartet – die Geste des Teilens, wo meine Möglichkeiten den Hunger stillen und den Durst löschen können – den Einsatz für die Gerechtigkeit, wo ich ihn bringen kann – und Gedanken des Friedens in mir für diesen Tag.“

Wer sich diesem Geist anschließt, steht anderen spontan bei, was auch immer sie an materieller oder moralischer Unterstützung brauchen. Er teilt seine materielle Habe mit Menschen im Elend und seine geistigen Gaben: mit dem Kölner Bischof Woelki.

Helmut Mehrer, Brühl

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