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Neue Ortsmitte – eine Begegnungsstätte für Bürger wird zu einer Betonwüste

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Zur Entscheidung des Gemeinderates in Neulußheim in Sachen Markus-Schule erreicht uns diese Meinung:

Unlängst gab es bereits einige Berichterstattungen und auch Leserbriefe zum geplanten Neubau der Markus-Schule in der Ortsmitte von Neulußheim. Vorneweg möchte ich ganz deutlich klarstellen, dass niemand etwas generell gegen die Schule oder gegen Schüler hat, die auf diese Schule gehen.

Ich möchte mit diesem Leserbrief aber auf die Situation aufmerksam machen, die sich uns als Anwohner stellt. Und ich möchte auch auf ein paar der Argumente eingehen, die die befürwortenden Parteien vorgebracht haben.

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Natürlich haben wir als Anwohner uns vor sechs Jahren für den Standort entschieden, mit dem Bewusstsein, direkt neben eine Grundschule zu ziehen. Allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen, als sie heute gegeben sind und zukünftig werden sollen. Die Aussagen damals waren ganz klar: kleine Schule, wenig Klassen, keine weiteren Bauvorhaben in der Ortsmitte geplant, maximal ein Café oder Bäckerei in einem der vorderen Gebäude an der St. Leoner Straße.

Heute haben wir die Situation, dass wir neben einer Grundschule wohnen, deren Einzugsgebiet bis nach Heidelberg reicht, entsprechend die Schüler zu 90 Prozent mit dem Auto gebracht werden, was ein enormes Verkehrsaufkommen in einem Straßenzug bedeutet, der unübersichtlich ist, Zone 30 und keine Fußgängerwege hat. Entsprechend ist dieses Verkehrsaufkommen nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich.

In Bezug auf den Beitrag der Freien Wähler im Gemeindeblättel, die sich auf Aussagen des Bürgermeisters beziehen, dass an der Lußhardt-Schule die Verhältnisse „chaotischer“ seien und der Kindergarten, der übergangsweise bei der Markus-Schule untergebracht ist, auch zum erhöhten Verkehrsaufkommen beigetragen hätte, der ja aber in absehbarer Zeit umziehen würde, möchte ich Folgendes betonen: An der Lußhardt-Schule sind eine Vielzahl mehr an Schülern plus ein Kindergarten und eine Kinderkrippe untergebracht, somit ist das dortige Verkehrsaufkommen natürlich auch entsprechend hoch. Dort gibt es allerdings vernünftige Zu- und Abfahrtsstraßen sowie ausreichend Parkplätze, sodass nicht die Straßen wahllos zugeparkt werden müssen.

Die Markus-Schule hat keinen eigenen Pausenhof, dieser ist nämlich eigentlich ein öffentlicher Platz, der als direkte Zuwegung zur St. Leoner Straße dient. Nun soll genau im Bereich dieses öffentlichen Platzes ein weiteres Gebäude gebaut werden, das nicht nur äußerlich überhaupt nicht in das Gebäudeensemble passt, es nimmt auch noch entsprechend weitere Fläche weg. Somit geht nicht nur öffentlicher Platz verloren, den man vielleicht ja auch mal für Grünflächen nutzen könnte, sondern auch den Kindern geht Platz für deren Pause verloren.

Der angrenzende Spielplatz ist ebenfalls öffentlicher Raum, kann aber tatsächlich nur spät am Nachmittag oder am Wochenende genutzt werden, denn andernfalls ist er durch die Schule belegt. Auch das war uns als Anwohner so nicht mitgeteilt worden, als es um den Kauf unserer Wohnungen ging.

Natürlich kann man die Schule verstehen, sich qualitativ besser aufstellen zu wollen – mit Aula, Musiksaal und Kreativraum. Aber was darf man denn erwarten, wenn größere Räume zur Verfügung stehen? Größere Klassen, noch mehr Verkehr, regelmäßige Festivitäten am Wochenende? Und das mitten im Ortskern einer kleinen Gemeinde wie Neulußheim, wo man doch ursprünglich eine Ortsmitte schaffen wollte, die zur Begegnung einlädt und zum Verweilen.

Zu dem Argument der Fraktionen FW und CDU, die Schule stelle einen Standortvorteil dar, frage ich mich, für wen denn? Die Schule mag ja eine hervorragende weitere Auswahlmöglichkeit zur öffentlichen Lußhardt-Schule sein, aber genutzt wird diese Möglichkeit eben nur von einem Bruchteil der Bürger und Bürgerinnen von Neulußheim und entsprechend stellt es auch keinen Standortvorteil für die Bürger und Bürgerinnen dieser Gemeinde dar. Auch beim „millionenschweren Problem“ der Gemeinde, das entstehen würde, sollte die Schule abwandern, muss ich mich fragen, wie schlecht ist die Gemeinde eigentlich finanziell aufgestellt? Hat sich über die mögliche Ausweitung und gegebenenfalls Abwanderung der Schule bisher niemand Gedanken gemacht?

Auch möchte ich noch das Argument der FW aufgreifen, dass man bei anderen Einrichtungen wie zum Beispiel dem Blausee nichts gegen „auswärtige Besucher“ hat und in dieser Angelegenheit ein „unzeitgemäßes Kirchturmdenken“ zutage komme. Hier möchte ich doch bitten zu berücksichtigen, dass es sich dabei um eine Freizeiteinrichtung handelt, die erstens nicht im Ortskern liegt, zweitens keine öffentlichen Flächen belegt und drittens eben den viel genannten Standortvorteil für die Bürger und Bürgerinnen darstellt, da er eben von einer großen Anzahl der Anwohner des Ortes genutzt wird. Also bitte nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen! Und vielleicht auch noch mal darüber nachdenken, in welcher Tonalität man gegenüber der Bürger und Bürgerinnen der eigenen Gemeinde auftritt.

Jennifer Sior, Neulußheim

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