Güterverkehr Bahn - Da fragt man sich schon, ob das notwendig ist Neue Trasse ist ein Phantom

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Als ich zum ersten Mal von der geplanten Güterverkehrstrasse Mannheim-Karlsruhe hörte, fühlte ich mich an Stuttgart 21 erinnert. Durch mein langjähriges Engagement in diesem Projekt habe ich mir einige bahntechnische Sachkenntnisse erworben. Bis heute ist Stuttgart 21 so überflüssig wie ein Kropf, ohne den alten Kopfbahnhof sind die steigenden Fahrgastzahlen nicht zu bewältigen. Dennoch pumpt die Deutsche Bahn AG zehn Milliarden Euro in das Projekt – unser Geld.

Nicht viel besser sieht es bei der Milliarden teuren Gütertrasse Mannheim-Karlsruhe aus. Nicht die notwendigen Tunnels sind das Problem, sie ist vielmehr so überflüssig wie ein Kropf. Warum? Gleich im Februar als ich zum ersten Mal von dem Projekt las, habe ich mich telefonisch bei den Hafenverwaltungen Rotterdam, Mannheim und Karlsruhe schlaugemacht und erfahren, dass es noch ein großes Umschlagpotenzial von der Schiene aufs Wasser und umgekehrt gibt.

Ein Schiffsreeder der Danser Group rechnete mir vor, dass der Gütertransport von Rotterdam nach Mannheim oder Karlsruhe umweltfreundlicher, preiswerter und sogar schneller sei als mit der Bahn. Das ist leicht zu verstehen, da ein Frachtschiff etwa das Fassungsvermögen von fünf langen Güterzügen hat und die Schiffe Tag und Nacht fahren, während die Güterzüge wegen jedem Personenzug Stopps einlegen müssen. Nicht wenige potente Firmen im Rhein-Main-Gebiet lassen ihre Güter deshalb per Schiff transportieren, weil dies zuverlässiger und besser kalkulierbar ist als mit der Bahn.

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Es stimmt auch nicht, dass die bisherige Trasse überlastet ist. Täglich gehe ich mit meinem Hund am Schwetzinger Bahnhof spazieren und habe nie den Eindruck, dass da besonders viele Güterzüge fahren würden. Die Schweizer Güterzüge sind übrigens so leise wie eine S-Bahn, während die deutschen Waggons noch richtig rattern, weil die Deutsche Bahn immer noch nicht alle Wagen auf Kunststoffbremsen umgestellt hat. Im Übrigen gibt es heute Dämpfungsglieder, die direkt an die Schienen montiert werden und so den Bahnlärm fast völlig schlucken. Hohe und hässliche Lärmschutzwände wären da gar nicht mehr erforderlich.

Mein Freund, der ehemalige Schweizer Bahnchef Benedikt Weibel regt sich auf: „Mit dem Geld von Stuttgart 21 haben wir die Schweiz zu einem großen S-Bahn-Netz ausgebaut.“ Die Deutsche Bahn sei immer noch nicht in der Lage, mit elektronischen Hilfsmitteln die Zugfolge zu erhöhen. Die vorhandene Schienenkapazität würde dann ausreichen. Er kann sich den tödlichen Zusammenstoß zweier S-Bahnen kürzlich in München auf einer eingleisigen Strecke gar nicht erklären. Jedes moderne Auto habe doch einen Notbremsassistenten, aber scheinbar nicht die Züge der Bahn.

Bis heute habe ich von der Projektleitung noch keine Antwort auf meine Fragen erhalten, außer den unverbindlichen Hinweis auf den Bundesverkehrswegeplan. Also wäre Verkehrsminister Dr. Volker Wissing gefordert, um hier Klarheit zu schaffen, wo das knappe Geld noch ausgegeben werden sollte.

Ulrich Pfeiffer, Schwetzingen