Notstromaggregat dank politischer Versäumnisse

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Zur Energiekrise in Deutschland wird uns folgende Meinung geschrieben:

Dieser Tage geht durch die Presse, dass die Prüfung einer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke durch das Bundeswirtschaftsministerium anscheinend nie unabhängig war. Es fehlen Absätze im veröffentlichten Prüfbericht, die klimapolitische Bedeutung der Atomkraftwerke für die CO2-Reduktion wurde ausgeklammert. Minister Robert Habeck konnte oder wollte sich nicht gegen die Grünen-Basis und gegen ihr ideologisch motiviertes Beharren durchsetzen, obwohl die Europäische Union die Atomkraft mit neuer Technologie als klimafreundlich einstuft.

Auf der unteren Ebene der politischen Strukturen, bei den Lastenträgern der Gesellschaft, befindet dieser Tage der Gemeinderat von Plankstadt über die Anschaffung eines teuren Notstromaggregats, um Stromausfälle im Rathaus überbrücken zu können. Eine echte Premiere, denn seit über 75 Jahren hat es dieses Problem nicht gegeben.

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Leider bleibt der Kommunalreporter Kern beim Bericht über die Sitzung des beschließenden Ausschusses hinter seinen analytischen Möglichkeiten zurück. Es ist die gescheiterte Energiepolitik der vergangenen Jahre unter der Merkel-Regierung, die uns jetzt auf die Füße zu fallen droht: Gleichzeitiger Ausstieg aus Kohle und Atomkraft und vorübergehender Ersatz durch günstiges Putin-Gas, bis alternative Energien das Gros der Energieversorgung übernehmen.

Beim Ausfall beider Gasleitungen, Verweigerung von Atomenergienutzung und künftig steigendem Strombedarf durch Wärmepumpeneinsatz und Elektroautos weiß zurzeit niemand, wie man die Bedarfslücke schließen könnte. Es ist eben nicht nur die erwähnte fehlende Strominfrastruktur von Norden nach Süden, sondern die Technologiefeindlichkeit grüner Ideologen im Bundeswirtschaftsministerium, die zwar Fracking-Gas aus Kanada und USA willkommen heißen, eigene Schiefergasförderung aber verdammen.

Der Aus- und Aufbau der Energieinfrastruktur wurde in den vergangenen Jahren vernachlässigt und sogar behindert. Atomenergie könnte Abhilfe schaffen, wird aber verteufelt. Die Ausgangslage für das Ministerium ist derzeit denkbar ungünstig. Wegen der Sanktionen kein Gas aus Putins Russland, die LNG-Terminals an der deutschen Küste befinden sich noch im Bau, genauso wie die Stromtrassen in den Süden.

Die Gemeinde Plankstadt sollte sich auf das Verursacherprinzip berufen und die Rechnung für das Notstromaggregat in Höhe von über 60 000 Euro samt Folgekosten mit freundlichen Grüßen an den Bundeswirtschaftsminister weiterleiten.

Winfried Wolf, Plankstadt