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Tiefengeothermie - Nicht alles, was glänzt, scheint wirklich Gold zu sein – es bleiben viele offene Fragen Oberrheingraben wird zum neuen Dawson City Lithiumrush

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Der Oberrheingraben wird zum neuen Dawson City Lithiumrush erklärt. Die Berichte überschlagen sich fast für die Tiefengeothermie (TG) und man wägt sich im Goldrausch von Dawson City, wo sich die Goldgräber massenhaft auf den Weg machten mit Schaufeln. Jetzt macht man sich mit Rüttlern und seismischen Geräten auf den Weg im Gepäck hohe Bohrtürme und Bohrgestänge, die fast 4000 Meter tief in die Erde gebohrt werden sollen.

Da gibt es großartige und leider auch nicht bewiesene Prognosen von Horst Kreuter von der Firma Vulcan, der in der Vergangenheit mit seinem Geothermieprojekt kein Glück hatte, aber nun mit Lithium groß einsteigen möchte und schon die Anzahl Batterien ausrechnet, die der Oberrheingraben (ORG) liefern könnte. Unseriös fällt mir als erster Begriff ein zu diesem Theater, das hier stattfindet. Selbst das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist vorsichtig zu seinen Prognosen, aber sie müssen ja auch keinen Aktienkurs verteidigen und immer neue Investoren suchen. In Brühl gab sich die Geothermiefirma damals schon als führendes Unternehmen auf dem Markt aus, so führend, dass sie mehrere Einbrüche bei den Bohrungen hatten und am Ende die Insolvenz stand. In dieser Branche herrscht der Schein, das Prinzip Hoffnung und damit wird geworben. Was die Realität bringt, bleibt abzuwarten. Der Satz „wir haben dazu gelernt“, den hört man seit zehn Jahren. Im Übrigen wird es in den nächsten Jahren einen Ersatz fürs Lithium geben, an dem man schon arbeitet, wo Batterien nicht total ausbrennen, leichter sind, ohne seltene Erden auskommen und kostengünstiger.

Bei aller Euphorie, die vermittelt wird, sollte man nie vergessen, die Geothermie-Firmen sind keine Menschenfreunde, denen es nur um die Wärmeerzeugung für die Ortschaften geht, sondern sie wollen Geld verdienen, hinter ihnen stehen Aktionäre mit knallharten Forderungen, die Rendite sehen wollen. Ein Werk wie in Bruchsal, wo eine geringe Ausbeute von 0,55 MW Strom oder Wärme für eine Polizeikaserne und das auch nur zu 60 Prozent des Bedarfs produziert wird, kann sich eine Privatfirma gar nicht leisten. Hier werden ganze 24 Liter pro Sekunde hochgepumpt und man bleibt mit dem Druck schwach, um keine Beben auszulösen. Das aber entspricht nicht den Vorstellungen der DEW oder eines Herrn Kreuter, der ja möglichst viel Wasser hochpumpen will, um an das Lithium zu kommen. Dass dabei noch eine Menge Eigenstrombedarf entsteht, was man von der Energieerzeugung abziehen muss, und dass die TG-Anlage an sich ja auch nicht von der Sonne läuft und selbst zirka 20 Prozent Eigenstrombedarf hat, wird häufig unter den Tisch gekehrt.

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Der Gewinn ist für die Firmen (hilfreich und attraktiv ist dabei das EEG mit 25,20 Cent, finanziert mit Steuermitteln), die Risiken übernehmen die Hausbesitzer, die noch dazu aufgefordert werden, ihre Häuser für viel Geld energetisch zu dämmen und aufzuwerten. Auch hört man nie etwas von einer Bedarfsstudie vorab, wer überhaupt an die Wärme angeschlossen werden will, wo doch fast alle Neubauviertel heute mit Wärmepumpen laufen. Die Industrie kann sich nicht auf TG verlassen. Sie muss hochfahren können bei Bedarf, sie braucht andere Temperaturen und wirkliche grundlastfähige Energien. Wenn Pumpenwechsel ansteht, steht das Werk still. Wenn Probleme auftreten, steht das Werk still. Und nichts in der Natur ist unerschöpflich, das zeigt sich gerade wieder. Ressourcen sind begrenzt, vom Lithium weiß man noch gar nicht genau, aus welchem Gestein es herausgelöst wird, wie lange die Sättigung vorhält bei ständiger Entnahme und ob neues Lithium nachkommt, wenn die Lösung erschöpft ist oder ob das Lithium gar flächendeckend im gesamten Oberrheingraben verteilt ist, alles ist spekulativ. Immerhin sollte der Ertrag die Produktionskosten und den Aufwand rechtfertigen. Nicht zuletzt braucht jede Lithiumgewinnung ein Geothermiekraftwerk für 20 bis 30 Millionen als Voraussetzung. Jedoch entspricht die Perforierung des gesamten ORG mit TG nicht dem Wunsch der Bewohner, die hier ihre Heimat, ihre Immobilien haben.

Die Bergamtsbehörde sollte hier sehr vorsichtig agieren und Verantwortung gegenüber den Bürgern und ihren Häusern zeigen. Anstatt immer weitere Claims oder gar Genehmigungen für Bohrungen auszugeben, sollten die bestehenden Werke erst ihre Effizienz und ihren Lithium-Ertrag beweisen – natürlich ohne Beben zu produzieren oder sonstige Vorkommnisse wie in der Vergangenheit.

Marion DeMille, Ketsch

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