AdUnit Billboard

Demokratie - Die Staaten und ihre Bürger sind gefordert, eine Gegenkultur energischer Solidarität aufzubauen Politisch motivierte Friedfertigkeit

Lesedauer

Nur wenige erinnern sich noch an den Frühsommer 2020 mit unerklärlichen Gewaltausbrüchen vor allem junger Leute gegen nächtliche Corona-Ausgangssperren. Dass sie sich zuerst in dem als friedlich geltenden Stuttgart ausbreiteten, hat niemand begriffen. Hamburg? Klar. Berlin? Auch. Aber die gemütliche schwäbische Landeshauptstadt? Und dann zog die Gewalt ihre Kreise. Wochenlang in Städten wie Chemnitz. Danach Morde in Halle und Hanau, sogar ein fast erfolgreicher Sturm auf den Reichstag. Zudem die Bedrohung von Politikern – Bürgermeistern, selbst Ministern. Und aus dem Untergrund kam der schändliche Antisemitismus zurück, den wir für endgültig überwunden hielten.

Nun geschah das nicht im Stillen. Die Berichte der für ein friedliches Zusammenleben Verantwortlichen in der Politik und der Polizei zeichnen ein deutliches Bild: Wir gehen in unserem Land ständig aggressiver miteinander um, helfen einander nicht und haben am Ende allen Grund, vor uns selbst zurückzuschrecken.

Wie sollen wir aber reagieren? Die Polizei sei unterversorgt, hört man. Wir können aber nicht eine Hälfte von uns zu Hütern der Ordnung und Beschützern der anderen machen. Außerdem zeigen Befragungen, dass es um Tieferliegendes geht. Befragungen zeigen, dass 40 Prozent der Gewalttaten von rechtspopulistisch und rechtsradikal Orientierten begangen werden. Wenn es nicht gelingt, das zu stoppen und umzukehren, werden Hass und Gewalttaten sich bei uns einwurzeln!

Mehr zum Thema

Extremismus

Leak bei Polizeidokumenten über G7-Sicherheit in Elmau

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
Bayern

G7-Demo in München: Deutlich weniger Teilnehmer als erwartet

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren

War diese Zwietracht eine Einladung Putins, unser inneres Gleichgewicht weiter zu erschüttern? Im internationalen Rahmen jedenfalls bildet sein Überfall auf die demokratische Ukraine eine deutliche Parallele zu den in unserer Mitte wachsenden Gefahren. Wie schwer sie uns belasten können, haben wir vermutlich noch nicht begriffen. Doch immerhin hat sich über die meisten Parteien hinweg die Einsicht gebildet, dass der Angriff auf einen demokratischen Staat gleichzeitig unsere gesamte auf Freiheit und Frieden ausgerichtete Staatsform verletzt. Einschließlich der Menschenwürde. Es reicht nicht, Friedensstörer als Feinde an den Pranger zu stellen und die Angegriffenen mit Waffen und Embargos zu unterstützen. Die demokratischen Staaten und ihre Bürger müssen gleichzeitig eine Gegenkultur energischer Solidarität und bewusster Friedfertigkeit aufbauen. Aus ihrem eigenen Wollen und mit ihrer gesamten inneren Kraft heraus.

Helmut Mehrer, Brühl

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1