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Putin könnte sich irren

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1945 bis 2022, ein Dreivierteljahrhundert Frieden ist Europa geschenkt worden. Nach Hitlers verbrecherischem und mörderischem Krieg. Wie konnte das gelingen? Möglicherweise blieben wir durch einen anderen Krieg, den „Kalten“, geschützt. Mehr als die Hälfte dieser Zeit lebten wir in einem echten „Patt“. Unseren „Spielern“, also der USA und der UdSSR, war klar, dass schon eine winzige Bewegung das Gleichgewicht zerstören und zu einer Katastrophe führen könnte.

Also beobachteten sie sich angespannt, achteten darauf, den Überblick nicht zu verlieren und das Gleichgewicht zu erhalten. Sie hüteten sich vor dem Eindringen in die gegnerischen Einflussregionen, hielten ihre Konflikte niedrig und schonten auch die Würde des anderen. 1956 etwa wurden der Ungarn-Aufstand und der Suezkrieg beendet – ohne Gefahr für den Frieden.

Der Zusammenbruch des Ostblocks in den 1990ern verschob jedoch die Gewichte. Am Anfang zugunsten des Westens. Die sich aus Armut und Unfreiheit lösenden „Vasallen“ der UdSSR strebten nach Menschenrechten und einem Anschluss an die Demokratien. Sie beteiligten sich auch an deren Einsatz zur Rettung des Erdklimas und des Überlebens der Menschheit.

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Das sei eigentlich eine Aufgabe aller, dachten sie, doch der neuen Gefahr dürfe sich niemand entziehen. Und so begann 1992 mit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro eine lange Reihe fast jährlicher Klimakonferenzen, an deren Ende alle Anwesenden glaubten, einen großen Schritt zur Klimarettung gemacht zu haben.

In der Regel aber waren die Demokratien zu optimistisch. Denn immer wieder standen sie allein. Russland, Belarus und China – die Diktaturen – verhielten sich passiv und engagieren sich bis heute nicht ernsthaft.

Wie wichtig das Streben nach Frieden, Freiheit und den Schutz der Menschheit war, hat der in Deutschland aktive Geheimdienstoffizier Wladimir Putin ohne Frage auch begriffen. Er jedoch verfolgte völlig andere Ziele und fand Mitstreiter, die den Schutz des Lebens und der Umwelt als belanglos ansehen. Ihm ging es um jeden Preis darum, den Macht- und Bedeutungsverlust Russlands rückgängig zu machen. So spaltete er 2008 Georgien, unterstützte 2011 den syrischen Diktator Baschar Hafiz al-Assad beim Massenmord an seinem Volk, besetzte 2014 die Krim und überfiel am 24. Februar die Ukraine. Er spürte und vertraute darauf, dass die Staaten des Westens nicht wagen würden, sich ihm entgegenzustellen, ja noch nicht einmal die überfallene Ukraine mit „schweren“ Waffen zu unterstützen.

Könnte es sein, dass sich Putin getäuscht hat, dass er nicht mehr auf Sieg steht? Die europäischen Staaten haben sich enger zusammengeschlossen und die weltweite Bedeutung des ukrainischen Weizens erkannt. Ohne ihn würden Millionen Afrikaner verhungern. Die Pflicht, das Leben auf unserer Erde zu retten, scheint sie zu bewegen, die Risiken einer Waffenlieferung einzugehen.

Helmut Mehrer, Brühl

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