Realitätssinn am Ende

Lesedauer

Zum Fachkräftemangel in der Politik schreibt dieser Leser Folgendes:

Wir sollten uns als Deutsche daran gewöhnen, dass wir uns nicht mehr an den Besten messen können. Fachkräfte werden in der Wirtschaft gebraucht – leider nicht in der Politik. Unser Kanzler will die Führungsrolle in Europa nicht annehmen – wir „scholzen“ weiter. Die Zeitenwende ist bis jetzt nur angekündigt. Er versteckt sich hinter dem Argument des Alleingangs, liefert gerade so viel, dass wir im Kreise unserer Verbündeten nicht blamiert dastehen. Die deutsche Haltung im Ukraine-Krieg ist Unehrlichkeit.

Es ist dekadent, diesem Verbrechen Putins zuzuschauen und nicht mit allen Möglichkeiten entgegenzutreten. Der Vernichtungskrieg muss abgewehrt werden – die Ukraine braucht das Mögliche und Nötige für eine gute Verhandlungsposition. Komischerweise sind wir in der Klimafrage sehr wohl für Alleingänge (Atomausstieg!). Wir aktivieren lieber Kohlekraftwerke. Falls es kalt wird, fragen wir bei Frankreich und Polen nach Atomstrom.

Mehr zum Thema

Ukraine-Krieg

Scholz beugt sich dem internationalen Druck

Veröffentlicht
Von
Christian Kerl und Michael Backfisch
Mehr erfahren

Kommentar Nach dem Irrtum mit Lambrecht ist Kanzler Scholz in der Defensive

Veröffentlicht
Kommentar von
Michael Backfisch
Mehr erfahren
Krieg gegen die Ukraine

Kein «Tabu» mehr? Druck zur Kampfpanzer-Lieferung steigt

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren

Wenn das Ideal nicht mehr mit der Realität übereinstimmt, dann ist die Realität falsch – geht es noch skurriler? Ideologisches Hinterfragen ist ein Problem des Jahres 2022 – mehr Übertreibung geht nicht. Wir kümmern uns um moralische Geschichtsreinigung, Vergessenskultur und Neutralisierung der Sprache – dazu noch Wegwischen von Erinnerung. Aber negative Erinnerungen und Taten eines Volkes sind wichtig, um Wiederholung zu vermeiden.

Ideologie hilft nicht weiter, sie verblendet und bleibt ein Traum. Grundsätzliche Probleme werden nicht geklärt, sondern beschwiegen. Die „Letzte Generation“ missbraucht das Demonstrationsrecht – es gibt kein Recht auf Nötigung. Freiheit endet da, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt. Bisher war es jedenfalls so.

Wir können den Klimawandel allein nicht verhindern, aber wir müssen lernen damit zu leben. Vielleicht hilft ja die Cannabis-Freigabe. 2023 werden richtige Entscheidungen eingefordert, nicht nur Versprechungen und zögerliches Handeln. Der Kanzler ist nicht nur für sein Tun verantwortlich, sondern auch für sein Nichtstun.

Apropos Verteidigungsministerium: Die letzten drei Quotenfrauen sind blamabel gescheitert. Wann begreifen wir, dass hier Kompetenz statt Proporz ins Amt muss – sind Männer deswegen keine Option mehr? 100 Milliarden Euro zusätzlicher Wehretat müssen professionell zur Stärkung unserer Truppe eingesetzt werden. Für unsere Sicherheit und Verteidigung ist das bitter nötig.

Hier braucht es mindestens einen dreifachen „Wumms“.

Siegfried Braun, Speyer