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Korrektheit in der Sprache - Ein Plädoyer gegen die Umkrempelung von Begriffen und für wirkliches Handeln bei den wichtigen Themen dieser Zeit Schwarzfahren abschaffen – genug ist jetzt genug

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Mit Grausen vernehme ich, dass weltoffene Städte wie München und Berlin in Erwägung ziehen das Wort Schwarzfahren abzuschaffen. Obwohl der Begriff gar nicht rassistisch ist, möchte man sich vor Rassismus-Vorwürfen schützen.

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Der Begriff Schwarzfahren hat nichts mit der Farbe zu tun, sondern stammt aus dem Jiddischen und bedeutet im eigentlichen Sinne so viel wie „Armfahrer“ (siehe Wikipedia). Wie viel Blödsinn muss man noch verzapfen, um den Rechtsradikalen und den Unbelehrbaren die Herde in den Stall zu treiben? Ok, lassen wir das „Zigeunerschnitzel“ im Gefrierschrank. Statt „Negerküsse“ und „Mohrenköpfe“ verzehren wir künftig nur noch „Schaumküsse“.

Gestehen muss ich, dass mich das Theater um den Sarotti-Mohr im Mannheimer Capitol schon geärgert hat. Nicht nur europäische Seefahrernationen haben Teile von Afrika geplündert und mit jungen kräftigen Frauen und Männern Sklavenhandel betrieben. Dies lässt sich mit der Vermeidung der Wörter „Schwarze“ „Neger“ oder „Mohren“ nicht beheben und schon gar nicht wieder gutmachen.

Übrigens, der Sklavenhandel wurde erst durch den Wiener Kongress im Jahr 1815 verboten. Was haben die Ureinwohner davon, wenn man sie neuerdings indigene Völker nennt. Die Indianer – früher als Rothaut bezeichnet – hat man ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Ist der Begriff „Indianer“ eigentlich diskriminierend? Den „Führerschein“ in Fahrerlaubnis umzubenennen – ist das auch eine Überlegung wert? Wenn das Wort „Führer“, in welchem Zusammenhang auch immer – gestrichen oder ersetzt werden muss, wieso dürfen dann Leute wie Erdogan, Orban oder Putin ein Land führen? Ich glaube nicht, dass sie uns um Erlaubnis fragen werden.

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Regenwald-Vernichter Bolsonaro gibt die Schutzgebiete der Einheimischen zur Plünderung zugunsten der Bergbau-, Holz- und Agrarwirtschaft frei. Dass die Regenwaldabholzung eine Bedrohung für unser Klima ist, Artenvielfalt vernichtet wird, scheint den Profiteuren egal zu sein. Solche Menschen sollte man zu Aufräumarbeiten in die weltweiten Überschwemmungsgebiete oder zu Löscharbeiten nach Kalifornien verpflichten dürfen.

Ein Teil der in Afrika lebenden und hungernden Bevölkerung leidet unter der Korruption ihrer Machthaber, aber uns wird eine humane Sprache auferlegt. Nur bei der Verteilung der Weltwirtschaftshilfen haben wir kein Mitspracherecht. Die Taliban oder sonstige irregeleiteten Religionsführer lassen Frauen vergewaltigen, ganze Schulklassen entführen oder sonstige Abscheulichkeiten begehen. Wir Europäer streiten noch immer um die Verteilung der Flüchtlinge.

Noch schlimmer, wir lassen uns ständig erpressen, neuerdings sogar von Alexander Lukaschenko, dem Präsidenten von Belarus. Die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich immer weiter, jeder Zwanzigste lebt dauerhaft unter der Armutsgrenze. Politische Machthaber werden immer dreister und scheuen sich nicht einmal an Corona-Schutzartikel zu verdienen. Nicht integrierte Clans beherrschen Teile unserer Städte und plündern rigoros unser Sozialsystem. Wir, der sogenannte kleine Mann, wird als naiver und dummer Mensch abgestempelt.

Nun noch ein kleines Farbspiel: Es gab Zeiten, da wurden Parteien und Politiker noch nach Farben eingeteilt. Ein „Schwarzer“ war ein CDU- oder CSUler, der sich um christlich-soziale Belange kümmerte. Die „Roten“ waren SPDler, in Verbindung mit den Gewerkschaften traten sie für die Rechte der Werktätigen ein, kämpften für Tarifverträge, Arbeitszeiten und Urlaubsanspruch. Es gab auch noch die „gelbe“ FDP – sehr lobenswert aktiv für die Selbstständigen und den Mittelstand, bis sie zum Chamäleon wurden, um mitregieren zu dürfen.

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Dann kamen die Grünen. Mir gefielen am besten deren Parteitage. Es wurde gestritten und gestrickt. Schlimm wurde es nur, wenn Eine oder Einer eine Masche fallen ließ und der Pullunder nicht rechtzeitig fertig wurde. Heute stricken sich so manche „Grünen Politiker*innen“ Löcher in ihr Profil. Auf farblose und humorlose Parteien möchte ich nicht eingehen. Man sieht: Mit Farben kann man viel machen, aber ist das zielführend?

Ich bekenne, mein Schreibstil ist nicht ganz korrekt, vieles ist aus einer gewissen Hilflosigkeit, ja Wut geschrieben. Manchmal möchte ich schon aus der Haut fahren, aber das kann ich mir nicht leisten. Mir passt nämlich keine andere. Aber wie eingangs erwähnt: Genug ist genug.

Ich möchte nicht warten müssen, bis wir den Schwarzwald umbenennen in ein „dunkles zusammenhängendes Waldgebiet im Süden von Baden-Württemberg“. Oder: Muss ich beim Einkauf meiner geliebten Schwarzwurzeln einen anderen Begriff verwenden?

Servus, bleibt gesund.

Ludwig Wocheslander, Brühl

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