Pflegeheim - Wenn eine Hundertjährige nur im Foyer statt im Zimmer besucht werden darf / Ist das wirklich gerechtfertigt? Sei gut, Mensch – das heißt Caritas

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Meine Mutter lebt seit Anfang 2013 in der Anlage „Schönauer Straße“ und wird dort von den Pflegekräften bestens betreut. Mit Corona sind wir ja nun alle strengeren Maßnahmen unterworfen.

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Auch Mutti wurde einem ersten Test unterzogen, der unklar ausfiel. Daraufhin wurde ein zweiter und dritter Test vom Gesundheitsamt durchgeführt. Beide negativ. Allerdings wurde von der Caritas ein vierter Test angesetzt, den ich als Betreuerin untersagte, bei zwei negativen Tests! Diese Entscheidung traf ich nach diversen Telefonaten mit dem Gesundheitsamt, das sich sehr wunderte, dass man noch einen vierten Test seitens Caritas verlangte. Die Telefonnummer des Gesundheitsamtes musste ich mir allerdings selbst besorgen, nachdem mir diese seitens der Leiterin des Hauses mit dem Hinweis: „Ich bin doch nicht ihr Handlanger“ verweigert wurde.

Bei einem Besuch meiner Mutter in ihrem Zimmer fiel folgendes vor: Wir saßen am Tisch, als eine Schwester das Zimmer betrat und feststellte, dass ich meine Maske abgelegt hatte. Sie wies mich darauf hin, dass die Maske dauerhaft im Zimmer getragen werden müsse. Ich kam der Aufforderung im Beisein der Schwester sofort nach, obwohl ich durch Herzprobleme enorme Atemprobleme habe. Daraufhin wurde von dieser Schwester die Leiterin verständigt, die mir Hausverbot erteilte und mich zum Abbruch des Besuches veranlasste. Tage später erhielt ich dies noch schriftlich mit dem Hinweis, dass man mir weitere Besuche ermögliche, allerdings nur in der Cafeteria. Dies ist auch heute noch Stand der Dinge – seit mehr als zwei Monaten. Ich besuche also meine Mutti im offenen Foyer des Hauses. Sie sitzt im Rollstuhl, friert dort, obwohl sie ein T-Shirt, einen Pullover, eine warme Weste und eine dicke Strickjacke trägt, über den Beinen eine Wolldecke.

In diesem Bereich gehen ständig die Türen auf und zu. Meine Mutter fragt mich: „Was hast du denn verbrochen, dass wir hier sitzen müssen?“ Sie wurde vergangenen Juli 100 Jahre alt (siehe Artikel in der Schwetzinger Zeitung) und versteht die Welt nicht mehr. Dies dauert jetzt seit Mitte November an.

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Vor zwei Wochen fragte ich bei der Dame nach, ob man die Situation nicht ändern könne. Gegenfrage war, ob ich meine Einstellung geändert hätte. Ich sagte, wir tragen doch beide Masken. Das könne man ein anderes Mal bereden. Wann denn, frage ich mich? Ich hoffe doch sehr, dass meine Mutti nicht an Grippe statt an Corona erkrankt!

Ich habe am 10. Januar die erforderlichen Unterlagen und den Impfpass zur Impfung, die am 13. Januar stattfinden sollte, abgegeben. Bei meiner Rückfrage am 11. Januar wurde mir mitgeteilt, dass meine Mutter ja zweimal positiv getestet sei (laut Caritas) und deshalb keine Impfung stattfinden könne.

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Bei meiner nochmaligen Rückfrage beim Gesundheitsamt wurde mir der zweimalige negative Test bestätigt. Die Impfung fand dann am 13. Januar auch bei meiner Mutter statt, obwohl die Caritas dies nicht veranlasst hat, sondern ich.

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Im Übrigen habe ich selbst jetzt den fünften Corona-Test negativ hinter mich gebracht. Allerdings wurde die Bestätigung des Arztes bisher noch nicht einmal abgefragt. Wofür habe ich also die teuren Tests machen müssen? Also ich bin ja aus dem Kindergartenerziehungsalter mit meinen 77 Jahren heraus. Ich hoffe sehr, dass meine Mutter weiter gut betreut bleibt! Vielleicht darf ich ja bald meine Mutter wieder in ihrem warmen Zimmer besuchen?

Sei gut, Mensch – Caritas

Edeltraud Pfaff, Schwetzingen