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Hockenheimring - Ein offener Brief an Oberbürgermeister Marcus Zeitler und die Fraktionen im Gemeinderat / Stressfaktor Lärm „Sie bewegen sich auf sehr dünnem Eis“

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Die Resonanz auf meinen letzten Leserbrief in der Schwetzinger Zeitung hat mich selbst überrascht. Mich haben Anrufe und E-Mails erreicht, die mir in Bezug auf die Lärmentwicklung des Hockenheimrings ausschließlich zustimmten.

Diese Zustimmung kam in erster Linie von gebürtigen Hockenheimern. Interessanterweise fand eine Studie der Universität Mainz zu genau diesem Thema statt. Lärm ist nicht gleich Lärm. Selbst wenn keine Spitzenwerte erreicht werden, kann Lärm zur Qual werden. Es gibt Unterschiede darin, ob es sich um gleichbleibende Geräusche, auf- und abschwellende Töne, Brummen, Summen oder Dröhnen handelt. Im Falle des Motodroms kommen mehrere negative Faktoren zum Tragen. Im Gegensatz zur Autobahn, deren Geräuschkulisse schon grenzwertig ist, produziert der Ring durch die Motor- und Reifengeräusche einen wesentlich höheren Stresspegel bei der Bevölkerung.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass ich nicht gegen den Ring und auch nicht gegen normale Veranstaltungen bin. In früheren Jahren jedoch gab es unter der Woche oder am Wochenende auch ruhige Zeiten, welche die Möglichkeit zur Entspannung boten.

„Zu viel Schall – in Stärke und Dauer – kann nachhaltige gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Schäden hervorrufen. Schall wirkt auf den gesamten Organismus, indem er körperliche Stressreaktionen auslöst. Dies kann schon bei niedrigeren, nicht gehörschädigenden Schallpegeln geschehen, zum Beispiel bei Verkehrslärm.“ Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern vom Bundesumweltamt.

Ich zitiere weiter: „Lärm ist ein Stressfaktor. Er aktiviert das autonome Nervensystem und das hormonelle System. Als Folge kommt es zu Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone aus, die ihrerseits in Stoffwechselvorgänge des Körpers eingreifen. Die Kreislauf- und Stoffwechselregulierung wird weitgehend unbewusst über das autonome Nervensystem vermittelt. Die autonomen Reaktionen treten deshalb auch im Schlaf und bei Personen auf, die meinen, sich an Lärm gewöhnt zu haben.“

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass es mir fern liegt, Personen persönlich anzugreifen. Es geht nur um die Sache und um mein gutes Recht, mich zu wehren. Im Gegensatz zu früheren Umfragen stellt sich auch nicht die Frage, ob man für oder gegen das Motodrom ist, sondern ob die Privatfahrten eingeschränkt werden müssen, um der Bevölkerung wieder eine angemessene Lebensqualität zu bieten.

An dieser Stelle wäre zu erwähnen dass sie nicht von Institutionen, sondern von Bürgern in ihr Amt als Oberbürgermeister gewählt worden sind. Es ist ihre Pflicht, diese Bürger zu schützen. Monetäre Gründe sind in diesem Fall nachrangig, wenn es um den Gesundheitsschutz geht. Es wäre also angeraten, Gespräche zu führen und diese auch zu kommunizieren. Im Übrigen sind Bürger nicht wehrlos. Es gibt das Bürgerbegehren und den Bürgerentscheid.

Nach der neuen Fassung aus dem Jahr 2015 haben es Einwohner leichter als bisher, eine Stadt in ihren Entscheidungen zu beeinflussen. Der Bürgerentscheid ersetzt sogar einen Ratsbeschluss. Muss wirklich so viel Porzellan zerschlagen werden, dass es dazu kommen muss? Man sollte einfach noch einmal gründlich über den Sachverhalt nachdenken und die richtigen Entscheidungen treffen. Es sei auch noch gesagt, dass ein Lärmgutachten, das lediglich die Grenzwerte beurteilt, in diesem Fall nicht sachdienlich ist.

Genauso wie eine 20 Jahre alte Betriebserlaubnis, die den heutigen Standards nicht mehr gerecht wird. Die Verantwortlichen sollten sich gut überlegen, welchen Weg sie gehen möchten. Gerichtsentscheide enden nicht immer so, wie es sich Verantwortliche wünschen. Sie bewegen sich auf sehr dünnem Eis – und Hunde, die bellen, beißen manchmal auch.

Hans Schimmel, Hockenheim

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