Immer gut informiert Statt zur Pandemie gibt’s jetzt eben Zahlen zum Krieg

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Zum Artikel „Übersicht deaktiviert“ vom 19. April wird uns geschrieben: Schock! Das kann die SZ uns Lesern und Leserinnen nicht antun! Seit mehr als zwei Jahren wurden wir doch täglich schon frühmorgens über die Sieben-Tage-Inzidenzen, die Fallzahlen, nicht nur in Schwetzingen, sondern in ganz Baden-Württemberg, in ganz Deutschland versorgt. Über Corona- und Todesfälle in den Kliniken, auf der ganzen Welt informiert. Und jetzt? Keine Zahlen mehr?

Man konnte sich monatelang jeden Tag schon beim Frühstück mit der Familie, mit den Kollegen, beim Einkaufen, beim Friseur (falls geöffnet) mit wildfremden Menschen, vor allem beim Arzt und so weiter ausführlich darüber unterhalten. Es gab wahre Koryphäen mit akribischem Zahlengedächtnis, wir hatten über dieses Thema – egal wo- unendlichen Gesprächsstoff!

Und nun? Schockstarre! Aber! Neues Thema! Krieg in der Ukraine! Und wieder, so wie ich das oft erlebe, die gleichen Leute verblüffen uns nun mit anderen Zahlen! Sie wissen jeden Tag, wie viele Tote, Verletzte es wo und in welcher Stadt gibt.

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Von
mbu
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Wie viele und welche Art Waffen, aus welchem Land in die Ukraine geliefert werden! Sie wissen auch ganz genau, wie viele Menschen jeden Tag ihre Heimat und alles, was ihnen lieb und wert ist, mit wenigen Habseligkeiten verlassen. In fremde Länder flüchten, in eine ungewisse Zukunft – in ein Land, in dem sie noch nicht mal die Sprache verstehen, geschweige denn die Sprache sprechen.

Und was gar nicht geht, was wir doch schon 2015 hatten – wieder kommen Hunderttausende nach Deutschland! Diese gleichen Zahlenfreaks – die in Freiheit und Sicherheit leben können – wollen einfach nicht verstehen, dass Präsident Selenskyj für die Freiheit seines Volkes und seines Landes kämpfen muss! Dass er sein Land und seine Menschen verteidigen will! Dass er sein Land nicht kampflos diesem kleinen unscheinbaren, aber größenwahnsinnigen Machtmenschen ausliefern kann!

Und dass er Hilfe braucht!

Es ist gut, dass es viele, viele Menschen in allen möglichen Ländern gibt, die ihm helfen, so gut sie können. Warum sehen das manche nicht so? Es ist aus meiner Sicht einfach unerträglich!

Viele Jahre oder Jahrzehnte habe ich immer mal wieder – hauptsächlich bezüglich Ungerechtigkeiten, egal welcher Art – an die Schwetzinger Zeitung geschrieben. Mein Brief im Januar 2020, in welchem es um eine besonders große Ungerechtigkeit ging, sollte ja eigentlich mein Letzter sein. Nun konnte ich aber nicht anders – und habe nochmals geschrieben.

Gisela Wörn, Schwetzingen