Strompreis ist völlig daneben

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Über die hohen Energiepreise schreiben uns diese Leser:

Den Stromkunden stehen die Haare zu Berge. Der Strompreis ist völlig daneben. Schuld ist die Preisermittlung nach dem sogenannten Merit-Order-System, bei dem die aufwendigste Stromerzeugung den Preis bestimmt. Und das ist aktuell die Gasstromproduktion. Mit dem Argument, man könne das nicht ändern, werden Stromkunden abgezockt und an der Nase herumgeführt.

Die Regierung kann das ändern und muss es ändern. In den Vergleichsportalen werden Verträge angeboten mit 70 Cent Arbeitspreis. Das ist ein Unding. Der korrekte Preis liegt unserer Meinung nach bei 36 Cent pro Kilowattstunde. Hierzu die Fakten: 45 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland erfolgt durch Erneuerbare Energien – Sonne, Wind und Wasser und kosten nichts, führen also nicht zu einer Erhöhung des Stromdurchschnittspreises der letzten drei Jahre von 30 Cent pro Kilowattstunde. Die Stromerzeugung mittels Braun- und Steinkohlekraftwerke liegt bei 35 Prozent. Die Steinkohle kostet zirka 60 Euro pro Tonne, die Braunkohle 10 Euro pro Tonne, die Preise sind stabil, bei Kohlekraft ist keine Preiserhöhung gerechtfertigt.

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dpa
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Der Atomstrom macht 10 Prozent aus, das ist die Cashcow der Stromerzeugung, alle Kraftwerke sind abgeschrieben, Rückstellungen für Abriss und Endlagerung sind gebildet, hier darf es keine Preiserhöhungen geben. Zusammen sind das 90 Prozent Stromerzeugung in Deutschland ohne Preiserhöhungseffekte. Bleiben 10 Prozent Erzeugung durch Gaskraftwerke. Der Gaspreis hat sich verdreifacht, das bedeutet auf den gesamten durchschnittlichen Arbeitspreis von bisher 30 Cent pro Kilowattstunde, wirkt sich die Gasstromproduktion um 20 Prozent erhöhend aus. Das heißt, der aktuelle Arbeitspreis im Durchschnitt aller Kraftwerke darf 36 Cent pro Kilowattstunde ausmachen und nicht mehr.

Da braucht die Regierung keinen großartigen Sozialausgleich vornehmen, keine weiteren Klimmzüge veranstalten, man muss nur den politischen Willen haben, den Strompreis für alle Privatkunden mit 36 Cent pro Kilowattstunde festzulegen. Offensichtlich sind es aber die Kapitaleigner der Energieversorgungsunternehmen, die gerne den „Übergewinn“ einheimsen möchten, die Differenz zwischen 70 Cent und 36 Cent, ein milliardenschwerer Gewinn, der durch nichts gerechtfertigt ist. Die Regierung spricht von Zufallsgewinnen abschöpfen, von Strompreisbremse und von Strompreisdeckel.

Für Stromkunden und Stromlieferanten, die Verträge abschließen müssen, ist es wichtig, schnellstmöglich Klarheit zu haben, was das Parlament gesetzlich festlegt. Wir hoffen, dass es eine einfache unbürokratische Regelung wird, die jeder versteht und ein Strompreis fixiert wird, der von allen als realistisch empfunden wird.

Werner und Ingrid Jäkel,

Schwetzingen