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Der 8. Mai - Endlich ein Zeichen fürs Erinnern setzen und nicht nur schöne Reden halten Tag der Befreiung muss ein Gedenktag werden

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Er ist wieder allgegenwärtig und präsent. Der Neo-Nationalismus in all seinen hässlichen Formen. Wieder einmal sehnen sich die Ewiggestrigen und rechtspopulistischen und radikalen „Parteien“ unter dem Deckmantel der Demokratie eine Regierungsform zurück, die damals Deutschland nicht nur Unheil und Verderben gebracht hat, sondern auch schätzungsweise über 65 Millionen Menschen das Leben kostete.

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Umso wichtiger ist es, dass sich die unabhängigen, freien Medien ihrer journalistischen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind – beziehungsweise bleiben – und über wichtige politische Ereignisse berichten sowie erinnern. Vielen Dank daher der Schwetzinger Zeitung, die in ihrer Ausgabe am 8. Mai ausführlich über Sophie Scholl, die junge Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus erinnert hat.

An eine junge Frau, die wie keine andere für Widerstand, grenzenlosen Mut und unerschütterliche Moral stand und bis heute steht. Dies musste sie in der Nazidiktatur mit ihrem Leben bezahlen. Aber reicht „nur“ reine Berichterstattungen aus? Mitnichten.

Gerne werden solche Anlässe von unseren politischen Entscheidungsträgern, sei es vom Bundespräsidenten, der Kanzlerin oder demokratischen Parteien (außer der AfD), benutzt, um auf unsere geschichtliche Verantwortung und die aktuellen faschistischen Tendenzen und Gefahren hinzuweisen. Mittlerweile verkommen diese „Sonntagsreden“ zum „Blabla-Gerede“ und werden zum Teil gar nicht mehr wahrgenommen. Das oft und immer wieder zitierte „nie wieder“ mutiert zu einer Floskel. Die noch so ernst gemeinten mahnenden Worte verpuffen so schnell, wie sie gesprochen wurden. Kein Wort oder klare Aussage darüber, dass einer der bedeutendsten Tage der deutschen Geschichte, der 8. Mai, der Tag der Kapitulation und somit der Befreiung vom Nationalsozialismus unbedingt zum Feiertag gemacht werden muss.

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Haben wir wirklich nichts aus unserer Geschichte gelernt? Sind wir wirklich schon so apathisch, satt, träge und pudergezuckert, dass wir nicht mehr wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Ist es uns egal, dass Menschen in unserem Land wegen ihrer Hautfarbe, Religion, ihres Herkommens oder Andersdenkens brutal verfolgt, misshandelt oder getötet werden? Was ist aus dem humanen, werteorientierten Land der Denker und Dichter geworden? Wir dürfen es nicht zulassen, dass eines Tages wieder Bücher verbrannt werden und unser freier Geist einer wahnsinnigen und menschenverachtenden Ideologie zum Opfer fällt.

Daher ist es allzu logisch, einen Feier- und Gedenktag gegen das Vergessen brutaler Tyrannei, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozides einzurichten: den 8. Mai (1945). An diesem Tag endete durch die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht eines der abscheulichsten, schrecklichsten und dunkelsten Kapitel unserer Geschichte, der Zweite Weltkrieg.

Bereits im letzten Jahr forderte eine der letzten Holocaust-Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz, die damals 95-jährige Esther Bejarano, den Bundestag in einer Petition auf, den 8. Mai zum bundesweiten Feiertag zu machen.

Leider vergebens. Gemessen an den vielen kirchlichen Feiertagen erscheint es absurd, widersinnig und wie blanker Hohn, dass die Politik nicht einmal in der Lage ist, einen so wichtigen Feier- und Gedenktag einzurichten.

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Was muss denn noch alles passieren, damit die Politik endlich aufwacht, sich ihrer Verantwortung bewusst wird, sich ihr stellt und statt nur zu reden, endlich auch handelt? Wer hindert sie daran in dieser Frage aktiv tätig zu werden? Sind es wieder einmal die wirtschaftlichen Interessen, die vor Menschenrechten stehen? Würde so ein Feiertag unsere Wirtschaft in den schon so oft von ihr zitierten Ruin treiben?

Eines sollten sich Politik und Wirtschaft bewusst machen. Wer die Vergangenheit vergisst oder verschweigt, der verspielt und gefährdet seine und unser aller Zukunft. Er lässt die verfolgten, gequälten und ermordeten Opfer und die gefallenen Soldaten alleine zurück. Verschafft ihnen kein Gehör beziehungsweise keine Stimme. Es reicht eben nicht aus, nur zu erinnern, sondern es muss gehandelt werden.

Schärfen wir daher unser Bewusstsein gegen Unrecht und Fanatismus. Unterstützen wir mit aller Kraft Esther Bejaranos Kampf für einen solchen bundesweiten Feiertag. Das sind wir ihr, allen Widerstandskämpfern und den Millionen Menschen, die in den Vernichtungslagern und im Krieg auf unglaublich grausame Weise ums Leben kamen, aber auch uns selbst schuldig.

Wie heißt es doch trefflich in einem Songtext der italienischen Sängerin Milva: „Wir müssen wach sein, fallen uns auch die Augen zu!“

Thomas Proft, Schwetzingen

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