Energieversorgung - Die Sorgen der Menschen werden nicht ernst genommen / Gerade wird wieder über Schäden an Häusern gestritten Tiefengeothermie – erneuerbar?

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Zum Artikel „Kein Ruckeln, kein Wackeln“ vom 15. Februar wird uns geschrieben: In einem Interview stellte der Chef des Umweltbundesamtes Dirk Messner – von den Fragenden als „oberster staatlicher Umweltschützer“ bezeichnet – zum Abschluss unmissverständlich fest, dass „die fossile Energie das Erdsystem ruiniert“. Nach allen Erfahrungen der letzten 15 Jahre hier am Oberrhein muss festgehalten werden, dass dies auch für die Tiefen-geothermie (TGT) ohne Abstriche gilt. Wer anderes behauptet, ist schlecht informiert oder unredlich. All die Einzelfälle mit gravierenden, zum Teil verheerenden Auswirkungen auf die dicht bewohnte Oberfläche brauchen hier dem aufmerksamen Leser nicht noch einmal wiederholt zu werden.

Sollte Dr. Andre Baumann dies alles nicht mitbekommen haben? Dass er sich im oben genannten Artikel ausschließlich auf das staatlich geförderte Versuchskraftwerk in Bruchsal, ausgerechnet auf die kleinste und unwirtschaftlichste Anlage, bezieht, um das Gegenteil zu beweisen, ist absolut nicht überzeugend; denn diese Anlage wäre nun am wenigsten geeignet, einen nennenswerten Beitrag zur Wärmeversorgung zu leisten – wie teuer auch immer.

Was bringt ausgerechnet einen Grünen – beziehungsweise die Grünen – dazu, diese für die Umwelt ruinöse Technik in einem Atemzug zu nennen mit den erneuerbaren Wind und Sonne? Sie ist nicht erneuerbar, denn das Wärmereservoir erkaltet sehr schnell. Wenn ein geschlossener Kreislauf hergestellt werden sollte (was gar nicht zutrifft, weil man sonst das erkaltete Wasser, das man gerade nach unten gepresst hat, wieder nach oben saugt), wie uns Baumann aus Sicherheitsgründen (Grundwassergefährdung!) zur Beruhigung weismachen will, dann hat man erst recht keinen Wärmegewinn, den man ja sucht und braucht.

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TGT ist auch nicht umweltfreundlich, wie die bisherigen Erfahrungen lehren, denn sie ist bestens geeignet, im dicht besiedelten Raum „das Erdsystem zu ruinieren“ (Messner). Wenn sie, wie Baumann meint, sicher gefahren werden sollte, wird sie völlig unwirtschaftlich und kann zu einer preiswerten Energieversorgung null Komma wenig beitragen, das haben Präzedenzfälle gezeigt. TGT ist schließlich nicht einmal grundlastfähig, wie immer wieder behauptet wird, ganz einfach wegen häufiger, längerer Einschränkungen und Stilllegungen zur Wartung und wegen häufiger Pannen im Betrieb.

Schadensversicherung: In der Ortenau wird gerade vorgeführt – nach den Häuserschäden durch das Kraftwerk in Vendenheim (FR) – wie die gepriesene „Beweislastumkehr“ funktioniert, wenn man als Geschädigter gegenüber erfolgsgierigen Konzernen Ansprüche erhebt.

Andre Baumann unterschlägt, dass es hier am Oberrhein inzwischen – angehängt an die Wärmegewinnung – fast mehr um die Lithiumgewinnung geht, wozu ebenfalls wahnwitzige Vorstellungen, was die Mengen und die Wirtschaftlichkeit angeht, entwickelt werden!

Und noch ein letztes: Dr. Baumann ist Staatssekretär im Umweltministerium des Landes – sollte man von staatlichen Stellen nicht in allererster Linie Sicherheit für Bürger und Land erwarten dürfen?

Tiefengeothermie im Oberrheingraben ist tückisch und gefahrvoll! Nein, Schönfärberei hilft hier bestimmt nicht weiter, Dr. Baumann! Auch der BUND Heidelberg (Dr. Amany von Oehsen) und Redakteur Martin Geiger vom MM hängen solchen Träumereien nach (siehe SZ-Ausgabe vom 16. Februar)! Und: Staatssekretär Dr. Baumann bietet online Infos an zu Terminen und Themen, die die MVV als Betriebsreklame auch anbietet – ist das Zufall? Prof. Dr. Antonius Sommer, Brühl

Wie wichtig der Klimaschutz ist

Die Befürworter der Tiefengeothermie, zu denen auch Dr. Andre Baumann gehört, sehen in dieser Technik einen klimaschonenden, versorgungssicheren und bezahlbaren Beitrag zur zukünftigen Strom- und Wärmeversorgung. In der Mittelbadischen Presse vom 26. Januar fand ich einen Bericht zum Jahresgespräch des Regierungspräsidiums Freiburg.

In diesem Artikel steht unter anderem folgende Aussage von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer: „Am besten sei dabei, funktionierende Tiefengeothermie-Projekte in den Vordergrund zu stellen, etwa das in Graben-Neudorf nördlich von Karlsruhe oder das im schweizerischen Riehen bei Basel, das ,wunderbar’ laufe.“

Die Deutsche Erdwärme GmbH hat in Graben-Neudorf mit Probebohrungen begonnen. Kann man da schon von einem funktionierenden Werk reden? Die Regierungspräsidentin nennt also außer Riehen kein funktionierendes Werk im Oberrheingraben. Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg sieht die Lithiumsuche noch nicht so optimistisch wie zum Beispiel Vulcan Energy Resources. Dem Landesamt und der Umweltministerin von Baden-Württemberg geht es um klimaschonende Energiegewinnung und auch um einen Beitrag zur Rohstoffsicherung. Vulcan Energy Resources geht es primär um die zu erwartenden großen Gewinne.

Damit komme ich zu einem für uns Bürger sehr, sehr wichtigen Thema, zur Schadenshaftung. Es kann und darf nicht sein, dass die Betreiberfirmen, unterstützt durch Subventionen Gewinne erzielen und damit Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten können. Wir Bürger zahlen dies über sehr hohe Energiepreise und haften auch noch mit unserem Eigentum.

Für Schäden, die eindeutig auf ein Tiefengeothermie-Projekt zurückzuführen sind (Vendenheim) muss der Betreiber der Anlage mit dem Neuwert haften.

Ich schließe meinen Brief mit einem Zitat der Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (Quelle Interview vom 13. November 2021): „Wenn eine Gemeinde sagt, dass die Grundstücke selbst für die Aufsuchung nicht zur Verfügung gestellt werden, dann war‘s das erstmal und dann haben wir das gar nicht zu bewerten.“

Das wäre gelebte Demokratie.

Roland Rück, Offenburg

Besser mit den Bürgern reden

Zum Artikel „Kein Ruckeln, kein Wackeln“ und „Sprechstunde mit Andreas Sturm“ wird uns geschrieben: Bei der Lektüre der Schwetzinger Zeitung fielen mir auf Seite 12 die oben genannten beiden Artikel auf. Ein riesengroßer Bericht über den grünen Landtagsabgeordneten Baumann und eine kleine Ankündigung einer Bürgersprechstunde des CDU-Landtagsabgeordneten Sturm.

Der eine belehrt mit Blick auf die Geothermie die Bürger, die gegen diese sind, und beschimpft das diesbezügliche bürgerschaftliche Engagement, der andere lädt die Bürger zum Gespräch ein. Auf diesen Dialog kann Dr. Andre Baumann aber offenbar verzichten. Er weiß bezüglich Geothermie wohl alles.

Und wenn er sich irren sollte: Macht nichts, zumindest für ihn nichts, er wohnt ja nicht in Brühl!

Sascha Georgi, Schwetzingen