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Corona-Maßnahmen - Nur länderübergreifend einheitliche und gut verständliche Regelungen sorgen auch für Akzeptanz Über den Sinn von Verordnungen

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Seit nunmehr fast zwei Jahren hat uns die Corona-Pandemie fest im Griff und bestimmt weitestgehend die Abläufe unseres Alltags, wobei sich die Verhaltensweisen immer wieder neuen Maßgaben und Verordnungen anpassen müssen. Was zu Anfang noch als selbstverständlich und situationsbedingt für unbedingt notwendig erachtet und ohne großes Murren akzeptiert wurde, ist mittlerweile einer kritischen Betrachtung gewichen.

Man wurde mit Zahlenkonstellationen geradezu überschüttet und immer neue unverständliche Wortschöpfungen (zum Beispiel Verweilverbotszone) zum Thema Corona machten die Runde. Allein das Verständnis für konkrete Sachverhalte und Einschränkungen und deren logische Nachvollziehbarkeit blieben auf der Strecke.

Es macht daher schon nachdenkenswert, wenn inzwischen nicht einmal mehr der Bundesgesundheitsminister den Zahlen des RKI vertraut. In zahllosen Konferenzen wurde zwar immer wieder ein einheitliches Vorgehen beschlossen, doch bei der Umsetzung hielten sich die Protagonisten leider nicht an ihre Beschlüsse. Alle Verantwortlichen haben immer nur die eigene Befindlichkeit über eine grenzüberschreitende einheitliche Regelung gestellt und permanent das eigene Vorgehen schöngeredet.

Offensichtlich waren persönliche Erfolge und das Punkten im Wahlkampf wichtiger als eine gemeinsame, sinnvolle und letztendlich zielführende Strategie zur Pandemie-Bekämpfung. Durch fragwürdige Maßnahmen und intransparentes Management hat es die alte Regierung nicht geschafft, die Impfbereitschaft der Bürger in den zwingend notwendigen Bereich zu führen. Es war schon zynisch, als Vertreter der alten Regierung, der gerade gewählten neuen Regierung, Versagen bei den getroffenen Maßnahmen vorwarfen – zu einem Zeitpunkt, als diese noch nicht einmal im Amt war.

Speziell die Vertreter der Vorzeigeregion Bayern lobten immer wieder sich selbst, das beste Krisenmanagement zu praktizieren. Wie abgehoben und realitätsfremd ist das denn, man könnte es auch schlicht als Selbstüberschätzung oder gar arrogante Hybris bezeichnen! Auch in Bayern sollte man zur Kenntnis nehmen, wenn die Inzidenzen exorbitant hoch sind, eine schlechte Impfquote vorliegt, die Krankenhauskapazitäten fehlen und Patienten zur dringend notwendigen Behandlung mit Bundeswehrmaschinen in andere Bundesländer ausgeflogen werden müssen, dann kann dort nicht alles gut gemanagt gewesen sein. Den Entscheidungsträgern würde bei dieser Sachlage mehr Realitätsnähe und Bescheidenheit gut zu Gesicht stehen.

Man sollte ja aus Fehlern lernen, doch auch die neuesten Verordnungen beim Umgang mit den Corona-Folgevarianten lassen mich ratlos zurück. Wie viel „G“ dürfen, können, sollen oder müssen es denn bei der praktischen Umsetzung eigentlich sein: 1G, 2G, 2Gplus, 3G oder was auch immer wie viel „G“?

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung zeigt die wirren Auswüchse bei der Umsetzung der Corona-Maßnahmen. Ein Besuch auf dem Heidelberger Schloss – kurz vor Weihnachten – wurde mir verwehrt, weil ich nur den gelben Impfpass vorlegen konnte, mit der barschen Reaktion des Einlasspersonals, mein Impfpass sei ungültig, denn er könnte ja gefälscht sein!

Für mich ist das blindes Herumeiern im Konjunktiv. Das heißt, dann im Klartext, dass ich als unbescholtener Bürger erst einmal unter Generalverdacht gestellt werde, potenzieller Impfpassfälscher zu sein, obwohl meine Impfnachweise, bestätigt durch die Einträge des medizinischen Fachpersonals, definitiv vollständig und korrekt waren.

Mir wurde nahegelegt, einen digitalen Impfnachweis vorzulegen – nur dieser sei gültig. Auf meinen Hinweis, dass schließlich auch ein digitaler Impfnachweis gefälscht sein könnte, bekam ich keine Antwort mehr – das Gespräch war beendet. Wo schützt mich in dieser Situation der Rechtsstaat und welche obskuren Mechanismen greifen hier eigentlich? Und, wie kann es denn sein, dass in unserem Land plötzlich digitale Nachweise eingefordert werden, obwohl die notwendige Infrastruktur dafür überhaupt nicht flächendeckend zur Verfügung steht – im digitalen Entwicklungsland Deutschland?

Man fragt sich in diesem Zusammenhang schon, wie die Jobbeschreibung der Digitalbeauftragten der Bundesregierung (Dorothee Bär, CSU) aussah. Vertrauen schafft das alles nicht, denn Verordnungen und Maßnahmen machen nur Sinn, wenn sie verstanden werden und gleichermaßen länderübergreifend Anwendung finden, Föderalismus hin oder her. Der Wirrwarr um die fast täglich sich ändernden Verlautbarungen und Bestimmungen erzeugt inzwischen nur noch Unverständnis, Chaos und Ratlosigkeit.

Um die Frage nach den „Gs“ noch einmal aufzugreifen, so hat sich doch etwas getan, immerhin. Im Corona-Krisenstab gibt es mittlerweile 2G, denn das Sagen hat dort jetzt ein Zwei-Sterne-General. Für meinen derzeitigen Status kann ich sagen, dass ich mich mittlerweile im 4G-Modus befinde: geimpft, geboostert, genervt, gefrustet. Gerhard Kiermeier, Hockenheim

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