Gesellschaft - Menschheit ist große Familie – in ständiger Gefahr! Um Vertrauen aufzubauen, muss sie Gegenwelt schaffen

Lesedauer: 

Wir Deutsche leben in zwei Welten: Vor fast einem Jahrhundert hat sich eine Mehrheit betrüblicher Weise mit dem Sehnen nach ethnischer Einheit, familiärer Volksgemeinschaft, nach Heimat und Scholle verführen lassen. Am Ende war sie verantwortlich für den grausamen Tod von 60 Millionen Menschen. Die Täter, Hitlers Handlanger, leben nun nicht mehr. Doch das Wolkenkuckucksheim einer heilen Vorzeit, der Geborgenheit im warmen Schoß einer homogenen Rasse stachelt ständig neue Träumer an. Sie leugnen Corona und die Erderwärmung, lehnen die Hilfe der Industriestaaten für arme Völker ab und weisen Flüchtlinge ab.

AdUnit urban-intext1

Bedauerlicherweise begnügen sie sich nicht mit Worten, Gefühlen, Selbstradikalisierung und Internetpostings. Die Unruhen in Chemnitz, der Angriff auf den Bundestag, die Morde des NSU, aber auch in Hanau und Cottbus, zeigen die Gefahr, in der Deutschland lebt. Laut Innenministerium gibt es unter uns 24 000 Rechtsextreme, darunter 12 000 gewaltbereit. Sie stilisieren den gerade verurteilten Mörder Walter Lübckes, Stefan Ernst. So wie islamische Terroristen ihre Selbstmordattentäter mit Opfern der Christenverfolgungen gleichsetzen.

Das ist mehr als eine Verhöhnung! Wenn die Menschheit sich nicht davon löst und eine Gegenwelt des weltweiten Vertrauens schafft, wird sie nicht überleben. Aber wer soll damit beginnen? Und wie? In Frage kommen nur die Religionen. Für alle Gläubigen ist Gott der Schöpfer. Juden und Muslime sehen ihn als einen absoluten, die Menschen liebenden Lenker und Herrscher. Er stellt aber auch Ansprüche. In den Psalmen etwa, in denen Juden und Christen ihn verehren und um Schutz gegen Frevler, Schurken und Neider bitten. Muslime loben den Schöpfer in ihrem still gesprochenen 100-Namen-Gottes-Gebet und danken für sein Erbarmen.

Es bleiben die Christen. In der Beziehung zu Gott stehen sie auf der Schulter der Juden. Lesungen aus ihrer Bibel und Psalmen fehlen selten in ihren Gottesdiensten. Darüber hinaus aber verehren sie Jesus als ihren Herrn, als Sohn Gottes und als Weg zu ihm. Da er zugleich Mensch war, geboren von einer Frau, verehren sie auch Maria, seine Mutter. Mit dem Rosenkranz, der die Struktur der 100-Namen-Gottes weiterträgt, der still, aber auch in Gruppen gebetet wird. Es umfasst das irdische und jenseitige Leben Marias und Jesu: Empfängnis, Schwangerschaft, Weihe des Säuglings, Wiederfinden des Knaben. Danach Jesu Passion: Trauer, Geißelung, Verhöhnung, Kreuztragung und Kreuzigung. Am Ende die Verherrlichung: Auferstehung, Himmelfahrt, Aussendung der Jünger durch den Heiligen Geist, Mariä Aufnahme in den Himmel und Krönung.

AdUnit urban-intext2

Die Christen haben sich über die ganze Erde verbreitet. Jesus steht als Mittler zwischen Gott und seinen Geschöpfen. Und ihre Lehre enthält Elemente der jüdischen Religion und des Islams. Das sollte ihnen Mut und Kraft geben, mit den anderen Religionen zu beten, um eine Welt der Verantwortung, des Schutzes der Erde und des Friedens zu schaffen.

Helmut Mehrer, Brühl