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Grüner Wasserstoff - Ersetzung der Bezugseinheit Kubikmeter durch Kilogramm ist ein Etikettenschwindel Unentbehrlicher chemischer Rohstoff für große Synthesen

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Das derzeitige Schlagwort des Themenkreises Energiewende heißt „grüner Wasserstoff“. Er soll nicht nach der für industrielle Zwecke üblichen Weise aus klimaschädlichem Erdgas hergestellt werden, sondern aus Wasser mittels Elektrolyse auf der Basis von Windstrom.

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Bei den Infos fällt auf, dass mit einer H2-Eigenschaft Propaganda gemacht wird, die bisher gar nicht aufgefallen ist. Es heißt, H2 sei besonders energiereich, denn es habe „die größte massenbezogene Energiedichte“. In einem Kilogramm H2 seien 33 Kilowattstunden enthalten, im Erdgas dagegen nur 15 und im Benzin nur 12 Kilowattstunden.

Millionen von Bürgern ist die Bemessung und Berechnung ihres Erdgasverbrauchs pro Kubikmeter seit langem vertraut und viele kennen auch den schwankenden Energiegehalt von zum Beispiel 10 Kilowattstunden pro Kubikmeter. Sie dürften sich wundern, wenn sie erfahren, dass das dreimal soviel ist, wie das neue energetische „Wunderkind“ per Kubikmeter enthält. „Wo ist das Wunder?“, werden sie fragen.

Dieser geringe volumenbezogene Energiegehalt war den „Wendeleuten“ natürlich bekannt. Doch sie wussten sich zu helfen, in dem sie den Energiegehalt von H2 auf seine Masse bezogen und erhielten den Spitzenwert von gut 33 Kilowattstunden pro Kilogramm. Die Ersetzung der Bezugseinheit Kubikmeter durch Kilogramm dürfte vielen gar nicht aufgefallen sein und so blieb der vorliegende Etikettenschwindel unseres Wissens unerkannt.

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Doch die trügerischen Bemühungen um ein gutes energetisches Image für den „grünen Wasserstoff“ geben die Autoren einer blamablen professionellen Lächerlichkeit preis, wie folgender kleiner Exkurs zeigt: Hauptbestimmung des „grünen Wasserstoffs“ ist die Brennstoffzelle – mobil oder stationär, zu Lande oder Wasser, Mini- oder Maxi-Ausführung. Technologisch bewertet, ist sie eine sehr bemerkenswerte zukunftsweisende Erfindung. Sie schafft es aus dem energetisch minderwertigen Wasserstoff höchstwertige Endenergie namens elektrischer Strom zu machen, wobei Wasser anfällt. Im Ergebnis hat man eine Rückgängigmachung der Elektrolyse: zunächst Strom rein – H2 raus, dann H2 rein – Strom raus.

Das ist keine in der Thermodynamik beheimatete Energie-Umwandlung, sondern ein chemischer Vorgang namens Synthese. In der Brennstoffzelle wird der Wasserstoff nicht „verbraucht“, sondern mit Sauerstoff zu Wasser verbunden, aus dem man ihn – theoretisch – mittels Strom wieder „herausholen“ kann. Seine Energiedichte pro Kubikmeter oder pro Kilogramm ist hier irrelevant. Nur auf seine chemische Eigenschaft kommt es an.

Der gegenwärtige Aktionismus um den „grünen Wasserstoff“ mit seiner angeblich besonders hohen Energiedichte beruht auf beklagenswerter Ignoranz bezüglich der skizzierten Zwittereigenschaft, sowohl energetischen als auch chemischen Zwecken dienen zu können. Allerdings ist sein energetisches Potenzial gering und spielt praktisch nur in der Raumfahrt als tiefgekühlter Raketentreibstoff eine Rolle.

Ganz im Gegensatz dazu ist Wasserstoff ein unentbehrlicher chemischer Rohstoff für große Synthesen. Es wäre klimapolitisch sehr verdienstvoll, den für diese Zwecke in großen Mengen aus klimaschädlichem Erdgas hergestellten „grauen“ Wasserstoff durch die grüne Version aus windstrombeschickten Elektrolyseanlagen sukzessiv zu ersetzen.

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Dr. Felix Conrad, Hockenheim

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