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Solidarität und Empathie - Lob für Welle der Solidarität / Doch: Warum ist die deutsche Hilfe nicht für alle Menschen gleich? „Unser Blut ist doch immer rot“

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Eine Welle der Solidarität, Empathie und Hilfsbereitschaft gegenüber den aus der Ukraine fliehenden Müttern und Kindern, Alten und Behinderten überrollt das Land.

Menschen, Vereine und verschiedene Institutionen sammeln Sachspenden, transportieren sie in das Kriegsland, helfen Menschen bei ihrer Flucht. Die Menschen spenden Millionen an verschiedene Hilfsorganisationen. Die Europäische Union schützt das Leben und die Menschenrechte der Flüchtlinge, die die Grenzen erreichen. Damit es den sowieso schwer gebeutelten Menschen nicht noch schwerer gemacht wird, fallen bürokratische Hemmnisse wie Grenzkontrollen, langwierige Asylverfahren, sonstige Überprüfungen weg.

Es muss alles schnell und komplikationslos gehen. Und wie man sieht: Das geht! Die Flüchtlinge benötigen kein Visum, um innerhalb Europas zu reisen. Zugfahrten aus dem Kriegsgebiet kosten nichts. Hier angekommen sind die Menschen gleich krankenversichert, dürfen sogar sofort arbeiten und sich auf Wohnungssuche machen. Um die Kinder schnellstmöglich zu integrieren, werden sich viele Gedanken gemacht, wie man sie am besten so schnell wie möglich in Kindergärten und Schulen unterbringt.

Es scheint, als ziehen alle an einem Strang. Genauso sollte es sein, wenn Länder Flüchtenden Zuflucht und Schutz gewähren. Unnötige Barrieren sollten abgeschafft werden. Der bürgerliche Zusammenhalt unter- und miteinander sollte politisch gefördert und unterstützt werden.

Wie aber müssen sich die Flüchtlinge nun fühlen, die sich hier bereits seit zum Teil Jahrzehnten aufhalten und noch immer keinen normalen „Bürgerstatus“ haben? Immer noch lediglich „geduldet“ sind, das Asylverfahren immer noch in der Schwebe hängt? Die, denen ebenfalls vor vielen Jahren die lebensgefährliche Flucht aus ihren Kriegsländern auf dem Land- und auf dem Seeweg in eben das gleiche Europa gelungen ist?

Wie fühlen sich die Männer, die hier jahrelang leben, arbeiten und anerkannt sind, die seit Jahren versuchen, ihre Frauen und Kinder nachzuholen und es schlicht und ergreifend nicht schaffen? Weil die Deutsche Botschaften keine Visa ausstellen oder mehrere Jahre für die Bearbeitung der Familiennachzüge brauchen? Weil immer wieder zig Formulare verlangt werden, die man zum Teil im eigenen Land gar nicht mehr beschaffen kann? Wie fühlen sich die Väter, die ihre Kinder und ihre Frauen jahrelang nicht sehen dürfen? Und wie fühlen sich die Frauen und Kinder, zurückgeblieben im Heimatland?

Wie fühlen sich diese Menschen wohl? Ich denke, viele fühlen sich nicht gut. Viele werden diese Unterschiede nicht verstehen und viele fühlen sich vielleicht auch diskriminiert und als Mensch zweiter Klasse behandelt.

Eine syrische oder afghanische Mutter weint gleichermaßen um ihr totes Kind, um ihren toten Ehemann und um ihre toten Eltern wie es alle anderen Mütter auf dieser Welt tun. Haben die Westeuropäer jetzt „eher“ Verständnis, weil die tapferen ukrainischen Männer in ihrem Land bleiben und es verteidigen (müssen) und nur die Frauen und Kinder, Alten und Behinderten zu uns fliehen?

Ich weiß noch, wie in 2015 viele darüber schimpften, dass es meistens nur „junge, kräftige“ Männer waren, die unsere Grenzen erreichten und ich immer wieder vielen erklärte, warum das so war: Die damaligen Flüchtlinge kamen nicht per Gratis-Zugfahrt oder im „Erster-Klasse-Flieger“ aus ihren Ländern hierher. Sie mussten viele tausende von Kilometern auf lebensgefährlichen Wegen zu Fuß hinter sich lassen, sie mussten schlimme Folterungen und oft auch sexuellen Missbrauch von Schleppern und anderen zwielichtigen Personen über sich ergehen lassen.

Tausende starben auf ihrer Flucht. Diese ewig langen Wegstrecken auf dem Land und auf dem Meer waren selbst für junge Männer kaum zu bewältigen, geschweige denn für Frauen und Kinder. Sicher wären viele mit ihren Frauen und Kindern gekommen, wenn sie die gleichen Möglichkeiten gehabt hätten, wie es jetzt die ukrainischen Flüchtlinge zum Teil haben.

Ich finde, wir sollten alle Menschen, die aus ihren Ländern fliehen müssen, gleichermaßen als Mensch behandeln. Nationalität, Herkunft und Hautfarbe dürfen dabei keine Rolle spielen. Unser Blut ist doch immer rot, egal, wo es herkommt.

Schwarze Schafe gibt es überall auf der Welt, deswegen aber alle – die einem vielleicht nicht so angenehm sind – über einen Kamm zu scheren, kann keinesfalls richtig sein.

Raquel Rempp, Schwetzingen

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