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Blick auf die Welt - Ob Wirtschaft, Handel oder Flucht – Europa wird zum Gelenk zwischen Afrika und Asien Verantwortung tragen alle

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In zwei Jahren, 2024, werden wir uns an den 700. Todestag des reisenden Kaufmanns Marco Polo (geboren 1254) erinnern. Ihm verdankt Europa, dass sich sein Blick über Afrika und den Vorderen Orient hinaus Asien zuwandte. Er hat China entdeckt und den Blick auf einen reichen kulturellen und ökonomischen Horizont geöffnet.

Drei Jahrhunderte später brachten Jesuiten, Söhne Ignatius von Loyolas, ihren Glauben und ihr Wissen nach China, predigten und wurden als Astronomen bis hinauf zum kaiserlichen Hof geehrt. Im 19. und 20. Jahrhundert zerstörten englische und deutsche Truppen Chinas alte Ordnung. Es folgte ein Bürgerkrieg, in dem sich 1949 Mao Zedong mit seiner kommunistischen Partei durchsetzte. Noch aber lebte das Volk im Elend. Seinen Wunsch nach besserem Leben erfüllte erst Deng Xiaoping ab den 1970er Jahren.

Der folgende Aufschwung hat auch der deutschen Industrie genutzt. Ihr Handel mit China ist intensiver als mit allen anderen Ländern, 2019 beliefen sich Importe und Exporte auf etwa 100 Milliarden Euro. Die an sich erfreuliche Zusammenarbeit verläuft aber keineswegs geräuschlos. Immer wieder entzündet sich Unzufriedenheit und belastet die Beziehungen. Dennoch schaffen es die deutschen Unternehmen jedes Mal, Konflikte mit der heute von Xi Jinping zentral gelenkten Wirtschaft zu lösen.

Unüberbrückbar hingegen scheinen die politischen Gegensätze. China unterdrückt die Bürger Hongkongs und die muslimischen Uiguren im einst turkestanischen Xinjiang. Deutschland möchte die Menschenrechte schützen, protestiert dagegen, aber ohne erkennbaren Erfolg. Fast notwendigerweise konkurrieren Deutschland und China als führende Exportnationen auf dem Weltmarkt. Besonders offenkundig in Afrika. Seit der Entkolonialisierung in den 1960er Jahren bemüht sich die Bundesrepublik, die jungen Staaten voranzubringen. Sie hat spektakuläre Einzelprojekte verwirklicht: Flughäfen, Universitäten und vieles mehr. Doch der Lebensstandard der Bevölkerungsmehrheit aber hat sich kaum verbessert. Kritische Beobachter werfen regierungsnahen Reichen vor, sich die Taschen zu füllen, anstatt mit Beschäftigungspolitik Arbeitsplätze zu schaffen und berufliche Bildung zu vermitteln.

Arme, die Arbeit und ein besseres Leben suchen, zieht es Richtung Europa. Nicht aber nach China, obwohl es sich auf dem Landweg erreichen lässt. Ohne Tausende Ertrunkene im Mittelmeer. Für deren Tod hat Papst Franziskus schon 2013, kurz nach seiner Wahl, die Europäer mitverantwortlich gemacht und das „Wir schaffen es“ ausgelöst. China könnte seinerseits ein Vorbild für Afrika sein. Es hat sein Elend überwunden, sogar aus eigener Kraft. In seinem Riesenstaat leben mit 1,2 Milliarden ähnlich viele Menschen wie in Afrika, wo sie sich auf 54 Einzelstaaten verteilen. Die gravierendste Folge: Der Kontinent hat kein einheitliches Verkehrssystem. Zugänge zu Häfen und internationale Verbindungen fehlen. Das bremst den Handel und die Entwicklung.

Unter der Zersplitterung leidet auch die Landwirtschaft. Dürreperioden treffen besonders grenznahe Regionen. Derzeit ist Somalia nach drei Jahren ohne Regen von einer Hungersnot ohnegleichen bedroht. Weil seine Nachbarn ihm nicht genug helfen, braucht es die UNO, die auf langen, teuren Versorgungswegen seine Bewohner dürftigst ernährt. Damit nicht genug, neigen Teilvölker wie die Dinkas im Sudan oder Rebellen im äthiopischen Tigray zur Abspaltung. Das ist gerade das Gegenteil dessen, was der Kontinent braucht und China ihm vorlebt. Mit einer umfassenden Entwicklungspolitik fördert es die Industrialisierung und hat sich Gehör verschafft. Die deutsche und die europäische Afrika-Politik wirken dagegen kleinschrittig. Sie sind zudem mit globalen Zielen verbunden, erstreben menschenwürdige Lebensbedingungen, den Schutz der Atmosphäre, die Erhaltung des Friedens und die Verteidigung der Menschenrechte.

Selbstverständlich lassen sich beide Strategien verbinden. Mit seiner Mahnung von 2013 hat der Papst gewiss für mehr plädiert als nur für neue Rettungsboote. Die Ursachen der Flucht liegen in den Lebensbedingungen. Sie sollten an Ort und Stelle verbessert werden. Ein Beispiel gibt die Bundesrepublik. Sie trägt 75 Prozent der Baukosten berufsbildender Schulen für Jugendliche, die ihre Schulzeit abgeschlossen haben und nun Facharbeiter oder selbstständig werden wollen. Um alle Menschen ausreichend zu ernähren, entstehen zudem Schulen für Landwirte, deren Lehrpläne Betriebswirtschaft, Ökologie und Wasserversorgung einschließen. Ganz unten, an den Wurzeln der Lösung, stehen deutsche Gemeinden, die partnerschaftlich mit afrikanischen solche Schulen bauen. Drei davon liegen in unserer Region: Viernheim, Ladenburg und Brühl.

Helmut Mehrer, Brühl

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