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Vorbildfunktion als Motivationsschub

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Zu Energiespartipps von Politikern schreibt uns dieser Leser:

Seit mittlerweile mehr als zweieinhalb Jahren erklären uns unsere Politiker wie wir uns in Krisenzeiten situationsbedingt zu verhalten haben. Doch wie ernsthaft kann man deren Verlautbarungen noch folgen, wenn man im Umkehrschluss zur Kenntnis nehmen muss, dass in den oberen politischen Entscheidungsetagen, das eigene Verhalten kritiklos über allem steht. Erinnert sei hier nur an den Untersuchungsausschuss zum Thema Bundeswehr, wo sich die Ex-Verteidigungsministerin und jetzige EU-Kommissarin Ursula von der Leyen an getätigte Absprachen und vertragliche Vereinbarungen einfach nicht mehr erinnern konnte und wie durch Zufall, auch die entscheidenden Hinweise und Beweismittel in den digitalen Netzwerken, natürlich auch nur „versehentlich“ gelöscht wurden.

Auch beim derzeitigen Bundeskanzler Olaf Scholz klaffen erhebliche Gedächtnis- und Erinnerungslücken. Hier sei an den komplexen und millionenschweren Sachverhalt zu den „CumEx-Geschäften“ erinnert. Der Schaden war immens, doch im Ergebnis erfolgte in beiden Fällen keine spürbar nachhaltige Konsequenz und wie immer sind Eingeständnisse von Fehlverhalten und Fehlentscheidungen bei den entsprechenden Verantwortungsträgern leider nicht vorhanden. Und genau dieselben Verantwortlichen erklären uns nun, durch welche Erkenntnis auch immer geläutert, dass ausgerechnet sie jetzt in einer Situation kompliziertester, ja fast toxischer Gemengelage von gleichzeitig auftretenden Problemstellungen, die richtigen Problemlöser sind. Erstaunlich dabei ist nur, dass die Verantwortungsträger vergessen, dass genau sie selbst es waren, die durch ihre Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen für diese Probleme ursächlich Verantwortung tragen. Wie glaubhaft kann das eigentlich noch sein?

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Es ist geradezu beschämend, wenn ein Ex-Bundespräsident uns auffordert, bei zu erwartenden niedrigen Temperaturen im kommenden Winter, sozusagen als Solidarbeitrag, besser zwei Pullis anzuziehen und die Heizung zu drosseln, um Energie einzusparen. In besserwisserischer Manier hat uns schon die EU-Kommissarin während der Corona-Pandemie vollumfänglich erklärt, wie man sich die Hände richtigerweise zu waschen hat.

Dazu kommt zu allem Überfluss jetzt auch noch, dass uns der baden-württembergische Ministerpräsident dazu anhält, weniger zu duschen und für die täglichen Hygienemaßnahmen, gewissermaßen auch als präventive Energiesparmaßnahme, doch besser einen Waschlappen zu verwenden – und er das dann auch noch mit dem vollmundigen Titel „Cleverländ“ landesweit propagiert. Derartige Belehrungen sind einfach nur dumm und sie haben ein Niveau, das zeigt, für wie kleingeistig und unfähig man die Bürger hält.

Die Kluft zwischen oben und unten wird zunehmend größer, was einer besorgniserregenden Entwicklung gleichkommt. Man muss den Menschen, die unverschuldet in schwierige Situationen, ja existenzielle Nöte geraten, nicht auch noch „bevormunderisch“ und mit erhobenem Zeigefinger und hohlen Phrasen deren Mündigkeit infrage stellen oder sie ihnen gar absprechen. Wo bleiben hier der gegenseitige Respekt, ehrliche Empathie und die zwingend notwendige Vorbildfunktion? Offensichtlich wird derzeit eine erratische Politik betrieben, perspektiv- und konzeptionslos, nicht stringent und ohne Strategie.

Das Zitat des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel „Partei ergreifen ist: Ein besonderes Interesse haben, eine einseitige Sache vertreten“ könnte aktueller nicht sein, um die allgegenwärtige parteiinterne Engstirnigkeit zu entlarven.

Allen politisch Handelnden und in Parteien organisierten Personen sollte bewusst sein: Als Vorbild zu fungieren, stellt idealerweise die beste Option dar, um mit Überzeugungskraft, Motivation, Transparenz und Authentizität die Bevölkerung einzubinden, sie mitzunehmen und letztlich zu überzeugen, auch jenseits ideologischer Strömungen und Befindlichkeiten. Gerhard Kiermeier, Hockenheim

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