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Bundestagswahl - Vom Realitätsverlust der CDU und dessen Kanzlerkandidaten sowie fehlender Demut Wählervotum und nun?

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Zur zurückliegenden Bundestagswahl vom 26. September erreichten die Redaktion folgende Leserzuschriften:

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Alle Spekulationen bezüglich des Wahlausganges darüber, wenn Markus Söder und Robert Habeck angetreten wären, gehören in die Rubrik: „Hätte, hätte Fahrradkette.“

Und auch was die knappen Mehrheitsverhältnisse angeht: Wir werden uns mit dieser neuen Zeit anfreunden müssen, also dass zwischen den Parteien andere – engere Mehrheitsverhältnisse herrschen, als früher.

Durch ständig vehementes Pochen auf rote Linien, haben es die Parteien in ihrer Blase zu lange versäumt, sich darum zu kümmern, was die Menschen wirklich bewegt.

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Sollten uns also in Zukunft eventuell „italienische Verhältnisse“ ins Haus stehen, dann sind die auch der Sturheit der Alphatiere in den Parteien geschuldet. Nichtsdestotrotz gibt es aktuell mit Grünen, FDP und SPD Gewinner dieser Wahl.

Und es gibt einen klaren Verlierer, nämlich die Union, und zwar vor allem in Person von Armin Laschet.

Womit wir wieder beim Thema Alphatiere und deren Selbstüberschätzung wären: Was Laschet sich am Wahlabend geleistet hat, toppt – nüchtern betrachtet – sogar Schröders krawallig skurrilen Auftritt in der Elefantenrunde 2005.

Dass Laschet aus diesem niederschmetternden Unionswahlergebnis einen Regierungsanspruch ableitet, macht fassungslos. Sorry, dass ich es so deutlich sagen muss: Der Typ ist einfach nur noch peinlich! Als Kanzler schlichtweg nicht vermittelbar, da er jegliche Orientierung verloren hat! Fehlt eigentlich nur noch, dass er wie Trump gegen das Wahlergebnis klagt.

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Herbert Semsch, Brühl

Mit Erstaunen muss man als Wähler zur Kenntnis nehmen, dass ein Wahlergebnis, trotz krachender Verluste durchaus schöngeredet werden kann, schlimmer noch, es wird daraus auch noch ein Führungsanspruch abgeleitet und hineininterpretiert.

Wie sich die bis dato erfolgsverwöhnten Unionsvertreter hinstellen können und aus dem aus ihrer Sicht doch desaströsen Wahlergebnis einen Regierungsanspruch ableiten, bleibt rätselhaft, denn offensichtlich ist hier der Realitätsverlust sehr ausgeprägt. Hört man sich die Reden der Wahlverlierer Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) an, wo man Demut von anderen einfordert, so sollten doch zuallererst sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen, denn wenn man von mehr als 75 Prozent der wahlberechtigten Bürger nicht gewählt wurde, ist demütiges Verhalten mehr als nur angesagt.

Festzuhalten bleibt außerdem, dass viele Direktmandate, auch von gestandenen CDU-Ministern und -Ministerinnen, nicht mehr gewonnen wurden. Die Wähler und Wählerinnen haben entschieden, dass ein Regierungswechsel gewünscht wird und diesem Votum sollten alle Verantwortlichen Rechnung tragen. Doch faktisch drängt sich die Erkenntnis auf, dass viele Polit-Protagonisten an arroganter Selbstüberschätzung leiden.

Vielleicht sollten sich die Granden der Politik den Sport mal zum Vorbild nehmen, denn dort bekommt man auch nicht die Goldmedaille, wenn man im Endlauf auch nur mit einer tausendstel Sekunde nach dem Sieger die Ziellinie überquert. Demütiges Innehalten wäre jetzt das Gebot der Stunde und die Einsicht sollte reifen, dass nach 16 Jahren CDU-geführter Regierung eine Erneuerung notwendiger denn je ist. Das unsägliche Herumlavieren mit immer neu erfundenem Vokabular, ab jetzt mit einer „Zukunftskoalition“ alles besser zu können, ist weder glaubhaft noch zielführend. Des Weiteren täte man gut daran, endlich eine vernünftige Wahlrechtsreform zu etablieren, denn ein sich stetig aufblähendes Parlament mit nunmehr 735 Abgeordneten, passt nicht in die Zeit, weil dadurch auch die essenziellen Entscheidungsprozesse immer schwieriger und langwieriger werden und darüber hinaus noch unnötigerweise Millionen von Steuergeldern verschlingen. Das Gesetz sieht hier übrigens maximal 598 Parlamentarier vor, doch alle involvierten Parteien interessiert das offenbar überhaupt nicht und sie agieren weiter über das Gesetz hinweg!

Warum also das unsägliche Instrument von Überhangs- und Ausgleichsmandaten, das weder verständlich noch nachvollziehbar ist? Wünschenswert wäre auch, dass die Personen für die höchsten politischen Ämter in Deutschland auch von allen Bürgerinnen und Bürgern des Landes gewählt werden können, damit die parteiinternen Mauscheleien und Machtspielchen endlich der Vergangenheit angehören. Zuspruch, Glaubwürdigkeit und Vertrauen erreicht man nur durch Offenheit, Transparenz sowie ehrlichem und respektvollem Umgang, denn die immensen Herausforderungen für eine intakte und nachhaltige Zukunftsgestaltung erfordern eine gewaltige Kraftanstrengung von allen.

„Die Zukunft ist als Raum der Möglichkeiten auch der Raum unserer Freiheit“, erkannte schon der Philosoph Karl Jaspers.

Gerhard Kiermeier, Hockenheim

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