AdUnit Billboard

Impfpflicht - Solidargemeinschaft trägt auch bei Extremsport, Tabakkonsum, Alkohol und Autofahrern die Last Wahlversprechen sind vergessen

Lesedauer

Zum Kommentar „Nicht alternativlos“ (SZ-Ausgabe vom 11. Dezember) wird uns geschrieben: Über manchen Kommentar in der Zeitung kann man nur den Kopf schütteln! Nicht allein wegen des Inhalts, nein, auch wegen der Sprache. Nicht so dieser Kommentar! Auch wenn sich parlamentarische Mehrheiten für eine Impfpflicht abzeichnen – mit Blick auf die Gesellschaft kritisiert dieser zu Recht die Wendehälse, die gewählt, ganz schnell ihre Aussagen zur Impfpflicht widerrufen.

Das irritiert einen sehr und stärkt nicht unbedingt das Vertrauen von Wählern in die Parteien und den Rechtsstaat. Die Frage, warum sich einer nicht immunisieren lassen will, ist völlig falsch, denn durch die sogenannte Impfung wird niemand immunisiert! Sie verhilft wohl sehr oft, einfacher über die Pandemie hinwegzukommen. Trotzdem können auch Geimpfte leicht oder schwer erkranken. Auch sie können andere anstecken. Mit der 2G-Regel plus Test geben das die Verantwortlichen auch zu, sehr zum Ärger derer, die sich bemühen, alle Kriterien zu erfüllen bis hin zum Boostern, um keinen Einschränkungen mehr unterworfen zu sein.

Der Vergleich mit einer klassischen Impfung, die wir fast alle im frühen Kindesalter erhalten haben, hinkt. Denn eine solche war einmalig und immunisierte den Probanden ein Leben lang; auch wenn man eine Auffrischung anregte – zum Beispiel bei Reisen in Risikogebiete.

Nicht alle, die ein Unbehagen spüren bei Impfstoffen, die in Rekordzeit neu entwickelt wurden, gehören zu einer radikalen Minderheit. Ihr bürgerliches Recht auf körperliche Unversehrtheit und auch Ängste sollten anerkannt werden. Sie in einen Topf zu werfen mit Staatsgegnern, ist unredlich. Wenn dem Verfassungsgericht Würde und Selbstbestimmung noch wichtig sind, kann es sich nicht für eine allgemeine Impfpflicht entscheiden.

Auch der Hinweis auf zu fordernde Solidarität ist grottenfalsch. Wir alle tragen als Solidargemeinschaft des anderen Last, ob er nun raucht, säuft oder Extremsport betreibt oder hochrisikohaft Auto fährt! Ein Register zu führen, wer geimpft beziehungsweise es nicht ist, erinnert mich an faschistische Zeiten! Das in Zeiten, in denen man ständig mit dem Datenschutz genervt wird. Verständnis kann ich nur entwickeln für das Impfen von Berufsgruppen, die sehr viel mit Leuten, insbesondere gefährdeten Menschen, zu tun haben. Hier gilt es dennoch, es vorsichtig zu handhaben, damit die Dienstleistenden nicht einfach davonlaufen.

Die Not kennt kein Gebot? Da ist wohl ein großer Unterschied zwischen den abgesegneten Lockdown-Beschlüssen und einer Impfpflicht. Jene Maßnahmen können, wenn auch manchmal völlig irrwitzig angeordnet, jederzeit wieder zurückgenommen werden. Eine Impfung ist unumkehrbar, wie Miguel Sanches zu recht schrieb.

Es soll kein unmittelbarer Zwang ausgeübt werden, wie schön. Wie oft soll nun ein Bußgeld und in welcher Höhe gezahlt werden? Was, wenn es nicht gezahlt wird? Will man dann ein Viertel der Bevölkerung einsperren? Die Justiz kommt ja nicht einmal dazu, Aktuelles zu bewältigen – die Gefängnisse sind randvoll.

Momentan würde es sehr helfen, wenn man sich in Anbetracht der Situation vorsichtiger verhalten würde, auch einmal auf etwas verzichtet, wenn es der Sache dient. Wenn wir es vermeiden wollen, uns die nächsten Jahre von einem Boostern zum nächsten zu hangeln, hilft es nur, schnellstmöglich antivirale Medikamente zu entwickeln und zur Zulassung zu bringen.

Klaus Tremmel, Ketsch

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1