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Bildungslücken - Die durch die Corona-Pandemie bedingten Rückstände könnten durch eine Halbjahresverlängerung aufgeholt werden Was bei den Schülern zu tun ist

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Zum Artikel „30 000 externe Helfer an Schulen“ (SZ-Ausgabe vom 10. Juli) wird uns geschrieben:

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Beschäftigt werden sollen Studenten aller Fachrichtungen, pädagogische Assistenten, pensionierte Lehrkräfte, Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Berufsbildungswerken und so weiter, um die Bildungslücken, die Corona-bedingt bei den Jungen und Mädchen entstanden sind, zu schließen. Das Bildungsprogramm soll während des gesamten Schuljahres 2021/22 zur Verfügung stehen und kostet Bund und Land eine Milliarde Euro.

Ursprünglich dachte ich, die Presse habe sich um eine Null zu viel geirrt, aber nein, die oben genannte Zahl stimmt. Zunächst war für einen Modellversuch nur die Rede von 500 bis 600 Lehramtsstudenten, jetzt sollen auf die Schnelle im Hau-Ruck-Verfahren 30 000 Hilfslehrkräfte „aus dem Hut“ gezaubert werden. Ich halte das Ganze für unmöglich – ein Hirngespinst in der Kürze der Zeit. Ich komme immer wieder auf meinen Vorschlag der Halbjahresverlängerung des Schuljahres zurück und bleibe auch dabei, denn das würde etliche Vorteile mit sich bringen.

Die Lehrkraft der Vor-Corona-Zeit, wenn möglich, in der Klasse beziehungsweise in dem Kurs weiter unterrichten zu lassen, man kennt sich gegenseitig, was oftmals ein Vorteil ist.

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Alle Klassen- beziehungsweise Kursteilnehmer erhalten gleichzeitig dasselbe Bildungsangebot. Mehr Zeit zur Verfügung zu haben, bedeutet weniger Hektik, was wiederum bessere Leistungen mit sich bringt. Das gilt vor allem für die Aufholjagd bezüglich der Wissenslücken.

Die Variante „Halbjahresverlängerung“ ist wesentlich billiger als das jetzt Vorgesehene. Die Milliarde Euro (siehe oben) könnte sinnvoller für die Digitalisierung Verwendung finden. Die Doppelbelastung „alter unbearbeiteter Stoff, gleichzeitig neuer Stoff“ würde bei der Verlängerungsvariante entfallen. Unsere heutige Schuljugend ist mit der schulischen Leistungserbringung und den zusätzlichen Hausaufgaben zum Teil mehr als ausgelastet und hat wenig Zeit für eine private Freizeitgestaltung.

Ein Beispiel: Ein Oberstufenschüler eines Gymnasiums hat mir auf Anfrage Folgendes stichwortartig erklärt: 34 Schulstunden pro Woche, zweimal bis 17.10 Uhr, Heimkehr 18 Uhr, einmal bis 14.40 Uhr, Heimkehr 15.30 Uhr. Dazu kommen noch die Hausaufgaben. Wenn dazu noch zwei Nachmittagstermine pro Woche kämen, um Corona-Defizite aufzuarbeiten, dann muss man eindeutig von Überbelastung sprechen. Und dieser Zustand darf doch keinesfalls eintreten! Das sind wir unserer Schuljugend schuldig.

Schon vor einem knappen halben Jahr habe ich der damaligen Kultusministerin Eisenmann meine Idee der Halbjahresverlängerung des Schuljahres in Form eines Briefes vorgetragen. Ich erhielt einen schönen Brief – von einer „Adlata“ unterschrieben. Man war überhaupt nicht auf mein Anliegen eingegangen. Nun habe ich der Nachfolgerin Kultusministerin Schopper meinen Vorschlag mitgeteilt, ich bekam ein schönes Antwortschreiben – von ihrem Ministerialdirigenten Vittorio Lazaridis unterschrieben.

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Mit keinem Wort wurde mein Vorschlag erwähnt, doch der Schlusssatz des Schreibens hört sich nicht schlecht an. Zitat: „Sie können davon ausgehen, dass uns das Wohl der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler am Herzen liegt und wir auch weiterhin alles dafür tun werden, um diese in der momentanen Zeit bestmöglich zu unterstützen.“ Frau Schopper hat Soziologie, Psychologie und Kriminologie studiert, ist also nicht vom Fach Pädagogik, das sie jetzt führend vielseitig zu vertreten hat. Gerade zu Beginn ihrer neuen Tätigkeit wäre es angebracht, sich von Praktikern (Lehrkräften), die täglich mitten im Schulgeschehen stehen und Erfahrung haben, beraten zu lassen.

Walter Bährle, Schwetzingen

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