Pandemiebewältigung - Ratschläge aus der Bibel für die Corona-Zeit / Die Christenheit hat 2000 Jahre überlebt / Das Erlebnis der Gemeinschaft pflegen Weisheit, Einsicht und Verständnis

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Covid 19 hat sich über alle Grenzen hinweg auf der Erde verbreitet. Trennungslinien zwischen politischen, geistigen und religiösen Welten haben die Pandemie nicht aufgehalten. Und wann sie enden wird, wagt niemand vorherzusagen.

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Bürgerproteste haben sie eher noch verschärft. Sie traten vor allem in Demokratien auf, deren Alleinstellungsmerkmale vielerorts Chaos und Gewalt begünstigt haben: Die absolut zu schützende Menschenwürde und die unverzichtbare Freiheit haben hohe Ansprüche entstehen lassen, einen breiten Raum persönlicher Selbstständigkeit und den unstillbaren Wunsch geweckt, am öffentlichen Leben mitzuwirken.

Freiheit und Mitgestaltung, die selbstverständlichen Elemente demokratischer Gesellschaften, wurden im Kampf gegen die Epidemie von Anfang an eingeengt. Gleich zu Beginn haben die Pflichten, Masken zu tragen, Distanz zu wahren und das Verbot, sich in großen Gruppen zu treffen, Widerspruch und Missmut aufkommen lassen. Besonders unter jungen Menschen, die im Namen des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit sogar Polizisten angriffen, die sie zerstreuen sollten.

Geschlossene Kitas und Schulen belasteten gleichzeitig die Familien, die sich Sorgen um Betreuung und Zukunft ihrer Kinder machten. Nur wenige trauten den Schulen zu, mit ihrer unzureichenden und schlecht organisierten digitalen Ausstattung den herkömmlichen Präsenzunterricht zu ersetzen. Erst die Sommerferien beruhigten die Gemüter.

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Einen weit höheren finanziellen Aufwand als die Erziehung forderte die Industrie. Der aber wurde verständnisvoll hingenommen, ging es doch um die materielle Basis aller. Im Einvernehmen mit Unternehmen und Gewerkschaften gelang es der Bundesregierung, durch Kurzarbeit die Arbeitslosigkeit im Griff zu behalten. Der soziale Frieden blieb so erhalten.

Ähnlich der Industrie litt auch der für die Lebensfreude zuständige Sektor unter dem Lockdown, wenn auch aus Reisebüros, Restaurants und Hotels nur leise Klagen nach draußen drangen. Die Kosten für geschlossene Konzertsäle, Theater und Museen wurden überwiegend von den Kommunen getragen, die sich von ihren Ländern, und die wiederum aus der Bundeskasse, Zuschüsse holten. Kämpfe und Konflikte sollten offenkundig vermieden werden.

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Mitte August kündigten die ersten Hersteller die baldige Genehmigungsreife ihrer Impfstoffe an. Wer ein landesweites Aufatmen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Eine laute Ablehnung erscholl im Land, wieder im Namen der Grundrechte. Der Gesundheitsminister wehrte sie mit dem Hinweis ab, dass niemand gezwungen werde, sich impfen zu lassen. Gleichzeitig hoffte er, durch eine Impfquote von 60 Prozent eine Herdenimmunität zu erreichen und der Epidemie ein Ende zu setzen. Im Januar dann wurde er harsch getadelt, weil er keine größeren Mengen der inzwischen hoch begehrten Vakzine bestellt hatte. Wie ungerecht!

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Am verständnisvollsten von allen betroffenen Gruppen erschienen die Kirchen. Da Katholiken und Reformierte, trotz aller Krisen, noch die Hälfte der Deutschen repräsentieren, hätten sie durchaus ihre Stimmen erheben können. Sie erwiesen sich jedoch als Faktoren innerer Stabilität. Von Anfang an haben sie einen maximalen Schutz angestrebt, Bankreihen gesperrt, um die Zahl der Gottesdienstbesucher gering zu halten. Die spirituell wichtigsten Feste des Jahres, Karwoche und Ostern, haben sie nicht gefeiert. Auch die besonders beliebten Familiengottesdienste an Weihnachten haben sie zusammengestrichen.

Wer würde dieses verständnisvolle Verhalten nicht vorbildhaft nennen! Manch treuer Kirchgänger war gewiss enttäuscht. Und nicht wenige Geistliche dürften die leeren Bankreihen traurig betrachtet und bei einem gestreamten Gottesdienst das Erlebnis der Gemeinschaft vermisst haben.

Sie mögen sich mit einer gemeinsamen geistigen Basis trösten, über die keine andere Gruppe der Gesellschaft verfügt: den Reichtum der Heiligen Schrift als alle einenden geistigen Pol. Dürfen sie aber dabei stehen bleiben? Nein! Die Christenheit hat 2000 Jahre überlebt, weil sie den Menschen gegeben hat, was sie brauchten. Und in der Corona-Situation sind das Gelassenheit und innere Ruhe. Die Bibel spricht von „Weisheit“, die „vom Herrn kommt“ und „ewig bei ihm“ ist. „Verständnis“ und „Einsicht“ haben Lesern Kraft gegeben, Zeiten der Unterdrückung durchzustehen.

Das wäre doch ein Rat. Auch für uns heute! Ein geistiger Reichtum, der in Zeiten leerer Kirchen allen Menschen offensteht.

Helmut Mehrer, Brühl