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Abtreibung - Die Ethik und das deutsche Strafrecht Wem gehört der Bauch einer Frau?

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Ganz außer Frage: Die in Polen regierende PiS und die Republikaner in Texas sind in Deutschland unpopulär. Sie gelten als rechts, illiberal, ultrakonservativ. Unbeliebt sind sie vor allem wegen ihrer die Abtreibung erschwerenden Gesetze. Im Vergleich dazu gilt die Bundesrepublik als vorbildlich. Viele Frauen aus anderen Ländern, die ein Kind abtreiben wollen, kommen zu uns, um den Einschränkungen zu entgehen, die in ihrer Heimat gelten.

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Nun ist aber der Abbruch einer Schwangerschaft auch Hierzulande nicht problemlos. Er ist begrenzt auf die ersten zwölf Lebenswochen eines Embryos und an eine vorherige Beratung gebunden. Ein Drittes kommt hinzu: Wer diese Bedingungen achtet, handelt zwar rechtswidrig, wird aber nach Paragraf 218 StGB nicht bestraft. Der grundgesetzliche Anspruch des Ungeborenen auf sein Leben ist also nicht völlig gesichert.

Letztendlich hängt er von der ethischen Sensibilität seiner Mutter ab. Die Unterscheidung „rechtswidrig – straffrei“ klingt widersprüchlich. In den 1970er Jahren wurde sie nach langem Streit und dem millionenfach skandierten „Mein Bauch gehört mir!“ gefunden. Seitdem hat sie in Deutschland den Rechtsfrieden gesichert. Abgesehen von gelegentlichem Grummeln unter Befürwortern des Lebens wie auch des Rechts auf freie Entscheidung tragen beide Lager diesen Kompromiss mit.

Deshalb erregte es vergangenen Freitag Aufsehen, als Claudia Bernhard, die linke Bremer Gesundheitssenatorin, im Bundesrat beantragte, das Werbeverbot für Abtreibungen nach Paragraf 219a aufzuheben. Was hat sie zu diesem Schritt veranlasst?

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Möglicherweise erhoffte sie eine Zustimmung kurz vor der Wahl mitten in der Riesenzahl anderer Anträge. Gewiss spielte der Stimmungswandel in Deutschland hinein. Die sexuelle Freizügigkeit ist gewachsen, an der Spitze bis hin zur Kriminalität, zum Missbrauch an Kindern und zu sexualisierten Gewalttaten gegen Frauen. Gleichzeitig ist Pornografie überall verfügbar. Im Fernsehen wie im Theater beansprucht sie, wegen ihres künstlerischen Werts, unangreifbar zu sein. Sie ergießt sich wie eine Pandemie übers Land, gegen die Jugendliche nicht geschützt werden können. Und nun soll auch für Abtreibung geworben werden dürfen!

Gegen diese grenzenlose Beliebigkeit meldete sich Widerspruch. Der Antrag wurde abgelehnt. Nur Brandenburg, Hamburg, Thüringen und Bremen stimmten zu. Gegen die sexualisierte Gewalt haben sich Frauen mit ihrer Bewegung „Me too“ erhoben. Das weckt auch Fragen an sie: Ist eine Abtreibung nicht ebenfalls ein Gewaltakt? An einem ungeborenen, winzigen, aber fraglos schützenswerten Menschen, der in seiner Mutter zu Hause ist, seinem natürlichen Lebensraum.

Es geht, wie gesagt, um eine ethische Entscheidung. Sie liegt in den Händen der Mütter, die das Leben weitergeben dürfen.

Helmut Mehrer, Brühl

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