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Appell an die Vernunft - Jeder Einzelne von uns trägt Verantwortung und sollte sich selbst die Gewissensfrage nach dem Impfen stellen Wenn Freiheit zur Falle aller wird

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Wo beginnt Freiheit und wo endet sie? Wie weit darf Freiheit gehen? Ist Freiheit die Freiheit des Andersdenkenden? Ja! Darf die eigene Freiheit die Freiheit, das Leben und das Wohl anderer einschränken oder gefährden? Nein!

Spätestens seit der Corona-Krise wird diese Frage zur Zerreißprobe unserer Gesellschaft. Ein bis dahin nie gekannter Egoismus, eine Unvernunft aber auch Angst (selbst wenn sie in vielen Fragen berechtigt ist) treiben ihr Unwesen. Jeden Tag erreichen uns Horrornachrichten. Immer mehr Menschen, vor allem Ungeimpfte, infizieren sich mit Corona und viele sterben am oder an den Folgen des Virus. Die Krankenhäuser sind mit ihren Kapazitäten am Limit angelangt und fühlen sich durch die Politik alleingelassen.

Impfen oder nicht impfen? Diese ethische und moralische Frage wird plötzlich zum Politikum. Zum Leidwesen eines bis dahin stark gedachten Demokratieverständnisses. Auf Kosten der Schwachen und Kranken in unserer Gesellschaft und zu Lasten unseres Gesundheitssystems. Wer hat dieses Dilemma zu verantworten? Die Politik, die Gesellschaft, die Protestbewegung der Impfgegner und Querdenker?

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Veröffentlicht
Von
Jörn Petring
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Einer soziologischen Studie von Nadine Frei und Oliver Nachtwey zufolge spielt in der Protestbewegung der Querdenker das anthroposophische Milieu eine große Rolle. Sie richtet sich gegen Kritik an staatlicher Einmischung und fußt auf Gesundheit und alternativen Heilmethoden. Ein libertäres Freiheitsverständnis, das Verständnis, dass Regeln nur legitim sind, wenn man sie selbst gesetzt hat, dazu verschwörungstheoretische und esoterische Grundüberzeugungen, all das prägt nach Ansicht der Wissenschaftler die Querdenken-Bewegung. „Sie fühlen sich als Eingeweihte, als heroische Widerstandskämpfer“, stellt Nadine Frei fest.

Die Bewegung sei zudem gekennzeichnet „durch eine tiefe Entfremdung von Kerninstitutionen der liberalen Demokratie“, unterstreicht Nachtwey. „Querdenker“ misstrauen allen öffentlichen Institutionen, der parlamentarischen Politik, den Parteien, der Wissenschaft und den Medien. Die Mehrheit ist relativ gebildet. Sie vertrauen allein ihrer eigenen Recherche. „Es ist eine Bewegung der qualifizierten Mitte“, sagt Nachtwey und das bereitet ihm Sorgen. Die Leute aus der Mittelschicht gehen auf die Barrikaden, weil sich zum ersten Mal der Staat mit Einschränkungen in ihr Leben einmischt. Sie setzen den Individualismus absolut: „Sie wollen andere nicht schützen, erwarten aber von anderen auch keinen Schutz“, hat Nadine Frei festgestellt. (Quellen-Auszug: Artikel „Anthroposophische Wurzeln, Schwetzinger Zeitung vom 23. November).

Ansichten, die sich rechts- und linksradikale Gruppierungen immer mehr zu eigen machen, um sie für ihre eigenen Ziele und Interessen zu nutzen. Eine hochexplosive Mischung. Wieder einmal hat es unsere Politik versäumt, rechtzeitig und umfassend zu reagieren. Sie hatte genügend Zeit, sich auf eine nächste Corona-Welle vorzubereiten. Wäre da nicht der Wahlkampf gewesen. Statt sich auf die Pandemie zu konzentrieren, hielt man sich in dieser Frage äußerst dezent zurück. Schließlich wollte man keine Wählerstimmen verlieren.

Statt den Bürgern Sicherheit und Orientierung zu vermitteln, verfing man sich parteiintern und parteipolitisch (besonders bei FDP und AfD) in Fragen der möglichen Maßnahmen oder Nichtmaßnahmen, in ein sich immer enger zuschnürendes Korsett. Bis heute ist es nicht gelungen, die Bürger über die Notwendigkeit der erforderlichen Maßnahmen ausführlich, verständlich und nachvollziehbar aufzuklären und sie zu informieren. Gerade die Tatsache, dass man sich trotz Impfung mit dem Virus infizieren kann (zwar mit einem, wie es heißt, milderen Krankheitsverlauf), hat in der Bevölkerung zur großen Verunsicherung geführt.

Dieser ganzen Gemengelage ist es mit zu verdanken, dass wir heute vor einer Situation stehen, die sich keiner gewünscht hat.

Es wäre aber falsch, die ganze Verantwortung nur der Politik anzulasten. Jeder Einzelne von uns trägt Verantwortung und muss sich dieser stellen. Besonders wenn es um das Gemeinwohl und die Freiheit aller geht. Deshalb wäre es angebracht und durchaus sinnvoll, dass sich Gesunde, die damit hadern oder sich wehren, sich impfen zu lassen, einmal ernsthaft die Frage stellen, was sie durch ihre Haltung möglicherweise sich selbst, dem Nächsten, ihren Angehörigen, ihrer Umwelt und letztendlich unserer Gesellschaft antun. Aber auch genau analysieren, ob ihr Wohl und ihre Freiheit über denen der anderen stehen. Eine nicht zu unterschätzende Grund- und Gewissensfrage!

Demokratie, Freiheit und freie Meinungsäußerung sind ein hohe Güter. Wenn sie jedoch falsch verstanden oder interpretiert werden, geraten sie aus den Fugen. Wer in seiner Freiheit nur ein ichbezogenes, antisolidarisches und ein nur auf sich selbst zugeschnittenes, individuell biegbares Grundrecht sieht, sollte mal intensiv einen Blick in autoritär geführte Länder wie China, Russland oder ähnliche werfen. Vielleicht erkennt er dann, was Freiheit bedeutet.

Es steht viel auf dem Spiel!

Thomas Proft, Schwetzingen

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