Wer wird das je verstehen?

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Zum Reformationstag wird uns geschrieben: Am 31. Oktober 1517, also vor 505 Jahren, hat Theologieprofessor Dr. Martin Luther seine 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg befestigt. Das war der Auslöser der Reformation. Am 31. Oktober 2022 war dies weder der Schwetzinger Zeitung noch der RNZ eine Zeile wert. Nur das Kalenderblatt eines Abreißkalenders hat erinnert.

Es sind ja nicht nur wir heutigen deutschen Menschen, als die wir uns damals noch kaum sahen, sondern die Angehörigen einer weltweit verbreiteten reformierten christlichen Religion, in all ihren Ausprägungen, die mehr als betroffen sein müssten.

Schon immer war es unerlässlich, dass Menschen sich, ihre Kultur und Religion wertschätzten. Sonst wären sie noch häufiger in archaischer Verblendung übereinander hergefallen.

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zg
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Wenn auch Luthers Reformation dies bis heute nicht verhindern konnte, so waren viele nach seiner Bibelübersetzung in eine damals allgemeinverständliche deutsche Sprache in die Lage versetzt, zu hören, lesen und zu schreiben, was christliche Religion von ihnen erwartete. Eine damals ungeheuerliche Forderung war auch, Kinder beiderlei Geschlechts in Schulen zu unterrichten. Es gibt daher keine Ausflüchte mehr und sollten es auch nicht mehr geben.

Im christlichen Abendland wurden jedenfalls Grundlagen geschaffen, die das Zusammenleben der Menschen humaner und verzeihbarer möglich machten. Das im ursprünglichen christlichen Zusammenleben mehr oder weniger gelingende Prinzip des „kategorischen Imperativs“, wie man es verkürzt in der Formel kennt „was Du nicht willst, was man Dir tu, das füge auch keinem anderen zu“, das auch in der Bergpredigt zum Ausdruck kommt, ist leider weitgehend untergegangen. Falsche Nachrichten, Angstmacherei und utopische religionsähnliche Heilsversprechen haben Konjunktur. Von heidnischen Bräuchen wie Halloween ganz zu schweigen. Hinter allem schwingt auch der Mammon sein Zepter.

Von der Erkenntnis Luthers, dass nur Gottes Gnade unseres Lebens Ziel und Zweck ist, kaum mehr eine Spur. Am Reformationstag hätten wir alle darüber nachdenken können.

Helmut Müller, Reilingen

Anmerkung der Redaktion: Sowohl zum Reformationstag als auch zu Allerheiligen/Allerseelen hatten wir je ein Geistliches Wort der jeweiligen Pfarrer bei uns veröffentlicht.