Stadtpolitik in Hockenheim - Erst mal die Grundlagen für ein Entwicklungskonzept erarbeiten und alle Punkte auf den Tisch legen Werden die Weichen gestellt?!

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In der Gemeinderatssitzung vom 19. Mai wurde in zwei Tagesordnungspunkten (TOP) über die weitere Entwicklung von Hockenheim entschieden. In TOP 3 ging es um das Gesamtstädtische Entwicklungskonzept (GEK) und in TOP 6 um eine Änderung des Regionalplanes im Gewann Biblis IV. Leider hatten sich zuletzt beim GEK nur 77 Bürger eingebracht (0,35 Prozent). Dies ist nicht der Verwaltung anzulasten!

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Das vorgestellte Entwicklungskonzept ist aber meines Erachtens nur eine Zusammenstellung von Punkten, die in Hockenheim teilweise seit Jahrzehnten bekannt sind. Einzelne Punkte sind schon umgesetzt oder in Arbeit. Des Weiteren werden keine genauen Ziele und Maßnahmen angegeben, auf denen sich eine weitere Planung aufbauen lässt. Ob dies eines separaten Unternehmens bedurft hat? Wahrscheinlich nur für die Förderung.

Unter TOP 6 war es unbedingt notwendig, den ersten Schritt in Sachen neues Baugebiet zu beschreiten? Auch wenn mehrfach von der Verwaltung beteuert wurde, dass dies noch nicht bedeutet, dass dort auch gebaut wird! Wie schnell wurden Flächennutzungspläne geändert und andere Voraussetzungen geschaffen, damit dort das Altenheim gebaut werden konnte? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Auch hier gilt aus meiner Sicht ein ganz klares Nein! Hätte man sich mal an die im GEK aufgezeigten Bevölkerungsprognose für Hockenheim bis 2035 erinnert (siehe Seite 24 des Konzepts), dann wäre wahrscheinlich die Entscheidung gegen diesen ersten Schritt gefallen. Aber halt – und jetzt schließt sich der Kreis zu TOP 3 – die anderen Flächen werden ja als Parkflächen für den Hockenheimring benötigt.

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Ein Klima-, Mobilitäts- oder Lärmschutzkonzept besteht nicht und muss erst noch entwickelt werden. Obwohl im GEK mehrfach auf den sorgsamen Umgang mit Ressourcen – egal welcher Art – hingewiesen wird. Da haben die Aussagen und Beteuerungen einer Verwaltung zum Beispiel zum Kooperationsvertrag Klimaschutz, die Halbwertszeit einer Seifenblase.

Ist es denn nicht absolut widersprüchlich, den Friedhof zu einem Naherholungsgebiet „ausbauen“ zu wollen und über die Straße, also im gleichen „Lärmkegel“, liegt der Reiterplatz? Dieser ist ja bekanntlich aus Lärmschutzgründen zur Wohnbebauung nicht geeignet. Auf Anfrage eines Bürgers zur ehemaligen Kleintieranlage verkündet unser Stadtoberhaupt stolz, dass hier jetzt ein Waldkindergarten entstehen soll.

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Eigentlich eine sehr gute Idee. Diese Anlage liegt aber direkt neben dem Friedhof und noch einmal näher zum Hockenheimring. Direkt am Eingang zum Campingplatz C3. Da bekommen die Kinder dann ein perfektes Spektrum des Lebens präsentiert. Aber vielleicht schließt man ja C3?

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Noch was gilt es zu fragen: Ob es sich in diesem Bereich noch um einen Wald handelt? Aber vielleicht will man auch hier die Kinder schon auf ihre Zukunft vorbereiten.

Das wäre wirklich mal ein Thema für die Fernsehsendung „Extra 3“. Also: Ein GEK vorzulegen, ohne vorher ein Mobilitäts- und Klimakonzept erstellt zu haben, das kann aus meiner Sicht nicht funktionieren. Diese müssen doch Bestandteile oder Grundlage eines solchen GEK sein! Des Weiteren müssen alle Flächen und Gewerbebetriebe berücksichtigt werden und dazu gehört auch der Hockenheimring.

Die Landwirtschaft in die Schranken zu weisen und maßregeln zu wollen, aber auf der anderen Seite dann ein einzelnes Unternehmen in einen Kokon zu wickeln, das geht einfach nicht mehr.

Es muss alles für ein Gesamtstädtisches Entwicklungskonzept auf den Tisch. Auch wenn es wehtut. Ansonsten werden in Hockenheim nur noch Investoren das Sagen haben oder es gibt weiterhin nur Stückwerk.

Uwe Wacker, Hockenheim