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Werteordnung im Spannungsfeld der Systeme

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Zu unserer Gesellschaft und ihrem Wertesystem erreicht uns folgender Leserbrief:

In allen Lebensbereichen, ob im sozialen, wirtschaftlichen, politischen oder religiösen Umfeld, begegnet man mittlerweile Aussagen, die das Thema „Werte“ und deren Bewahrung als oberste Priorität auf der Agenda stehen haben, wobei einem schon die Überschaubarkeit abhandenkommen kann. Was sind eigentlich Werte und wer definiert sie wie? Materielle und ideelle Werte kennt wohl jeder, aber was sind dann im Speziellen demokratische Werte und westliche Werte?

Werte kann man im Allgemeinen als anerkannte Orientierungshilfen für das eigene Handeln ansehen, um im Idealfall den Vorstellungen der Gesellschaft zu entsprechen. „Wert“ hat sicherlich auch etwas mit Qualität, Wichtigkeit, Bedeutung, Geltung, Achtung und wahrscheinlich auch Anerkennung zu tun, nicht zu vergessen die Inhaltsschwere von Begriffen wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Respekt, Rücksichtnahme, Menschenrechte, Glaubwürdigkeit, Charakter, Empathie, Ethik, Moral und Vertrauen, denn all diese Termini korrelieren natürlich miteinander und spiegeln sich permanent im gesellschaftlichen Zusammenleben.

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Die Realität zeigt uns aber, dass der Werte-Begriff durchaus sehr weit gefasst wird und auch viel Interpretationsspielraum zulässt, was eine klare Sichtweise nicht gerade einfacher macht. So hat denn auch jede Gesellschaft, kulturspezifisch bedingt und geprägt durch religiöse, historische oder auch traditionelle Gegebenheiten, andere Ansichten und eine eigene unverrückbare Definition darüber, welche Werte richtig, falsch oder gar erstrebenswert sind, und diese stehen sich dann zum Teil auch noch diametral gegenüber.

Diese Thematik jedoch bestimmt nun zunehmend unseren Alltag, hervorgerufen durch die mittlerweile immense Präsenz und Dominanz der globalen Krisenherde, was natürlich Konfrontationen und Irritationen auslöst, die letztlich in Diskursen und Debatten um „Werte“ schlechthin münden.

Die Krisen in den Bereichen Klima, Finanzen, Flüchtlinge, Missbrauch und Corona sind immer noch allgegenwärtig und auch noch lange nicht bewältigt, da ereilt uns schon die nächste Krise, die ursächlich dem Ukraine-Krieg geschuldet ist. Hierbei werden wir nun mit ungeahnten und bisher nicht gekannten Problemen konfrontiert, die bis dato definitiv keine waren. Urplötzlich finden wir uns in einem neuen Krisenmodus wieder, einem Konglomerat mit existenziell bedrohlichen Auswirkungen auf unser aller Alltagsleben, wenn man nur die rasante Eskalation steigender Preise auf dem Energie- und Lebensmittelsektor sowie die uferlos galoppierende Inflation betrachtet. In dieser Konsequenz spiegelt das genau das zügellose Verhalten und die Machtgier von Potentaten, basierend auf deren ignorantem, narzisstischem und menschenverachtendem Selbstverständnis, nicht weil es Sinn macht, oder gar gut wäre, nein, sondern einzig und allein, weil sie es können und dadurch ihr egomanes Gehabe befriedigen!

Leider kann man sich historische Ereignisse nicht aussuchen, man wird mit ihnen konfrontiert, doch man kann versuchen sie zu verstehen, man sollte jedoch die richtigen Lehren daraus ziehen. Außerdem muss es das Bestreben aller sein, eine Balance zu finden zwischen materiellem und technologischem Fortschritt und humanen, menschenwürdigen Werten, denn nur so kann ein gesellschaftlich harmonisches Zusammenleben gelingen. Werte sollte man respektieren, aber Niemandem aufzwingen!

Glücklicherweise haben wir in unserer Gesellschaft ein Wertesystem beziehungsweise eine Werteordnung, die im Grundgesetz verankert ist. Hier werden uns Menschenwürde, friedliches Leben, innere Sicherheit, individuelle Freiheit, rechtliche Gleichheit, soziale Gerechtigkeit, Volkssouveränität und Demokratie zugesichert. Doch Vorsicht: Hat eine Werteordnung einen alleinigen Anspruch auf Wahrheit, dann sind das schon Anzeichen und Merkmale einer Ideologie. Wir sollten uns daher bewusst sein, dass in diesen wirren Zeiten Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind, sondern immer wieder neu erkämpft werden müssen.

Gerhard Kiermeier, Hockenheim

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