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Windkraft im „Entenpfuhl“ – das ist eine nie endende Geschichte

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Zur Idee, Windräder statt Kiesabbau im „Entenpfuhl“ zu erlauben, schreibt uns dieser Leser seine Meinung:

Endlich September! Gott sei Dank das Ende von „Brot und Spiele“ mit Neun-Euro-Ticket und Ähnlichem. Was haben wir doch tonnenweise CO2 eingespart, aber das Wetter, das in zehn bis 20 Jahren unser Klima sein soll, scheint wenig amüsiert. Warum auch, wenn weiter kräftig an den falschen Stellschrauben ideologisch herumgefummelt wird. Selbst der Weltklimarat hat inzwischen kleinlaut eingeräumt, dass wohl auch eine Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre nur zu einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen um ein Grad Celsius führt.

Dabei liegt doch eine wesentliche Ursache unserer seit längerem zunehmenden Probleme (Dürre, Erderwärmung) – selbst verursacht – und immer weiter beschleunigt, offen zutage. Dies muss nach dem Willen der EU noch beschleunigt werden (European Green Deal).

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Seit dem Jahr 2000 haben wir „Europäer“ Westeuropa – und nicht zu vergessen die Meere vor allem im Norden – mit zirka 300 000 Windrädern zugeballert und es sollen ja noch viel mehr werden. Am wirksamsten, was die Energieumwandlung betrifft, sind dabei die „Offshore“-Installationen des „Nordwestwalls“ nördlich von Schottland (in der schottischen See beziehungsweise der Nord- und Ostsee).

Da seit Jahrhunderten die Tiefdruckgebiete dort entstehen, wo der Golfstrom und die polaren Gewässer zusammenkommen, war hier der Ausgangspunkt für Luft- und Wolkenmengen, die ihren Weg Richtung Südosten genommen haben. Diese Wind- und Wolkenmengen ziehen in relativ geringer Höhe (350 bis 500 Meter) los und stoßen relativ bald auf eine Wand von 300 bis 450 Meter hohen Windturbinen, welche nicht nur den Wind ernten wollen, um ihn in Strom zu verwandeln, sondern als Kollateralschaden prügeln sie auch große Regenmengen aus den Wolken, wie amerikanische Forscher schon vor zehn Jahren festgestellt haben. Im Ergebnis bremst diese Energieumwandlung mit gleichzeitig hohen Umwandlungsverlusten die Windgeschwindigkeit ab, und die Niederschlagsmengen werden vermindert.

Nach dem Passieren mehrerer Windräder und gestaffelt stehender Windparks (so nennt man diese Energievernichtungsmonster verniedlichend marketinggerecht) stehen zu guter Letzt die Londoner und Hamburger fast immer im strahlenden Sonnenschein und vermissen ihr Schmuddelwetter. Dazu flehen Land- und Forstwirte in Küstenländern um ein wenig Niederschlag. Aber das war einmal, das kommt so nicht wieder. Die Reste der gefledderten Tiefs werden von küstennahen Windturbinen Onshore weiter geschröpft, bis das Ganze (Wind und Feuchtigkeit) ans natürliche Ende kommt.

Wenn auch der letzte Windhauch geerntet ist, wird irgendwann die Windkraftlobby einsehen müssen, dass man Strom nicht essen kann – und ohne Wälder und Nahrung alles nichts ist. Ein neues, schmerzliches Trauma wird hier schon sichtbar.

Leider ist das nicht die einzige Kröte, welche man wohl oder übel schlucken muss. In den letzten Jahren war zusätzlich zu erkennen, dass die massive Windbeeinflussung durch den sogenannten „Nordwestwall“ der Windturbinen den über Jahrhunderte konstant um den Nordpol kreisenden Jetstream von arktischer Kaltluft dergestalt gestört hat, dass er kurzzeitig erlahmt oder nach Süden ausbricht, wobei er südliche Breiten erreicht, welche solche tiefen Temperaturen bisher eher selten erlebt haben. Da die nach Süden drängende Kaltluft in der Arktis kein Vakuum hinterlassen kann, strömt in einer zwangsläufigen Gegenbewegung tropische Warmluft (zum Beispiel mit Saharastaub) in die Arktis, mit entsprechenden Folgen für Eismengen und Meeresanstieg, soweit Festlandeis abschmilzt.

Das Wetterchaos ist somit perfekt und mit den Folgen müssen wir uns befassen. Dass sich die europäische Landmasse infolge der Wind- und Regendefizite zwangsläufig aufheizt, ist nur eine der Folgen, welche zu beobachten sind.

Auch ist eine neuere Beobachtung, dass im Nordmeer entstehende Tiefdruckgebiete in letzter Zeit aufgrund der Widerstände in Zug-richtung Südosten abweichend zunächst nach Süden über den Mittelatlantik ziehen, bis sie sich im Süden mit sehr warmen und sehr feuchten äquatorialen Winden vereinen, um gemeinsam wieder Richtung Europa (Spanien, Biskaya) zu ziehen, wo sie wenig Widerstand finden und so nach Südeuropa sowie Süddeutschland und weiter (zum Beispiel Korsika, Tirol, Eifel, Ahrtal) gelangen. Für unliebsame Überraschungen ist auf jeden Fall gesorgt.

Unter den momentanen Voraussetzungen ist auf jeden Fall der Bau eines Windrads im „Entenpfuhl“ zwischen Ketsch und Schwetzingen genauso sinnvoll, wie eine Ananasplantage auf Grönland zu planen. Kein rational entscheidender Investor wird es auf sich nehmen, rund acht Millionen Euro für ein 250 bis 300 Meter hohes Windrad auf kiesigem, schwankendem Grund zu errichten. Und was das Wasserwirtschaftsamt zu 50 bis 60 Meter tiefen Pfahlgründungen durch die Grundwasserschichten zu sagen hat, bleibt ebenso offen wie die Frage, was eigentlich der momentane Pächter dieses Areals sagt, wenn sein Pachtgrundstück etwa von der EnBW im Auftrag des Landes Baden-Württemberg überplant wird.

Gelten geschlossene Verträge etwa heute nur noch, solange sich das Land hiervon Vorteile verspricht? Das Land – und auch die neue Umweltministerin – wäre gut beraten, wenn sie die längst durch neue Entwicklungen veränderten Windpotenziale auch im Rhein-Neckar-Kreis zur Kenntnis nehmen würden. Eine Orientierung an Daten aus vergangenen Zeiten kann nur zu Fehlinvestitionen führen. Nicht ohne Grund hat auch in 2016 der Nachbarschaftsverband des Rhein-Neckar-Kreises den Standort „Entenpfuhl“ aus seiner Gebietskulisse für Windkraft herausgenommen.

Es wäre auch pietätvoller mit der Zerstörung der kleinen Waldfläche des „Entenpfuhls“ abzuwarten, bis die momentane Energiepolitik zum Absterben auch dieser Waldfläche führt; erste Früchte dieser Politik sind bereits vor Ort zu besichtigen.

Bei der Berechnung der benötigten Waldfläche wurde – wie gerne üblich – die Berücksichtigung der Zuwegungen zu den Standorten der Windkraftanlagen, welche dauerhaft frei zu halten wären, nicht berücksichtigt. Damit wäre dann schnell die Hälfte des vorhandenen Areals verloren und büßte auch sämtliche sonstigen heutigen Zusatzfunktionen (Lärmschutz et cetera) ein.

Klaus-Günther Voigtmann,

Ketsch

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