Wir brauchen die drei Kernkraftwerke

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Zur Energiepolitik Deutschlands und die Sorgen, die herfür bei dem Einsender dieser Zuschrift daraus wachsen.

Wir treiben auf eine große Energiekrise zu, die unberechenbare, wahrscheinlich schwerwiegende Folgen für unsere Wirtschaft und Gesellschaft haben wird. Anstatt die drei CO2-emissionsfreien Atomkraftwerke für den Weiterbetrieb zu ertüchtigen, sollen diese aus ideologischen und parteipolitischen Gründen zum Jahresende abgeschaltet werden. Das ist unverantwortlich und entbehrt jeglicher Weitsicht.

Das oft genannte Hochrisiko ist nur im Klimawandel und dem Verlust von Lebensräumen zu sehen, nicht aber in der Nutzung der immer weiter reifenden Technik. Ausreichend Siedlungsflächen, Nahrung und Energie sind elementare Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander. In den 1960er Jahren liefen bei uns die ersten Digitalrechner, mit einem Arbeitsspeicher von wenigen Bytes, die, wie die Logik der CPU (Prozessoren), mit Radioröhren realisiert wurden. Heute haben bereits Kinder Smartphones in der Tasche, die einem Rechenzentrum jener Zeit leistungsmäßig weit überlegen sind. Warum wird diese Entwicklung als selbstverständlich angesehen und die gleiche fortschrittliche Entwicklung in der Nukleartechnik ignoriert?

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Veröffentlicht
Von
Birgit Holzer und Katrin Pribyl
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1960 war unsere Erde mit zirka drei Milliarden Menschen besiedelt. Heute sind es bereits über acht Milliarden – Tendenz steigend. Der Primärenergieverbrauch hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdreifacht – Tendenz steigend. Der weitaus größte Energieanteil wird mit fossilen Brennstoffen gedeckt – Tendenz steigend.

Diese Entwicklungen führen schneller zur Erderwärmung, als uns lieb sein kann. Trotzdem werden auch bei uns wieder zunehmend fossile Brennstoffe eingesetzt, um den Energiebedarf einigermaßen zu decken. Und obwohl gravierende Energieengpässe zu erwarten sind und die Energiepreise ins unerträgliche steigen, produzieren unsere drei modernen Kernkraftwerke aus ideologischer Engstirnigkeit, statt Strom nur hohe Kosten.

In unserer Situation hat eine saubere Energieversorgung eine besondere Bedeutung. Und da die Entwicklung von Fusionsreaktoren noch lange dauern kann, ist die Kernenergie dazu eine wichtige Säule. Reaktoren der neueren Generation bieten sehr viel Interessantes und die großtechnische Umwandlung strahlender Rückstände in nicht strahlende Materie macht große Fortschritte. Wir brauchen keine Endlager, sondern nur Zwischenlager für begrenzte Zeit.

Unseren Politikern fehlen eigene Kenntnisse und richtige Berater für notwendige Visionen. Zusätzlich hat man den Eindruck, dass die Wissenschaft zu sehr artig schweigt und der Entwicklung ins Chaos und einer möglichen Unregierbarkeit des Landes zusehen muss.

Ein Lichtblick ist hier die Petition „Stuttgarter Erklärung“, der sich hoffentlich noch viele Mitbürger anschließen: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2022/_07/_26/Petition_136760.$$$.a.u.html

Fazit: Im Augenblick brauchen wir die drei Kernkraftwerke, um die Energieengpässe zu mindern und Energiepreis zu begrenzen. Der zusätzlich anfallende Atommüll spielt im Zusammenhang mit dem bereits vorhandenen kaum eine Rolle. Über die weitere Energieversorgung sollte unter Abschätzung aller Risiken ideologiefrei nachgedacht und gehandelt werden. Unsere derzeitige Regierung tut sich da wohl sehr schwer damit.

Professor Dr.- Ing. B. Itschner, Karlsruhe