Wird anderen Höfen das Lebensrecht abgesprochen?

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Zur Neuansiedlung von landwirtschaft-lichen Betrieben am Herrenbuckel in Reilingen wird uns geschrieben:

Nach dem Vor-Ort-Termin vom Dreikönigstag, 6. Januar, wegen der beantragten Neuansiedlung am Herrenbuckel gibt es einiges zu verdeutlichen. Seit etwa fünf Jahren besteht am Rande des Dorfs im Gewann „Herten“ der Lagerplatz eines Landwirts. Wahrscheinlich wurde dabei eine Wiese befestigt und es entstand nach einiger Zeit eine nicht genehmigte Betriebsstätte. Damit entstanden auch Probleme im angrenzenden Wohnbereich. Derzeit spricht man von einer prekären Situation im Bereich des „Kleinen Hertenwegs“, die im Sinne der Anwohner und der Dorfentwicklung bereinigt werden müsse.

Anscheinend hat die Gemeinde als Eigentümerin des Geländes, trotz anhaltender Beschwerden vielfältiger Art, noch keine Notwendigkeit gesehen dem Landwirt eine Kündigung auszusprechen. Leider scheut der Gemeinderat die Konfrontation und hofiert den Antragsteller lieber aus dem Ort hinaus. Man stellt einen Freibrief für eine Ansiedlung im schützenswerten Naturraum am Herrenbuckel in Aussicht.

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Damit löst man die Situation nach dem Sankt-Florian-Prinzip. Jetzt sollen sich also die Familienbetriebe am Herrenbuckel mit dem Antragsteller auseinandersetzen. Bisher wurde am „Kleinen Hertenweg“ nicht sehr feinfühlig mit der Nachbarschaft umgegangen. Das stimmt uns Anwohner am Herrenbuckel sorgenvoll. Wie wenig der Antragsteller an einem friedvollen Nebeneinander interessiert ist, zeigt sein aktueller Einstieg in den Brennholzhandel. Ein Gewerbe dieser Art hat in diesem sensiblen Bereich schon gar nichts verloren. Anscheinend will man zeigen, wie wenig die Einwände und Bußgelder der Behörden interessieren.

Den Anwohnern am Hofgärtchen ist absolut kein Mangel an Toleranz vorzuwerfen. Nicht ganz so genau nimmt man es auch mit der Kommunikation mit der Presse. Gespräche mit unserer Familie bezüglich einer Zufahrtsregelung der Lkw-Sattelauflieger auf den engen Feldwegen, wie man in der Schwetzinger Zeitung vom 7. Januar lesen konnte, haben nie stattgefunden. Die Situation stimmt uns sorgenvoll.

Wir fragen uns zudem: Woher kommt die Fläche für den Landwirt? Der Technische Ausschuss der Gemeinde Reilingen gab grünes Licht für die Ansiedlung eines landwirtschaftlichen Betriebes am Herrenbuckel. Woher soll die Fläche für einen neuen Bauern kommen? Seit Jahren verlieren die Betriebe Flächen. Bestes Ackerland in den Herten wurde für das Neubaugebiet versiegelt. Dazu kommt die erforderliche Ausgleichsfläche, die auch verlorengeht. Aktuell steht die Erweiterung der Rastanlage an der A6 im Raum. Zudem Freiflächenphotovoltaik am Sandweg und Windkraft am Heidelberger Weg.

Unvermeidbar ist die Güterbahntrasse von Rotterdam nach Genua. Nochmals, woher soll die Fläche für einen neuen Bauern kommen? In Reilingen gibt es sechs Familienbetriebe, die ihren Hof an Familiennachwuchs weitergeben können.

Jetzt stellt sich die Frage, welchen Höfen der Gemeinderat das Lebensrecht abspricht?

Victoria Hertlein, Reilingen