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Wo bleiben die Frauen in unserer Zeitung?

Lesedauer

Zur Gewichtung im Sportteil wird uns von dieser Leserin geschrieben:

Verwundert reibt sich die sportbegeisterte Zeitungsleserin die Augen. Gibt es keine erfolgreichen Frauensportarten in der Region? So finden sich tagtäglich in Großformat die Meldungen über Männer im Sport quer durch alle Haupt- und Randsportarten. Nur wenn die Stars der weiblichen Szene wie Maleika Mihambo, Elisabeth Seitz oder Gina Lückenkemper Großes vollbringen, so ist es eine großflächige Meldung wert.

So findet sich zum Beispiel am 22. August die überaus wichtige Meldung der überstandenen Harnwegsinfektion von Radprofi Emanuel Buchmann über der kleinen Randnotiz, dass Leonie Beck Europameisterin im Freiwasserschwimmen wurde. Weiter geht es mit einem weiteren kleinen Randartikel auf Seite 28 über den grandiosen Lauf von Lea Meier und den Gewinn ihrer Silbermedaille, der völlig unter der Überschrift verschwindet.

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So geht es dann weiter mit Meldungen aus dem Männersport. Als hätten der Mannheimer Morgen und die Schwetzinger Zeitung keine sportbegeisterten Leserinnen oder auch am Frauensport begeisterten Leser. Das spüren auch seit Jahren nicht nur die Bundesliga-Spielerinnen der Kurpfalzbären Ketsch und die erfolgreichen weiblichen Jugendmannschaften aus der Region. Obwohl sie, die Kurpfalzbären, damals noch Bundesliga spielten, mussten sie sich hinter den ebenfalls in der ersten Liga spielenden Rhein-Neckar-Löwen und den Berichten über die Zweitligaspiele der befreundeten HG Oftersheim/Schwetzingen einreihen und oft mit Randnotizen begnügen. So auch in der Ausgabe vom 26. August. Man muss im Sportteil bis zur vierten Seite gehen, um eine Meldung aus dem Frauensport zu finden. Um dann eine Randnotiz über ein hochklassiges Frauen-Handballturnier in der Neurothalle zu entdecken, bei dem auch die neue Mannschaft der Kurpfalzbärinnen vorgestellt wird.

Nebenan auf der Seite mit Bildern versehene Berichte aus der B Klasse Fußball oder der „dritten der Spvgg Ketsch“. Wie es teilweise der Damenmannschaft der HG O/S in der Badenliga geht, brauche ich hier gar nicht erwähnen, denn diese verschwindet ebenso neben den männlichen Liganachbarn wie ihre höherklassigen Sportkameradinnen aus Ketsch. Wie soll der Mädchen- und Frauensport der Metropolregion an Bedeutung gewinnen, wie sollen Sponsoren und Zuschauer für den tollen Frauensport – egal welcher Art – gewonnen werden, wenn nicht durch attraktive Berichterstattung, bei der die Lust auf mehr geweckt wird?

So entsteht seit diesem Jahr gemeinsam mit den Eulen in Friesenheim ein Leistungszentrum für weibliche Handballspielerinnen ab der C-Jugend für die gesamte Region hier in Ketsch. Dort werden gemeinsam mit den Vereinen der Region die zukünftigen Talente ausgebildet, die teilweise jetzt schon in den Auswahlmannschaften des Badischen Handballverbandes (BHV), Handball Baden-Württemberg (HBW) oder in den Junioren-Nationalmannschaften des Deutschen Handballbundes (DHB) und in den höchsten Jugendligen spielen.

Ein Beispiel für die Nichtbeachtung weiblicher, sportlicher Erfolge ist auch Amelie Möllmann, Spielerin der Kurpfalzbären in der 2. Liga. Sie gewann nicht nur mit der Beachhandball-Nationalmannschaft die Europameisterschaft, sondern wurde auch im Team Weltmeisterin, Worldcupsiegerin und vor 14 Tagen deutsche Vizemeisterin mit ihrer Mannschaft den „Minga Turtles“. Ich warte immer noch auf ein Interview mit ihr oder einen großen Bericht über die Leistungen, die dieses Nationalteam erbracht hat, vergeblich.

Mit großer Begeisterung lese ich auch immer die treffsicheren Kommentare von Marc Stevermüer zum Handballsport. Ich fordere hiermit ihn und seine Kolleginnen und Kollegen auf, den Frauensport und die Leistungen der weiblichen Sportlerinnen zu honorieren, entsprechend zu berichten und kritisch zu hinterfragen, um endlich die Wahrnehmung sowie die Entwicklung zu unterstützen. Denn nur durch diese Beachtung steigen die Chancen auf gleichwertige Bezahlung und Unterstützung der Sportlerinnen, ihrer Vereine und Sportarten durch die unverzichtbaren Sponsoren.

Aber auch das allerwichtigste, nämlich die Anerkennung und Wertschätzung der sportlichen Höchstleistungen erfährt dadurch auch die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Nur so begeistern sich auch weitere Mädchen und junge Frauen für die Sportvereine und letztendlich den Leistungssport.

Nicole Blem, Schwetzingen

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